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Der Israelit · 1892-11-21 · Heft 92 (21.11.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 92 (21.11.1892)
Date
1892-11-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1751 und Heil unserem lieben und theuern Judenthume, wenn wir die rechten Namen finden und — wenn die Entdeckten als Sieger aus der Wahlurne hervorgehen. — Denn die Berliner Gemeinde schreitet an der Spitze der deutschen Gemeinden, ihr ist durch die bestehenden Verhältnisse die Führung der vaterländischen Judenheit in den Schooß gefallen. Darum sind aller Augen auf das Ergebniß der hiesigen Wahlen gerichtet.*) Ein prüfender Blick auf den Verwaltungsbericht, welcher der Einladung zur Wahl beigegeben ist, wird uns aufklären, was wir zn hoffen, bezw. zu befürchten haben. Die drei letztverflossenen Jahre, welche der Bericht überschaut, werden als eine Epoche des Fried ens bezeichnet. Die Gemeinde blieb von größern Kämpfen verschont, denn die Bestrebungen der Gemeindebehörden waren darauf gerichtet, die Eintracht zu befestigen. Wenn es noch nicht gelungen ist, die Reformgemeiude mit der Hauptgemeinde zu verschmelzen, so wird gehofft, daß dieses Streben später Verwirklichung finden wird.-Das Einverständniß zwischen Vorstand und Repräsentanten und der Eifer wie die selbftlose Hingebung der unbesoldeten Beamten wird gerühmt. Da der Austritt aus der Gemeinde nach dem Wortlaut des Gesetzes vom 28. Juli 1876 nur auf Grund „religiöser Bedenken" erfolgen soll, so wird vor einem Mißbrauch dieses Rechtes eindringlichst gewarnt. Triumphirend wird hervorgehoben, daß nur 114 Mitglieder ausgetreten sind, dagegen die Bemerkung unterdrückt, daß von keiner Seite eine Propaganda für den Austritt stattgefunden hat, daß ein Jeder die Institutionen der strenggläubigen Gemeinde benützen kann, ohne einen Pfennig Beitrag leisten zu müssen. Anläßlich der Errichtung der Synagoge Lindenstraße 48/50, empfand der Vorstand „das lebhafte Bedürfniß dem Gottesdienst durch Vermehrung der deutschenGebete eine größere Anziehungskraft zu geben." Die Einrichtung eines gemischten Chores wird als eine glückliche Errungenschaft gepriesen. Eine Vermehrung der Gemeindesynagogen wird in Aussicht gestellt, jedoch soll die Anspannung derflnanziellen Kräfte vermieden werden. *) Diese Meinung halten wir für ganz irrig; auf die Berliner Hauptgemeinde, eine Reformgemeinde par excellence, kann höchstens die Aufmerksamkeit der übrigen deutschen Resormgemeinden gerichtet sein. Einer solchen Gemeinde darf die Führung der vaterländischen Judenheit niemals in den Schooß fallen; würde, Gott bewahre, dieser Fall eintreten, dann würde dies für die jüdische Religion in Deutschland höchst verhängnißvoll sein. Red. Daß in allen fünf gottesdienstlichen Veranstaltungen an Rausch-Haschonoh und Jaum-Kippur der Reformritus eingerichtet wurde, wird unumwunden zugeftanden. — Der seit dem 20. April 1889 eingeführte Jugendgottesdienst erfreut sich der regsten Theilnahme. Den Andachtsstätten reihen sich die Schulen an. Die jüdische Gemeinde Berlins sorgt für den Religionsunterricht von 1597 Schülern und Schülerinnen. Die andern 12000 Kinder werden der Fürsorge der Seperatgemeinden bezw. den Eltern gütigst überlassen. In dem Bericht über die Knabenschule äußert sich der Schulinspektor: „Leiter und Lehrer arbeiten mit großer Treue und Gewissenhaftigkeit, mit Sachkenntniß und Eifer. Die Unterrichtserfolge nach Entwickelung und Kenntnissen sind gut und recht gut zu nennen." Ungetheilte Anerkennung verdient der Gemeindebeschluß vom 25. Januar 1891, durch welchen die Gehaltsaufbesserung der Lehrer bestimmt wird. Das Anfangsgehalt der Lehrer beträgt 1600 Mk., das Höchstgehalt 3760 M., das Gehalt der Lehrerinnen steigt von 1500 auf 2990 M. Wir empfehlen die hier zur Geltung gelangten Anschauungen andern Gemeinden zu Nachahmung. Auf dem Gebiete der Armenpflege wurde Erhebliches geleistet, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse nöthtigten die Armenkommission die außerordentlichen Unterstützungen bedeutend zu erhöhen. Auch Krankenhaus und Alterversorgungsanstalt erfreuen sich einer ausgezeichneten Fürsorge. Der Vau einer Barake ist beschlossen, eine Schenkung von 100,000 M. zu diesem Zweck bereits angeboten. Auch der Anbau eines zweiten Flügels der Alterversorgungsanstalt wird der Hochherzigkeit eines Gemeindemitgliedes verdankt. Der Waisenkommission unterstehen 286 Pfleglinge. Zur Deckung von Baukosten wurde mit 4 P r o c e n t verzinsliche und mit 1 Prozent zu amortisirende Anleihe von einer Million Mark ausgenommen. Die Schuld wird in 41 Jahren getilgt sein. Als bemerkenswert sei noch erwähnt, daß die Beiträge der Gemeindemitglieder im Jahre 1891 die Höhe von 743,186 M. erreichten, daß die Einnahmen aus Kapitalien und Zinsen für Stiftungen 482,894 M. betrugen, und daß Erbbegräbnißstellen für 10,307 M. erworben wurden. An Gehältern und Pension an Synagogen- und Büreaubeamte wurden ca. 130,000 M. verausgabt. Für Unterrichtszwecke werden 136090 M. ausgegeben, dem Gottesdienst in den Synagogen und provisorischen Bethäusern werden 155,440 M.

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