Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1892)
- Date
- 1892-11-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1758 noch sich dort informiren will, wenn die dort befindlich gewesene Uhr entfernt worden ist, so findet es sich auch zuweilen, daß in unbegreiflich thörichter Weise Juden ihre Inserate einem Blatte zuwenden, in welchem ehedem vielleicht für die Sache der Humanität gekämpft wurde, wo jetzt aber nur das wüste und öde Feldgeschrei derer ertönt, die Gott auf den Lippen und den Satan im Herzen tragen. Das Gehetze macht sich in Blättern von solchen Leuten bemerkbar, denen allstündlich die Person des Lex imxerators auf der Zunge schwebt, der als der natürliche Beschützer jedes Staatsbürgers die aufgedrungene Protektorschaft weit von sich stößt und der sich deutlich genug verbittet, seinen Namen als Deckmantel von Ausschreitungen zu mißbrauchen, die von Leuten ausgingen, die zum Vorwände ihrer ehr- und geldsüchtigen Motive politische Nothwendigkeit angeben, Menschen, die in vermehrtem Maße die Mäkel an sich selb st finden können, die sie bei anderen Mitbürgern erst suchen. Durch die Entziehung jeder Unterstützung der halben und ganzen Parteiblätter treten wir dem Rassenkampfe aufs natürlichste und wirksamste entgegen, während wir anderseits durch Zuwendung und Unterstützung an uns wohlgesinnte Blätter diese im Kampfe gegen unsere Feinde stärken und kräftigen. Und das zu thun ist nicht allein unsere Schuldigkeit, sondern auch ein Gebot der Selb st er Haltung. Die vaterländische Presse, speziell natürlich die specifisch jüdische, übernimmt insofern eine thätige Kräftigung dieser Abwehr, indem sie ein ständiges, durch Einsendungaus Leserkreisen stets zu vervollkommendes Verzeichuiß der erwähnten Zeitungen bringt, um diejenigen von der Förderung der Blätter abzuhalten, welchen die betreffenden örtlichen Verhältnisse fremd sind. Wenn diese Abwehr überall, wo die Humanität ihren Sitz in der menschlichen Brust hat, Platz gegriffen, dann wird das in das antisemitische Schlammwasser gelenkte Redaktions-Schisflein stecken bleiben und dem Antisemitismus wird d e r Bundesgenosse genommen sein, dem er vorzugsweise seine Existenz verdankt — die Reptilienpresse. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 15. November. In einem Hause im Süden Berlins befindet sich, wie die „Voss. Ztg." mittheilt, in dem Treppenflur der ersten Etage vor der Wohnung des Wirths das folgende Plakat: „In diesem Hause wird an Juden nicht vermiethet." Berlin, 16. November. Der Deutsche Antisemitenbund hielt gestern Abend bei Keller eine öffentliche Versammlung ab, die von etwa 400 Personen besucht war. Schriftsteller Willberg sprach über den „Distanzritt des XXX durch die deutschen Gaue" — die drei Zeichen waren in der Ankündigung deßhalb gebraucht, well das Wort „Jude" auf den Säulenanschlägen nicht mehr geduldet wird. Berlin, 16. Nov. In dem Prozeß wider Ahlwardt wegen der in der Judenflinten-Broschüre ausgesprochenen Beleidigungen ist die 260 Seiten starke Anklageschrift dem Angeschuldigten zugestellt worden. Dieselbe ist vom Staatsanwalt Drescher unterfertigt und enthält etwa achtzig verschiedene Strafanträge, darunter die des Staatsministeriums, des Kriegsministers, des Oberst-Lieutenants Kühne, zahlreicher Regiments-Kommandeure, die Ahlwardt in seinen Reden beleidigt haben soll und vieler anderer Offiziere. Die Staatsanwaltschaft erachtet seine Anschuldigungen im vollen Umfange für unerwiesen. Berlin, 18. Nov. Aus Anlaß der letzten Vorgänge innerhalb der «Studentenschaft und des Verbote einer antisemitischen Versammlung durch den Rektor versuchten heute einige antisemitische Studenten gegen Virchow eine Demonstration, indem sie zu Beginn seiner Vorlesung über Pathologie sich durch allerhand Mißfallensüilßerungen, wie Zischen, bemerkbar machten, bis sie von der großen Mehrzahl ihrer Commilitonen durch Gegcnkundgebungen zum Schweigen gebracht wurden. Professor Virchow verurtheilte jenes unschickliche Benehmen mit einigen scharfen Worten und bemerkte n. A., daß er Leute, die wissenschaftliche Vorlesungen zu politischen Demonstrationen benutzten, nicht als * seine Schüler betrachte. .Hieraus verließen etwa 8—10 Studenten demonstrativ das Auditorium, wobei die Hunderte, welche zurückblieben, ihrem MißfallenUebhaft Ausdruck gaben. Aus der Provinz Posen. (Stiftung für Volksschullehrer.- Eine für die Volksschullehrer der Städte Schrimm und Jaratschewo gewiß sehr erfreuliche Stiftung hat der vor etwa 2 Jahren von Schrimm nach Posen verzogene und vor einigen Wochen daselbst verstorbene Rentner Herr Abraham Jsaac Hepner errichtet; dieselbe zeugt ebenso von dem warmen Interesse des Stifters gegen die immer noch karg besoldeten Volksschullehrer, wie auch von dessen Toleranz gegen Andersgläubige, und verdient deßbalb auch öffentliche Anerkennung. Zu Gunsten der Volksschullehrer der Stadt Schrimm ohne Unterschied der Konfession hat der Stifter 6000 Mark testamentarisch mit der Bestimmung vermacht, daß die Zinsen davon alljährlich in zwei gleichen Theilen an seinem und seiner Ehefrau Todestage an einen seitens des dortigen Bürgermeisters durch das Loos zu ermittelnden Lehrer verabsolgt