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Der Israelit · 1892-11-17 · Heft 91 (17.11.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 91 (17.11.1892)
Date
1892-11-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1731 gewiß von einem Schritte zurückgehalten, den sie selbst in der härtesten Bedrängniß als strafbar verurtheilt hatte. Ich habe längere Zeit ganz Mähren von einem Ende zum andern durchstreift, in allen fünfundfünfzig Gemeinden des Landes persönlich nachgefragt und keine Spur von ihnen gefunden. Mutter und Tochter müssen Mähren schon lange verlassen haben und der Gedanke, daß die Unglücklichen nun von Neuem schutzlos herumirren, quält meine Eltern nicht weniger als mich selbst. Ich stelle daher die ergebenste Bitte, Sie, hochverehrter Herr Oberhoffaktor, der Sie zugleich Oberrabbiner der österreichischen und deutschen Judenheit sind und überdies Verbindungen in ganz Europa besitzen, mögen die Gnade haben Alles, was zur Auffindung der Unglücklichen dienen könnte, zu veranlassen." „Sie fordern von mir nichts Anderes, als die Erfüllung meiner Pflicht, der ich sofort nach bestem Können Nachkommen will." Der Oberhoffaktor zog an einer Glockenschnur, die wohl in das Zimmer, in welchem Rafael Levi beschäftigt war, gehen mußte, denn dieser erschien sofort. „Ich hatte schon Gelegenheit", wandte sich Wertheimer an ihn, „mich von Ihren großen Sprachkenntnissen zu überzeugen. Sie beherrschen die italienische, französische und heilige Sprache eben so vollkommen als die deutsche und Sie sind mir als vollkommen vertrauungswürdig empfohlen worden. Es ist an alle jüdische Gemeinden des Continentes ein vertrauliches Rundschreiben zu richten. Ich will Ihnen die Abfassung desselben übertragen und rechne auf tiefe Verschwiegenheit, um so sicherer als ich hinzufügen muß, daß eine Verletzung des Geheimnisses, möglicherweise ein großes Unglück herbeiführen könnte. Die Angelegenheit, um die es sich handelt, ist folgende. Unser geschätzter Geschäftsfreund, Herr Perez Markbreiter hat vor einigen Monaten, in einer stürmischen Winternacht, zwei Frauen, Mutter und Tochter auf offener Straße in einem erbarmungswürdigen Zustande und in so hochgradiger Verzweiflung gefunden, daß die Mutter sich in den vorüberfließenden Strom stürzen wollte und es Herrn Markbreiter nur dadurch möglich wurde im letzten entscheidenden Momente rettend einzugreifen, daß die von Mühsal und weiter Wanderung völlig erschöpfte Tochter, halb durch frommen, trostreichen Zuspruch, halb durch sanfte Gewalt die Mutter eine Zeit lang von der Ausführung ihres Entschlusses abgehalten hatte." Rafael Levi, welcher den Oberhoffaktor stehend angehört hatte, sank plötzlich mit den Worten. „Ich bitte um Entschuldigung, ein Schwtndelanfall!" auf den Stuhl, fügte aber nach kurzer Pause, sich rasch erholend, hinzu, „er ist schon vorüber, Herr Oberhoffaktor, ich bin ganz Ohr!" „Herr Perez Markbreiter brachte die beiden Frauen in das nächste Dorf Schönhof, wo sie bei dem Verwalter des dortigen Branntweinhauses, welches die Herren Markbreiter als General-Arrendatoren des Fürsten Lichtenstein in Pacht haben, untergebracht wurden. Da Frau Deborah, die Mutter des Herrn Perez Markbreiter, den Frauen, die nicht nur eine außergewöhnliche Bildung, sondern auch große Fertigkeit in den kunstreichsten Handarbeiten besitzen, Aufträge auf Perlenstickerei verschaffte, konnten sie, ohne durch Unterstützungen gedemüthigt zu werden, von dem Ertrage ihres Fleißes leben. Nun sind die beiden Frauen plötzlich verschwunden und die Hoffnung, sie irgendwo in Mähren aufzufinden, hat sich nicht erfüllt. Die verehrte Familie Markbreiter verzehrt sich in Sorge, um die hilflos herumirrenden und wünscht eben so wie ich selbst, zu erfahren, ob sie, wie wir hoffen, noch am Leben, in diesem Falle, wo sie zu finden wären. Ich will nun an die Häupter aller jüdischen Gemeinden auf dem europäischen Continente, die Anfrage richten, ob ihnen der Aufenthaltsort der Frauen bekannt ist, in diesem Falle sie auffordern, mir denselben mit thunlichster Beschleunigung anzugeben und bis zum Anlangen meiner diesbezüglichen Bestimmungen für sie in zartester und ausreichendster Weise zu sorgen Ich ersuche Sie daher — und zwar, da diese Angelegenheit vertraulich behandelt werden muß, hier in meinem Kabinete — den Entwurf dieser Anfrage für die verschiedenen Gemeindehäupter in der diesen verständlichen Sprache abzufassen und nachdem ich denselben durchgesehen und genehmigt haben werde, rasch in möglichst vielen Exemplaren abzuschreiben. Ich werde angeben, an welche Adressen sie abgesendet werden sollen, ob an den Rabbiner oder den Vorsteher der einzelnen Gemeinden. — Allein es ist nothwendig, daß Sie, Herr Perez Markbreiter, eine Personsbeschreibung der beiden Frauen geben, welche den Anfragen beigelegt werden muß. — Levi setzen Sie sich hierher und bringen Sie gefälligst die Notizen zu Papier." Levi schritt zu dem Schreibtisch, an welchem er sich niederließ, ergriff die Feder und erwartete das Diktat. Markbreiter berichtete. „Die beiden Frauen nennen sich Dina und Eva Leidenfels, doch ist es anzunehmen, daß der Familienname nur ein angenommener sei. Mutter und Tochter sind hochgewachfen und die letztere muß schon beim ersten Anblicke durch die völlig unschilderbare Schönheit ihrer Züge und ihrer herrlichen Figur auffallen. Sie ist auch in Bettlerkleidung

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