Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1892)
- Date
- 1892-11-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1770 fehls, und mußten schließlich die Form der Kuppel ändern und dieselbe bemalen. Als nun die Leiter der noch in Moskau vorhandenen kleinen jüdischen Gemeinde nach Vollendung der Synagoge den Polizeimeister um die Erlaubniß zur Einweihung des Gebäudes baten, erklärte letzterer, nachdem er die vorgelegten Papiere geprüft hatte: „Ja, es ist alles in Ordnung, Sie können Ihre Synagoge am Montag Morgen einweihen". Der Polizeimeister gab diese Erlaubniß schriftlich; als die Juden aber zur bestimmten Zeit in feierlicher Prozession vor ihrer Synagoge ankamen, fanden sie dieselbe von Polizei bewacht und das Thor mit einem Kronsiegel verschlossen. Man wagte dasselbe nicht anzurühren, die Juden holten sich aber eine Leiter, drückten eines der Fenster ein, und stiegen durch dasselbe einer nach dem anderen alle in festlicher Kleidung, Männer Frauen und Kinder, in die Synagoge hinein, vollzogen die Einweihung und verließen wieder auf demselben Wege das Gebäude. Noch am Abende desselben Tages erhielten die zwölf Aeltesten der jüdischen Gemeinde einen Ausweisungsbefehl, welcher auch sofort ausgeführt wurde. Einer der Ausgewiesenen, ein in Moskau sehr geachteter Mann, ist 70 Jahre alt. Diese Ausweisungen haben bei allen rechtlich denkenden Leuten in Moskau Entrüstung erregt, da man sich sagt, daß die Erlaubniß zur Erbauung der Synagoge nicht hätte gegeben werden sollen, wenn sie nicht auch eröffnet werden darf. — Rumänien. Wie in Rußland dauern auch in Rumänien die Juden - Austreibungen fort. Herr E. Finn, der Sekretär der Londoner Gesellschaft zur Unterstützung verfolgter Juden theilt mit, daß im April d. I. ein geheimer Befehl zur Austreibung der Juden vom flachen Lande in die Städte ergangen sei. Durch diesen Befehl, der jetzt mit großer Strenge ausgeführt werde, würden 30,000 Personen betroffen. Binnen 10 Tagen seien 250 völlig mittellose Familien in Jassy eingetroffen, wo sich schon 50,000 Juden befänden. Eine Petition an den Premierminister habe kein Erfolg gehabt und die Ausgetriebenen, unter denen sich viele Frauen und Kinder befinden, seien den ärgsten Entbehrungen ausgesetzt. Türkei. Mouaftir in Macedonien. Auf Befehl des Sultans wurden in unserer Stadt, wo es bisher nur wenige Juden gab, hundertundzwanzig jüdische Flüchtlinge aus Rußland angesiedelt, und erhielten sie zugleich die Zusage, daß die Regierung ihnen beim Bau einer Synagoge und einer Schule behilflich sein werde. Binnen nur wenigen Monaten wird Monastir durch die eben im Bau befindliche Eisenbahn mit Salonichi und somit auch dem civilistrten Europa verbunden sein. > Vermischtes. -4- In Lemberg haben die Behörden aus gesundheitlichen Rücksichten sämmtliche Chedarkm geschloffen und den Melamdim verboten, Unterricht in ihrer eigenen Wohnung zu ertheilen. Die Orthodoxen forderten in einem sehr warm geschriebenen Aufruf auf, eine Sammlung zu veranstalten, um in einem allen sanitären Anforderungen entsprechenden Gebäude die Chcdarin unterzubringen. Es wurden, Dank der regen Agitation, gegen 2500 Gulden gesammelt. In Italien haben in der letzten Woche Parlamentswahlen stattgefunden, wobei mehrere jüdische Deputirte neu gewählt wurden. In Toscana wurden vier, in der Emilia drei, in Venetien vier, in Rom ein Israelit gewählt. Feuilleton. „Fiirstengunst" Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird auf8 Strengste verfolgt werden. UebersetzungSrechte Vorbehalten. (30. Fortsetzung.) Das lebhafte Interesse, das der Prinz an dem jungen, schlanken, kräftig gebauten Manne, mit den edlen, ausdrucksvollen Zügen, den Wertheimer als einen Hauptfaktor bei der Entdeckung des Complottes bezeichnet hatte, notwendiger Weise nehmen mußte, wurde nun noch wesentlich durch das Dunkel, in das ihn Wertheimers räthselhafte Worte hüllten, erhöht. Der Prinz blickte ihm nun mit seinen großen, jklugen Augen, mit verdoppelter Aufmerksamkeit längere Zeit ins Gesicht; plötzlich zuckte er leicht zusammen, wie man zu thun pflegt, wenn man unerwartet eine überraschende Wahrnehmung macht und sprach zu Wertheimer gewendet, ernst: „Herr Oberkriegsfaktor, Sie haben vollkommen recht, der junge Mann da, dem ich Dank schulde, heißt in der That nicht Levi", dann fuhr er, das Wort an diesen selbst wendend, fort: „Wir sehen uns heute nicht das Erstemal" — und als Levi verlegen stammelte, „Euer Durchlaucht irren sich, höchst Sie werden mich mit einem Andern verwechseln", erwiederte der Prinz entschieden: „Ich irre mich nicht. Mein starkes Phisionomiegedächtniß täuscht mich nicht. Sie wurden mir, es sind jetzt acht Jahre her, vorgestellt; und . . . gestatten Sie", der Prinz trat plötzlich an Levi heran, strich dem Ueberraschten das dunkle Gelock an der Stirne weg, „diese Narbe da, läßt trotz Ihres versuchten Widerspruches nicht den leisesten Zweifel über Ihre Identität zu. Ich will es