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Der Israelit · 1892-11-21 · Heft 92 (21.11.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 92 (21.11.1892)
Date
1892-11-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 92, XXXIII. Jahrgang. Der Israelit. Ein Hentrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 21. November 5653 (1892). Leitende Artikel. Die Jakobsleiter. (Zu Paraschat nwi.) Von Rabbiner H. Galandauer in Soborten (Böhmen). nD'Dtrn jpao ncwm nsnt« axo d^d pum n^rvi .12 D'ITl D’^iy D'P^N ’DN^D mm „Und er träumte, und siehe es stand eine Leiter auf der Erde, deren Spitze zum Himmel reichte und Engel Gottes stiegen an ihr au f u n d n i e de r." Unsere Weisen bemerken hiezu, daß es in Bezug auf die Engel Gottes richtiger heißen sollte, sie stiegen zuerst nieder (vom Himmel) und dann erst hinauf und beantworten diese Frage damit, daß die Engel, welche Jakob bis zur Grenze Palästinas bisher begleitet hatten, nun zum Himmel wieder hinaufstiegen, und andere Engel, welche die Aufgabe hatten ihn außerhalb des heiligen Landes zu beschützen, jetzt hinabsteigen. Da der Lebenswandel unserer Patriarchen ein Vorbild für ibre Nachkommen sein soll; ihr Geschick, ihr Thun und Wirken und alle Ereignisse und Episoden in ihrem Erdenwallen von ebenso hoher Bedeutung sind, wie die übrigen heiligen Satzungen der Thora, so möchten wir auch aus diesem Traumgesichte Jakob's und aus den Worten, welche besagen, daß die Engel Gottes z u e r st hinauf und dann erst hinabsti e ge n, eine heilsame Lehre für das Leben ziehen, welche uns in unfern Handlungen leiten und beeinflussen soll. Von unserm Stammvater Jakob sagen unsere Weisen, daß er nDtatp nimv der am Meisten Bevorzugte unter den Patriarchen war; mehr bevorzugt als Abraham, der doch einsam uud allein mit seiner hehren Gottesidee in der Welt der Heiden dastand und die härtesten Prüfungen m»y u*3K oman piDjnj nurw mit glänzender Glaubensstärke und fester Treue überwinden konnte; bevorzugter als Jsak, der sein junges Leben auf Gottes Befehl hinzuopfern bereit war; denn Jakobs ganzes Dasein war ein langer Leidensweg, der nur selten von einem Freudenschimmer erhellt wurde; trotz aller Glücksversprechungen und Segensverheißungen seines Gottes, war sein ganzes Leben von Mühen und Sorgen erfüllt, verfolgte ihn Unglück auf Unglück, lauerte düstere Trauer und böses Ungemach auf allen seinen Wegen, hatte er sorgen- und mühevoll um seine Existenz zu kämpfen, war seine Ruhe und Sicherheit stets bedroht und finstere Angst und Schrecken, Furcht und Bangigkeit belastet schwer drückend sein edles Gemüth. Und bei all diesen harten Prüfungen frug er nie: wo bleiben die glückverheißenden Segnungen Gottes alle, wo die moralischen und irdischen Vorzüge, die mir mein Vater in seinem letzten Segen versprach? Er blieb vielmehr trotz aller Bitterntffe, die er zu erleiden hatte, treu, fest, unerschütterlich und hingebungsvoll in seinem Glauben an die Gerechtigkeit und unwandelbare Allgüte seines Schöpfers und hielt standhaft aus in seiner Gottesliebe trotz der schwersten Versuchungen. Als Jakob sein Elternhaus verließ, um nach Charan zu ziehen und er sich in finsterer Nacht in wildfremder Gegend einsam und verlassen auf freiem Felde zur Ruhe niederlegte, welche Gedanken und Gefühle mögen da sein Inneres erfüllt haben! Das trauliche Heim seiner geliebten Eltern taucht vor seinem Geiste auf, er sieht das edle Antlitz seines Vaters, das treue Mutterauge, welches wie von Trauer und Thränen umflort in's Weite starrt, als wollte es erspähen, wo jetzt das Lieblingskind weilt. Ein tiefes Weh durchzieht sein Gemüth als die Phantasie ihm das Bild seines Bruders vorzaubert; während Esau das beseligende Glück hat, in der Nähe seiner Eltern zu weilen, sich der Gunst des Vaters erfreut und an dem Anblick der Mutter sich erquicken darf, muß er der d’^itin zvrr* on ff’« der fromme, sanfte, zurückgezogene Jakob in die rauhe, fremde, lieblose Welt hinausziehen; Esau genießt, Jakob muß entbehren; Esau ist umgeben von liebevollen Wesen, Jakob steht verlassen da; Esau wird bestrahlt von dem innigen, warmen, gemüthstiefen Blick der Mutter, Jakob grüßt der

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