Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1892)
- Date
- 1892-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1769 Breslau. Ein die christliche Religion in unfläthtgster Weise beschimpfendes antisemitisches Machwerk ist in einem hiesigen Buchladen zum Ergötzen von allerhand Schusterjungen, Lehrbuben und sonstigen halbwüchsigen Rangen zu sehen. Deutsche Christen! Merkt Ihr noch immer nicht, was Ihr von Euren Antisemiten zu erwarten habt? Oftrowo. Unter großer Betheiltgung unserer Gemeinde wurde der hier im Alter von 81 Jahren verstorbene Rentier Herr Israel Joseph Hartmann zu Grabe getragen. Gleich ausgezeichnet durch seltene Vorzüge des Herzens und des Geistes, führte er ein langes, gesegnetes Leben voll Tugend und Gottesfurcht. Geboren in Kobylagüra, Kreis Schildberg, wo er bis vor mehreren Jahren lebte, gehörte der Verstorbene schon in früher Jugend zu denen, die, Religion und jüdisches Wissen pflegend, sich gleichwohl in rastlosem Streben auf allen Gebieten des Wissens selbst fortbildeten. Herr Hartmann war daher auch der Mittelpunkt seiner kleinen Gemeinde, deren Führer und Berather er bis zu seiner Uebersiedelung nach Ostrowo blieb. Hier, wo er in der Familie seines ältesten Sohnes einen ruhigen Lebensabend verbrachte, gewann er sich sofort die Sympathien Aller, und hat durch seinen Tod auch unsere Gemeinde einen großen Verlust erlitten. War sein Wandel schon bisher ein guter und frommer, so konnte sein Leben in unserer Gemeinde als vorbildlich gelten. Ein jeder Tag war guten Werken geweiht und seine Wohlthätigkeit und Fürsorge für die Armen und Bedrückten, ganz besonders im heiligen Lande, kannte keine Grenze. In der tief ergreifenden Trauerrede hob Herr Rabbiner Dr. Pleßner diese leuchtenden Züge ganz besonders hervor, indem er den Verblichenen auch als die letzte Stütze des «man trn bezeichnet^ dessen täglicher Besucher er stets war. Möge sein Andenken ein gesegnetes bleiben! O e st e r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 20. November. Wie ungarische Blätter jetzt melden, hat der ungarische Cultus- und Unterrichtsminister die Constituirung einer türkiscbsephardischen Gemeinde in Budapest nicht gestattet. Diese Nachricht hat nicht verfehlt, unter den hiesigen Sephardim gerechtes Aufsehen zu erregen, da man die Ursache des Vorgehens dieses Ministers gegen die Sephardim nicht begreifen kann, zumal die türkische Regierung schon im Passarowitzer Frieden vom Jahre 1717 besondere Begünstigungen für ihre jüdischen Unterthanen, die sich in Oesterreich oder Ungarn niederlassen wollen, ausbedungen hat. Hier in Wien existirt auch eine eigene türktschsephardische Gemeinde, die sich des größten Wohlwollens der Behörden erfreuet und die auch vollständig autonom ist. Aus Ungarn: Die Verhandlungen bezüglich der Rezipirung der jüdischen Religion scheinen ihrer endgiltigen Lösung entgegenzusehen. Das neue Ministerium, in welchem auch fernerhin der ob seiner strengen Liberalität sich überall der besten Sympathien erfreuende Graf Csäky als Cultus- und Unterrichtsminister verbleibt, beabsichtigt — wie verlautet — die Vorlage betreffend die jüd. Rezipirung schon in der ersten S e s s i o n einzubringen und dieselbe unter den übrigen Vorlagen in erster Reihe zu verhandeln. Daß Graf Csäky trotz früherer Ablehnung dennoch das Cultusminister-Portefeuille übernommen, dieser Umstand gereicht den Orthodoxen zur besonderen Genugthuung, indem Sr. Exellenz sich bereits geäußert, daß die Autonomie der Orthodoxen mit Einführung der Rezipirung, durchaus nicht tangirt wird. Die in der Haupt- und Residenzstadt Budapest projectirte Constituirung einer Szefardim-Gemeinde, hat der Cultusminister verboten. Vergangene Woche verstarb der in Baja (Bäxer Com.) wohnhafte allgemein hochgeachtete Kaufmann Herr Benjamin Fleischmann. Der Verblichene. der einzig fromme Jehudi in seinem Wohnorte, war einer der größten Wohlthäter in jener Gegend. An seinem Leichenbegängnisse hat die Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession thetlgenommen. Frankreich. Paris, 18. November. Rittmeister Cremieu-Foa, der nach seinen Duellen mit Drumont und anderen Antisemiten nach Dahomey geschickt worden war, ist daselbst den im letzten Treffen erhaltenen Wunden erlegen. Die Journale widmen dem Rittmeister Cremieu- Foa bewegte Nachrufe. Sein Fall sei ein ungewöhnlicher gewesen, denn man hatte ihn nur nach Dahomey geschickt, um den bekannten Duellen ein Ende zu machen. Rußland. Ebenso wie die Juden, werden jetzt auch die Deutschen in Rußland verfolgt. In einer Versammlung in Petersburg hielt ein Herr Below einen Vortrag, in welchem er zu beweisen suchte, daß es nothwendig sei, daß den Deutschen in Lotz und Sosnowice die Fabriken abgenommen und an Russen gegeben werden. Aus Moskau wird der „Daily News" vom 10. d. M. über eine neue Judenverfolgung berichtet. Vor ungefähr zwei Jahren erhielten die Juden in Moskau die Erlaubniß, eine Synagoge zu erbauen; als der Bau sich aber der Vollendung näherte, kam der Befehl, die Kuppel zu entfernen, da dieselbe zu sehr der Kuppel einer russischen Kirche gleiche. Die Juden baten vergeblich um Zurückziehung dieses Be-