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Der Israelit · 1892-11-17 · Heft 91 (17.11.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 91 (17.11.1892)
Date
1892-11-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1732 eine wahrhaft königliche Erscheinung. Die Aehnlichkeit zwischen Mutter und Tochter ist sofort erkennbar. Die Züge der elfteren zeigen deutliche Spuren ehemaliger großer Schönheit. Die Tochter besitzt langes, glänzendes, rabenschwarzes Haar und große Augen gleicher Farbe. Die Mutter trägt nach der Sitte frommer, jüdischer Frauen das Haar verhüllt; — allein als ich sie das erstemal im Walde beim Mondschein erblickte, war ihr, in ihrer Aufregung die Kopfbedeckung herabgesunken und ich sah, daß ihr Haupt schneeweiß war, was, wie ich mich deutlich erinnere, gegen ihr noch immer schönes, wenn auch gramzerwühltes Gesicht, abftach. „Allbarmherziger Gott!" schrie Levi auf. Die Feder entsank seinen zitternden Händen und er brach in convulsivisches Schluchzen aus. Wertheimers klarer, überdies durch die Erfahrungen eines bewegten, inhaltsreichen, weise benützten Lebens geschärfter Geistesblick, hatte schon früher erkannt, welchen tiefen Eindruck seine und Markbreiters Mittheilungen auf Levi Hervorriesen und war darauf vorbereitet, daß die Scene einen erschütternden, die ganze Situation erhellenden Abschluß finden könnte und war deßhalb weniger überrascht, als Markbretter, der erschreckt zusammenfahrend, rief: „Was haben Sie? Weßhalb schreien Sie so furchtbar, wie ein zu Tode getroffenes Waldthier auf?" Rafael Levi war mit einem Male ein völlig Anderer geworden. Seine lange mühsam bekämpften Gefühle, brachen mit wilder Heftigkeit hervor, sein sonst ruhiges Wesen ging plötzlich in maßlose Leidenschaftlichkeit über; über sein leichenblasses Gesichtzuckte es eigenthümltch, seine Pupillen vergröberten sich, ein convulsivisches Beben durchflog feinen Körper. „Ich muß wie ein zu Tode getroffenes Waldthier aufschreien — weil Sie von meiner Mutter und meiner Schwester sprechen! Ich muß aufschreien, weil ich höre, daß die edelsten Frauen, die je diese Welt durch ihr Dasein geschmückt, in so namenloses Elend gerathen konnten, — ich muß aufschreien, weil ich erfahre, daß meine Mutter so unschilderbar Hartes erlitten, daß die beispiellos fromme, gottvertrauende Frau dazu getrieben werden konnte, die zermalmende Last des Lebens von sich werfen zu wollen; aus diesem Dasein zu scheiden und ihr Kind, meine herrliche Schwester Eva hier allein zurückzulassen! .... Wie sollte ich auch nicht aufschreien vor heißem Weh; wenn ich erfahre, daß die beiden mir endlos theuern Wesen von grimmem Schreck, von namenloser Angst und Furcht verfolgt wieder von Neuem eine ziellose Wanderung antraten, auf der sie, wenn Gott ihnen nicht ein zweites Mal einen Retter sendet, in Leid und Qual verenden müssen!!" „Fassen Sie sich!" sprach Wertheimer an Levi herantretend und seine Hand ergreifend, „vertrauen Sie auf Gott, der, wenn er will, das schwerste Leid urplötzlich in Glücksüberfülle umwandeln kann. Jeschuas Elokim beherif ei—jin!1) Gott hat den Ihren schon einmal in fast wunderbarer Weise geholfen, — vielleicht wird sich durch seine Huld von nun ab für Sie und die Ihren alles zum Guten wenden!" (Fortsetzung folgt.) 1) Gottes Hilfe kann in dem kleinsten Zeittheil eintreten. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhanbrt M bestehen bet E. F. K t e t n a ck e r. Leipstg. Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von au die Redaetiou eingesandten Mauuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalteu. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Die Interpellation des antisemitischen Abgeordneten Schlesinger im österreichischen Abgeordnetenhause. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Berlin. Hannover. Weimar. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. — Rußland: Petersburg. — Holland: Amsterdam. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung ) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Arische Lokalpresse und semitische Annoncen. Auch ein Wink zur Abwehr von D. K. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Aus Ungarn. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Beuten. — Rumänien: Bukarest. — England: London. — Vermischtes. Pädagogische Beilage. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aktien-Gesellschofi in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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