Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-11-24 · Heft 93 (24.11.1892) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 93 (24.11.1892)
Date
1892-11-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448305--35253-2483229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1772 zu träumen glaubte und Mühe hatte sich davon zu überzeugen, daß er nicht das Opfer einer Halluctnation, daß er Ohren- und Augenzeuge eines thatsächlichen Erlebnisses gewesen. Der Oberhoffaktor behielt zwar seine würdevolle Ruhe bei, aber die Thränen, die in seinen Augen glänzten, bewiesen seine warme Thetlnahme. Er war der Erste, der, sich an Levi wendend, das Schweigen brach. „Die Hoffnung, die ich für Sie ausgesprochen, hat sich, durch Gottes Huld, weit rascher erfüllt, als ich erwartet hatte. — Die Protektion eines der einflußreichsten Männer der Welt verscheucht jede Gefahr, die bislang über Sie und die Ihren geschwebt — auch werden wir jetzt, wo wir jeder Rücksicht ledig sind, mit Gottes Hilfe die Spuren Ihrer Mutter und Schwester rasch auffinden können." „Das Alles hoff' ich auch", sprach Levi, „aber noch immer lastet eine fürchterliche Ungewißheit auf meiner Seele; — aber Gott, der so wunderbar geholfen , wird in seiner Gnade auch den harten Schlag, den ich befürchte, von mir fern gehalten haben .... und meine Seele ist dankerfüllt gegen Gott — und gegen Sie, Herr Oberhoffaktor, der Sie den Fremden, Unbekannten, der pochenden Herzens die Schwelle Ihres Hauses betrat, gastfreundlich aufnahmen, ihm ein Asyl boten, ihm Vertrauen schenkten. Hätte Gottes Huld mich nicht in Ihr Haus geführt, ich hätte nicht erfahren, daß Mutter und Schwester noch am Leben, ich hätte nichts von dem gegen den Fürsten geschmiedeten Komplotte erfahren; wäre ich nicht inJhremHause gewesen, ich hätte, aus Furcht mich zu verrathen, die Anzeige unterlassen müssen, hätte ich diese doch gewagt, man hätte den Angaben eines Unbekannten keinen Glauben geschenkt, eine Anzeige von mir wäre wirkungslos geblieben — und auch Ihnen", wandte er sich an Perez Markbretter, „bin ich zu höchstem Danke verpflichtet! Was Sie an meiner Mutter und Schwester gethan, das kann nicht ich, das kann Ihnen kein Mensch, das kann Ihnen nur Gott lohnen! — Möge Ihnen das höchste Glück auf Erden zu Theil werden!" „Ich hoffe", sprach Wertheimer, „daß Herr Markbreiter, demselben mit Gottes Hilfe wett näher steht, als er noch vor kurzer Frist hoffen durfte. Herr Perez Markbretter hat mir gestanden, er liebt Ihre Schwester und sie erwiedert seine Liebe, doch als Herr Aron Markbreiter bei Ihrer Mutter für seinen Sohn um Ihrer Schwester Hand warb und um Angabe ihres Namens und ihrer Verhältnisse ersuchte, verweigerte sie jede Auskunft und sie zogen es vor ihr ruhiges Asyl zu verlassen und, unbekannt wohin, zu fliehen. Ich glaube Ihr Beide werdet Schwäger werden!" „Ich könnt' mir keinen liebern wünschen", warf Levi dazwischen. „Und Herr Perez Markbreiter kennt noch nicht Ihren Namen, Ihre Vergangenheit, die merkwürdigen Schicksale Ihre Familie! — Schon seit einiger Zeit hatte ich die Wahrheit vermuthet und nach dem, was der Prinz mit Ihnen gesprochen, fand ich meine Vermuthung bestätigt, allein auch mir ist Vieles aus Ihrer Vergangenheit nicht klar, — und ich würde Sie bitten uns Ihre Lebens- und Familiengeschichte mitzutheilen." „Das will ich herzlich gern", sprach Levi. „Es thut mir wohl, den Schleier des Geheimnisses, in den ich mich hüllen mußte, endlich abzuwerfen?' (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs- Mark, für's Ausland 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel zu beziehen bei C. $. Steinacker, Leipzig, Doßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich >4 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Rcdaction eingesandten Manuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurürkznbehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Hinter den Coulissen der galizischen Baron Hirsch-Stiftung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Ostrowo. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Aus Ungarn. — Frankreich: Paris. — Rußland: Moskau. — Rumänien. — Türkei: Monastir. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Gesang im Gottesdienst. Von Dr. A. Ackermann. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Worms. Darmstadt. Aus Baden. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Notiz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Fürstenwalde a. d. Spree. — Vermischtes. Berantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.