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Der Israelit · 1892-11-24 · Heft 93 (24.11.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 93 (24.11.1892)
Date
1892-11-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXni Jahrgang. Zweite KrUaze zu JVs 93 -es „Israelit“. Literarische Hlotiz. Vor einigen Tagen erschien im Heuser'schen Verlage (LouisHeuser) Neuwied und Leipzig eine Broschüre: „das Judenthum und sein Recht von Dr. Walter Pohlmann, Oberlehrer am Kgl. Gymnasium zu Neuwied. — Wenn schon ein guter Muth dazu gehört, heute dem wüsten Treiben der Antisemiten sich entgegenzustellen, so müssen wir doch in diesem vorzüglich geschriebenen Merkchen mehr noch den Edelsinn und die Gerechtigkeitsliebe bewundern, die den Herrn Verfasser bewegten, mit solch herzlich-kräftigen Worten der Judenhetze entgegenzutreten, „die sich durch den Namen Antisemitismus ein gewisses vornehmes, wissenschaftliches Gewand umzuhängen bemüht ist." (Seite 4.) Mit klarem Blicke überschaut er den Lauf der Geschichte der Juden, um mit trefflichen Worten die Fehler, die den Juden früherer Jahrzehnte anhafteten, aus ihrer Vergangenheit, die dem deutschen Volke heilige Ehrenschulden gegen ihre jüd. Mitbürger aufgehäust hat. zu ^begründen. „Die einstigen Unterdrücker des Judenthums ernten nur, was sie gesäet haben. Gebt den Juden auch die gesellschaftliche Gleichberechtigung, und alle Folgen der ehemaligen Knechtschaft werden bald verschwinden." (Seite 29.) — Auf 43 Seiten äußert sich der Herr Verfasser über die Ursachen der jetzigen Judenverfolgung, die antisemitische Kampfesart, die Ehrenschuld des deutschen Volkes, die Unverwüstlichkeit jüd. Tugenden, die jüd. Fehler, die Lösung der jüd. Frage u. s. w. mit solch eindringlichenWorten, in solch vorurtheilsloser Weise, daß wir die unabweisliche Pflicht besitzen, dem Büchlein, das nur 0,50 M. kostet, die größte Verbreitung zu verschaffen. Neuwied. Jul. Ransenberg, Lehrer. Zeit«ugs«achrichteu und Correfponderrze«. Deutschland. Berlin. Trotz der größeren Anzahl jüd. Religionsschulen in unserer Reichshauptstadt, hat es die eminent pädagogische und organisatorische Kraft des Rabb. der Lippmann-Tauß -Synagogengemeinde, Herr Dr. Oskar Lippschütz vermocht, vor Jahresfrist ein Institut ins Leben zu rufen, das würdig ist zu den besten der Berliner Judenheit und als Stütze des wahren, unverfälschten orthodoxen Judenthums gezählt zu werden. Seinem edlen Pflichteifer und der opferfreudigen materiellen Unterstützung des Vorstandes der Lippm.-Tauß- Synag.-Gemeinde ist es zu danken, daß 320 Kindern unentgeltlicher Religionsunterricht ertheilt wird. Welch freundliches Entgegenkommen genanntes Institut bei uns gefunden, beweist das stete Anwachsen der Schülerzahl und die dadurch bedingte Vermehrung der Lehrkräfte, deren die Schule z. Z. 7 zählt. Das bescheidene Wirken des Leiters H. Dr. Lippschütz hat uns bis jetzt unmöglich gemacht in die bis jetzt erzielten Resultate Einblick zu thun, jedoch die am 10. Okr. d. I. abgehaltene öffentliche Prüfung hat unsere berechtigten Hoffnungen nicht getäuscht, denn diese bewies was eine Schule unter solch thatkräftiger Leitung in kurzer Zeit zu leisten vermag. Mit der einleitenden Ansprache des Rektors begann die Prüfung, die drei Stunden lvährte, um mit dem Kaisergebete und der Volkshymne zu schließen. Möge es dem Herrn Dr. Lippschütz und seiner Gemeinde auch ferner vergönnt fein, dieses, das wahre unverfälschte Judenthum stützende Institut noch lange zu leiten und zu erhalten, dann wird auch Gottes Segen darauf ruhen und es erblühen lassen zur Freude der noch warm fühlenden Herzen des Judenthums. lll. Fürstenwalde a d. Spree, 10. Rovbr. In unserem Städtchen von 15,000 Einwohnern mit 20 jüdischen Familien hatten fünf antisemitische Kaufleute, die auf Weihnachten die Konkurrenz der paar jüdischen Geschäftsleute fürchten, eine öffentlichte Volksversammlung einberufen, worin Herr Schwennhagen aus Berlin einen Vortrag über den Talmud halten sollte. Der Text hieß: „Die heutigen Sittenlehren der jüdischen Rabbiner", das Thema: „Kauft nicht für unser heiliges christlich-deutsches Weihnachtsfest bei Juden!" Man kann nun nicht mehr, um diese Forderung zu stellen, den Juden einfach als Betrüger, Schwindler, Meineidiger und Majestätsverbrecher bezeichnen, denn derartige „Ahlwardtianer" haben meistens ein unangenehmes Nachspiel in Plötzensee. Deswegen muß das Schmerzenskind, der Talmud, herhalten. Hierin ist nach den Ausführungen der Hetzer Alles enthalten, Raub, Ritualmord, Meineid, Unzucht, Majeftätsverbrechen und noch andere schöne Dinge. Geradezu haarsträubend sind nach der Allg. Ztg. d. I. die Anklagen dieser Antisemiten gegen die Juden an der Hand des Talmud, Schulchan Aruch h., noch haarsträubender aber die Unwissenheit der Redner, denen auch die elementarsten Begriffe über jüdische Literatur fehlen. Von demselben Schlage waren auch die Ausführungen, die Herr Schwennhagen aus Berlin vor einem Publikum von ca. 800 Köpfen zum Besten gab, worunter sich nur ein einziger Jude, der Prediger L. Wolff aus Berlin, der die hiesige Religionsschule leitete, befand. Kaum hatte der Redner geendet, da rief der genannte Herr W.: „Der Judenprediger bittet um's Wort!" und stand auch schon auf dem Podium. „Jude hinaus! Haut ihm!" scholl es ihm entgegen. „Wenn Sie Muth haben, so hören Sie auch die Vertheidigung auf die schweren Anklagen, ich fürchte mich nicht;" so begann er, und still wurde es. „Man hat hier über den Talmud zu Gericht gesessen und hat ihn, sammt dem Schulchan Arnch vernichtet, verurtheilt und damit auch unsere Sittenlehren. — Haben Sie schon einmal

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