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Der Israelit · 1892-11-21 · Heft 92 (21.11.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 92 (21.11.1892)
Date
1892-11-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1752 zugewendet. Die Wohlthätigketts-Anstalten werden mit 201,577 M. bedacht. Die Baukosten der Synagoge Lindenstr. haben ca. eine halbe Million verschlungen. Sehen wir von der Mtllionanleihe ab, so arbeitet die Hauptkasse der jüdischen Gemeinde mit einem jährlichen Budget von ca. 2 Millionen M. Jedoch wir wollen von dem geschäftlichen Gebühren überhaupt absehen und diesen Tbeil der Kritik der Fachmänner überlassen. Unser Laienverstand findet wohl so Manches ziemlich unfaßbar; wir beruhigen uns jedoch in dem unterthänigsten Bewußtsein, daß den hohen Herren in Geldsachen eine reichere Erfahrung zur Seite steht. — Ob die 600,000 M., welche zum Bau der Synagoge Lindenstr. und des Neubaues Oranienburgerstr. 29 verwendet wurden, zu den „laufenden Ausgaben" gehören, bleibt immerhin sehr fraglich. Auch über die ausgezeichnete Findigkeit der Steuer- Kommission ließe sich streiten. Ein hier seit zehn Jahren wirkender Redacteur einer jüdischen Zeitung, der wohl sämmtlichen Berlinern durch seine fesselnden Vorträge bekannt ist, erfreut sich noch immer nicht der Ehre Steuerzahler der jüdischen Gemeinde zu sein. Wiewohl diese Ungehörigkeit in öffentlicher Volksversammlung gerügt wurde, verharrt die wohllöbliche Steuerkommission in vornehmer Zurückhaltung und wartet ab, bis ihr ein illustrer Schriftsteller die devoteste Bitte vortragen wird, einen jährlichen Beitrag huldvollst entgegennehmen zu wollen. — Doch auch dieses Gebiet soll nur gestreift werden. — Wir haben uns angesichts der hohen Bedeutung der Berliner Wahlen nur die eine Frage zu beantworten: Haben die Strenggläubigen die Pflicht in die Wahlagitation mit einzutreten? Ist es angesichts der offenen Parteinahme für die Refor mgem ein de noch opportun sich an der Wahlhandlung zu betheiltgen? Haben die Strenggläubigen von einem Siege des „Centralvereins" eine wohlwollende Berücksichtigung ihrer gerechten Forderungen zu erwarten? Zeitrrrrgsnachrtchteu und Corresporrdenzeu. Deutschland. Mommenheim, 14. November. Gestern fand dahier die seit langem angekündtgte Antisemitenversammlung statt. Der „Volksredner", ein Herr Hirsche! aus Frankfurt, verstand es vorzüglich, durch das Einflechten von gut gewählten Schauerstückchen — denn nicht ein einziges vernünftiges und objektives Wort kam über seine Lippen — die Versammlung zu einer wahren Hetzversammlung zu gestalten, so daß es den wenigen Schreiern (3 oder 4 aus hiesiger Gemeinde, über deren Charakter schon vorher kein Zweifel obwaltete, und vielleicht 15 Fremden, meist aus Trebur) gelang, den Gegenredner, ein Herr Jacobh aus Frankfurt, niederzubrüllen. Hierauf verließ ein großer Theil der Anwesenden diese sogenannte Versammlung, den andern Theil hielt zumeist auch nur Neugierde zurück. Allgemein Anstoß erregte es, daß, obgleich Bürgermeister und zahlreiche Gendarmerie erschienen war, von dieser Seite nicht der geringste Versuch gemacht wurde, die Unruhe und den Tumult auch nur ein klein wenig zu unterdrücken oder Einspruch zu thun gegen die von dem Volksredner ausgesprochenen schweren Beschuldigungen gegen die Regierung, insbesondere die Justiz im deutschen Vaterland. Am selben Abend beglückte der Hetzvred ger das nahe Lörzweiler mit seinen geistvollen Ideen. Berlin, 16. November. Gegen die anttsemimitischen Tendenzen in gewissen „nationalen" Kreisen der Berliner Studentenschaft richtet sich ein vom gestrigen Tage datirter Erlaß des neuen Rektors Professor Virchow am schwarzen Brett der hiesigen Universität. Zum gestrigen Tage war, angeblich zum Zwecke der Besprechung der Ausschußwahlen, wiederum eine Studentenversammlung nach dem ^.uäitorium maximum eiuberufen worden, welche bereits die Zustimmung des Rektors erhalten hatte. Im letzten Augenblicke nun ist diese Versammlung durch einen Rektors-Erlaß verboten worden, welcher sich mit folgenden deutlichen Worten an die Studentenschaft Berlins wendet: „Der Rektor der Universität hatte, erfüllt von der Hoffnung, daß es möglich sein werde, den Geist friedlichen Zusammenwirkens und gegenseitiger Achtung auf dem Boden der Gleichberechtigung aller Studenten bei einer so wichtigen Veranlassung wie die Wahl des Ausschusses, wieder erstarken zu lassen, seine Zustimmung zur Einberufung einer Studentenversammlung ertheilt, um allen Denen, welche bei den Wahlen der Ausschußmitglieder dem nationalen Gefühl Ausdruck zu geben wünschen, die Gelegenheit zur Verständigung zu bieten. Diese Erwartung ist arg getäuscht worden! In einem an der Pforte der Unisität vertheilten Flugblatte erklärt das cinberufcndc Komitee, daß die Versammlung berufen werde, um den empörenden Vorgängen der letzten Zeit gegenüber eine große Kundgebung der gesummten nationalen Berliner Studentenschaft zu veranstalten. Von den Ausschußwahlen wird kein Wort gesprochen! Alle deutsch-nationalen Studenten werden zu der Versammlung eingeladen. Der Rektor sieht sich in Folge dessen genöthigt, die ursprünglich zu einem ganz anderen Zwecke ertheilte Genehmigung zurück'zuzichen. Die Räume der Universität sollen nicht dazu herge-

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