Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1892)
- Date
- 1892-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1730 der berühmten Familie Lemberger, hat vorgestern sein irdisches Dasein beschlossen. Dieser Todesfall hat die ganze Gemeinde, besonders aber die Talmide Chachamin in tiefe Trauer gestürzt, denn mit ihm ist eine jener typischen Gestalten geschwunden, die noch von der früheren Zeit zu uns herüberragten. Der Verblichene hatte auch ein seinem Stande würdiges Leichenbegängniß. Die ganze Gemeinde, die Jeschibah waren vollzählig vertreten. Unser hochverehrter Oberrabbiner Herr B. Schreiber "2 widmete dem Verblichenen, der auch ein Schüler seines Großvaters, des Chaßam Sofer war, warme Worte des Nachrufes, wobei er auch zugleich einige -,DiB »w sagte, die auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machten. A. Sch. Rußland. Wie man der „Polit. Korr." aus Petersburg schreibt, wurden sämmtliche im Gouvernement Taurien gelegenen Marktflecken, bis auf einen einzigen, in einfache Dorfgemeinden umgewandelt, was zur Folge hatte, daß die bisher in diesen Marktflecken ansässigen Juden, welchen nach den bestehenden Gesetzen die Ansiedelung in Dörfern untersagt ist, den Befehl erhielten, ihre Wohnorte in kürzester Frist zu verlassen. Die gleiche Maßregel ist auch für das Gouvernement Cherson und das Verwaltungsgebiet von Bessarabien in Aussicht genommen. — In Moskau waren die alte und die neue Synagoge polizeilich geschlossen worden. Die Juden von Moskau benutzten, um am Neujahrstage Gottesdienst abhalten zu können, die Räume ihrer Handwerkerschule. Dagegen protestirte jedoch der Polizeimeister General Wanowski. Hierauf beschwerte sich die jüdische Gemeinde bei dem General-Gouverneur Großfürsten Sergei, doch ohne Erfolg. Man richtete nunmehr eine Eingabe an den Minister des Innern, Durnowo. Die Antwort erfolgte mit einer für russische Verhältnisse überraschenden Schnelligkeit, nämlich schon nach vierzehn Tagen. Der Inhalt dieses Bescheides war der, daß der Rabbiner Minor der Gemeinde dauernd aus Moskau ausgewiesen und in seiner Geburtsstadt Wilna internirt wurde, mit der Maßgabe, daß er nie wieder das Amt eines Rabbiners bekleiden dürfe, und daß der Stadtrath Schneider, der jene Petition der Juden veranlaßt, auf zwei Jahre aus Moskau verwiesen wurde. Holland. Amsterdam, 13. November. Ein jüdischer Knabe von 16 Jahren, Abraham Santkroos, verschwand hier vor etwa 14 Tagen spurlos, so daß seine Eltern sich bereits in den Gedanken ergeben hatten, daß der Knabe irgendwo ums Leben gekommen, wahrscheinlich ertrunken sei. Der Todtgeglaubte wurde jetzt in der Wohnung einer Wittwe in einem ganz anderen Stadtviertel entdeckt. Man hatte ihn neu gekleidet und in einer Diamantfabrik als Arbeiter untergebracht. Die Wittwe gehört zu der „abgeschiedenen christl. Gemeinde." Der Knabe wurde mit Hilfe der Polizei ins elterliche Haus zurückgebracht, war aber nach einigen Tagen wieder verschwunden. Darauf begab sich der Vater mit einem Rabbiner in das Haus der genannten Wittwe, und diese gestand auch offen ein, daß der Knabe wieder bei ihr wohne. Derselbe erschien an demselben Tage nicht, wohl aber kam ein Geistlicher, der sich bereit erklärte, den Gesuchten ins elterliche Haus zurückzubringen, sofern der Vater und der Rabbiner sich eidlich verpflichteten, dem Knaben nichts in den Weg zu legen, wenn er zum Christenthum übertreten wollte. Da die beiden letzteren darauf nicht eingingen, mußten sie sich unverrichteter Sache entfernen. Bis zur Stunde ist aber der Knabe nicht wieder zum Vorschein gekommen, wiewohl die Polizei die Bethäuser der genannten Gemeinde scharf überwacht. Merkwürdig bleibt dabei, wie man das Kind in dieser kurzen Zeit seinen Eltern m dieser Weise entfremden konnte. > Vermischtes. Stuttgart. Der Luxemburgische Landesfeuerwehr-Verband hat den hiesigen Brandmeister B. Jacoby (Israelit) in Anerkennung seiner schriftstellerischen Thätigkeit auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens zu seinem Ehrenmitglied erwähnt. Jacoby hat sich hier bei großen Bränden als tüchtig und umsichtig bewährt. Aenilletorr. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (28. Fortsetzung.) Vierzehntes Kapitel. In dem Antichambre des Oberhoffaktors Samson Wertheimer befanden sich wieder, wie so oft, zahlreiche Audienzwerber, welche, nach der Reihe ihrer Ankunft in das Sprechzimmer eingelassen wurden. Unter den Wartenden befand sich auch Perez Markbreiter, welcher, da er den Oberhoffaktor längere Zeit in Anspruch nehmen wollte, allen Andern den Vortritt ließ und als der Letzte das Sprechzimmer betrat. Wertheimer nahm den jungen Mann wohlwollend auf und dieser, sogleich zu dem Zwecke seiner Unterredung übergehend berichtete über den Besuch seines Vaters bei Eva und Dina Leidenfels und deren plötzliches Verschwinden aus Schönhof. „Im ersten Momente", schloß er, „hatten wir gefürchtet: die Unglücklichen wären, der Ueberlaft ihres heimlichen Leides erliegend, verzweifelnd, freiwillig aus dem Leben geschieden, aber bet näherem Bedenken schien uns dies aus dem Grunde unwahrscheinlich, weil Evas große Frömmigkeit, sie