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Der Israelit · 1892-11-21 · Heft 92 (21.11.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 92 (21.11.1892)
Date
1892-11-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1750 kalte Schimmer der entfernten Sterne; warum dieser Gegensatz in dem Geschicke eines Brüderpaares? Wer von ihnen verdient das Lebensglück, wer das Ungemach? Wer von ihnen ist der Bessere, der Edlere? Wo ist der Weltenrichter, wo die ewige Gerechtigkeit?! Mit ähnlichen Gedanken ist vielleicht Jakob auf seinem harten Lager eingeschlummert und das Traumbild, das er nun sah, mochte ihm seine Zweifel und Fragen beantworten. Jeder Mensch hat seine Aufgabe, seine Bestimmung, seinen Zweck aus Erden zu erfüllen. Sagt doch Hiob: 'v'w 'by tcnJN^ nds nVh vö\ „dem Menschen ist ein Ziel gesetzt auf Erden und seine Tage sind wie die Tage des Miethlings." Wie der Miethling die Aufgabe hat, seine Arbeit zu verrichten, so hat jeder Mensch die Pflichten, welche ihm der Weltenschöpfer während seiner Lebenszeit auferlegt, zu vollbringen. Jeder ist berufen von Gott, hier etwas zn thun, zu leisten, zu wirken; der Eine strebt für das Wohl der gelammten Menschheit, der Andere wirkt für sein Vaterland, ein Dritter für die engere Heimath, ein Vierter für die Gemeinde, ein Fünfter leistet für seine Verwandten und Freunde, ein Sechster durch sein gutes Beispiel; Diesem ist ein weiterer, Jenem ein engerer Wirkungskreis zugewiesen, aber Allen ist ein bestimmtes Ziel gesteckt worden, das sie zu erreichen im Leben bestrebt sein müssen. Die Jakobsleiter, die auf der Erde steht und deren Spitze bis zum Himmel reichte, ist das Sinnbild der Vollkommenheit, der Eine erklimmt an dieser Leiter eine höhere, der Andere eine niedere Staffel; Jeder aber muß bemüht und redlich bestrebt sein nach Möglichkeit sich zu veredeln, um sich der hehren, erhabenen Spitze, die bis zur Gottheit reicht, zu nähern; und je höherer emporsteigt, desto reiner, erhabener wird sein Gesichtskreis und seine Erkenntnis. Wer nun in seinem Thun und Handeln, in seinem Fühlen und Denken nach bestem Können bemüht war, eine hohe Stufe an der Leiter der Vollkommenheit zu erreichen; wer die Gotteslehre gehegt und gepflegt, in .der Thora Tag und Nacht geforscht, ihren Geist in sein Herz gepflanzt und ihr Wesen in seinen Sinn ausgenommen hat; wem die Erfüllung der Gottesgebote ein Bedürfniß, Liebeswerke üben, eine Wonne ist; wer Recht und Wahrheit zum Leitstern seines Daseins sich gemacht und die Tugend ohne Nebengedanken, das Gute ohne Nebenabsicht nur um des Guten wegen allein geübt, wer erhaben in seiner Gesinnung, edel in seiner Denkweise und unschuldig und selbstlos in seinem ganzen Thun ist, der gleichsam ein G o t t e s e n g e l an Güte, Frömmigkeit und Unschuld genannt werden kann, einem solchen Menschen geziemt es nicht in seiner stillen Klause verborgen zu bleiben und sich von dem Weltgetriebe vornehm zurückzuziehen; solche sind verpflichtet, nachdem sie a»inp an der Leiter der Vollkommenheit so hoch emporgestiegen sind, m D'TVi'i müssen sie wieder hinabsteigen zur Erde, zu den Niederungen in der Gesellschaft, um sie zu belehren und zu unterweisen, um das Ergebniß ihrer Forschung und ihres Denkens und Fuhlens segensreich für das praktische Leben anzuweuden; sie müssen zu den niedrigen Volksschichten herabsteigen, um die heilsamen Lehren, welche sie in ihrem Beth-Hamidrasch gewonnen, unter ihnen zur Geltung zu bringen. Wie unsere Weisen erzählen, war Jakob im Lehrhause des Sem und Eber 14 Jahre lang beschäftigt mit der Forschung in der Gotteslehre. Nachdem er dort eine hohe Stufe in der Erkenntniß und im Wissen erlangt hatte, so mußte er das friedliche Heim, das stille Studierzimmer, das Zelt, wo er so Vieles erforscht und gelernt hatte, verlassen, um das Leben von der praktischen Seite kennen zu lernen, und dort die Grundsätze, die Lehren und die hohe Gesinnung, die er im Lehrhause erworben, zu bethätigen zu seinem Wohle und zum Wohle seiner Mitmenschen. Aus diesem Grunde mußte Jakob hinabsteigen von seiner erhabenen Höhe in die niedere Umgebung eines Laban, und das Traum^esicht, das ihm erschien, mag die Antwort gewesen sein auf die Fragen, welche seine Gedanken über den Zweck seines Manderns in die Fremde erfüllen mochten. Der an btn muß auch Tugend und Frömmigkeit verbreiten, der n^nw atyr muß die Erkenntniß lehren, der Selbstlose muß auch für Andere wirken, der Hohe muß zuerst in die Tiefe htnabsteigen, um die Niedrigen in seine Sphäre emporzuheben, er muß in die Finsterniß, um dort Licht zu schaffen. Das ist die Aufgabe derer, die, den Engeln gleich, die Leiter, die zur Vollkommenheit führt, emporsteigen, und das sollte nun auch Jakobs Zweck und Ziel werden. Berliner Briefe. in. Berlin, 16. November. Heute empfingen die stimmfähigen Mitglieder der jüdischen Hauptgemeinde die Berufung zur Wahlurne. Wir haben nun vierzehn Tage Zeit, darüber nachzudenken, welchen Männern wir das Seelenheil der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands anvertrauen. Wir dürfen unsere Muße dazu verwerthen, um die 126 Seiten des stattlichen Bändchens durchzuforschen, das die Namen der wahlberechtigten Steuerzahler enthält. Wohl uns

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