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Der Israelit · 1892-11-17 · Heft 91 (17.11.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 91 (17.11.1892)
Date
1892-11-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1728 allem inneren Schmerz bewahrte und durch seine Ruhe seiner mit ihm leidenden Familie den Gram und Schmerz milderte und erleichterte. Dann schilderte er die Harmonie seines ganzen Wesens, die sich in seinen Schriften und in seinen Synagogengesängen deutlich ausprägt, schilderte seine Arbeitslust und Arbeitskraft, die bis in die letzten Tage seines Lebens anhielt. So ward ihm noch die Freude zu Theil, in jüngster Zeit ein Werk zu vollenden, an dem er zehn Jahre lang mit Ausdauer und Liebe arbeitete, und an dem sein Herz hing. Es ist eine umfassende Schrift über die Accente, die uns ungeahnte Aufschlüsse über viele dunkle Parthieen der Exegese geben wird. Leider war es ihm nicht vergönnt, das Werk in dieOeffentlichkeit eingeführt zu sehen, doch es ist druckfertig, und es wird eine Ehrenpflicht der Familie sein, dieses letzte Werk des Heimgegangenen baldigst dem Druck zu übergeben. Hierauf sprach dann Herr Schnerb, Dirigent des Synagogenchors, im Namen desselben einige Worte des Dankes an den Heimgegangenen, der 37 Jahre den Chor geleitet hat. Fügen wir nun noch dem in voriger Nummer bereits kurz scizzirten Lebensgang des Verstorbenen die folgenden Notizen bei: Derselbe wurde im Jahre 1818 zu Kassel geboren, besuchte dort, nachdem er die Schule verlassen, das von M. Büdinger geleitete Lehrerseminar, bestand in seinem 17. Jahre die Lehrerprüfung und trat dann in die deutsche Schule zu Gudensberg als Lehrer ein und richtete auf Veranlassung Rabbis Mordechai Wetzlar den Synagogenchor ein. Zugleich besuchte er die Talmudvorlesungen des Rabbiners und bildete sich unter dessen Leitung weiter im hebräischen Wissen aus. Nach einigen Jahren gründete er in Wolfhagen eine Lehranstalt, die er nach wiederum drei Jahren nach Cassel verlegte. Im Jahre 1853 wurde er dann nach Frankfurt berufen, um in die daselbst zu gründende Schule als Lehrer einzutreten. Hier unterrichtete er bis acht Tage vor seinem Tode. Mit der Abfassung einer hebräischen und deutschen Fibel begann er seine schriftstellerische Thätigkeit, sein schulgramniatisches Werk dtibv pno, zwei Theile, fand den Beifall der Fachgenosseu und wurde, wie bereits erwähnt, in vielen Plätzen eingesührt, seine mn, die ins Deutsche übertragen und mit vielen Erklärungen versehen ist, ist ein geschätztes Familienbuch geworden und hat viel zur Hebung der Peßachfeier in den Familien beigetragen. Das in Aussicht gestellte Werk über die Accente läßt bei der umfassenden Kenntniß des Verf. von der hebräischen Sprache Gediegenes und Vollkommenes erwarten. Außerdem war der Verstorbene Verf. vieler wissenschaftlicher Abhandlungen, die sich durch Feinheit des Stils und Gediegenheit des Inhalts auszeichnen. Auch diese Blätter enthalten eine Reihe von Aufsätzen aus seiner Feder, sowie eine von ihm verfaßte Komposition der Zur mischelau oohalnu. Berlin, 12. Nov. In einer Versammlung der Christlich-Sozialen hat Herr Stöcker sich wieder über den Antisemitismus ausgesprochen und versichert, daß diesem sein ganzes Leben geweiht sei. Er verwirft nur den unchristlichen Antisemitismus Böckel'scher Richtung, der ihn und sogar Ahlwardt angegriffen habe. Ueber diesen Herrn, den er auch als Seelsorger kennen gelernt hat, sagte der Herr Hofprediger: ich halte ihn für einen im Grunde ehrlichen Mann und habe mich noch nie von ihm losgesagt, weil ich in seelsorgerlichen Beziehungen zu ihm gestanden habe. Ich kann aber auch nicht Alles gutheißen, was er gethan hat. — Berlin, 14. November. Seitens des Deutschen Central-Komites für die Russischen Juden geht uns über dessen Wirksamkeit in sanitärer Richtung folgende Notiz zu: Seit Beginn seiner Thätigkeit hat das Komitee dem Gesundheitszustand der Auswanderer die größte Aufmerksamkeit zugewendet. An sämmtlichen Grenzorten, Aufenthaltsstationen und Hasenplätzen haben hiezu bestellte Aerzte die Auswanderer einer eingehenden Untersuchung unterworfen. Die Berichte dieser Aerzte geben ein relativ sehr günstiges Gesammtbtld; die wenigen Fälle von ernster Erkrankung, welche konstatirt worden, betrafen fast ausnahmslos Affektionen der Lunge in Folge von Erkältung. (Viele Auswanderer waren auf der Reise aus dem Innern Rußlands bis zur Grenze nicht genügend mit Kleidung versorgt.) Fälle von Brechdurchfall, geschweige denn von Cholera, sind an keinem Grenzorte, keiner Durchgangsstation beobachtet worden. Nach dem ersten Auftauchen von Cholerafällen in Deutschland hat das Central-Komitee in enger Fühlung mit den maßgebenden Behörden seine sämmtlichen Grenzkomitees angewiesen, ihre Thätigkeit unverzüglich einzustellen und ist dieser Weisung auch sofort und in allen Punkten entsprochen worden. Die Ostpreußischen Grenzkomitees insbesondere haben sogar schon seit dem 8. August c. zu fungiren aufgehört. Die zur Zeit der Grenzsperre bereits auf deutschem Boden befindlich gewefenen, zur Auswanderung bestimmten Personen sind auf schnellstem Wege auf die Schiffe, etwaige Rückwanderer unverzüglich an die Grenze befördert worden. Wenn behauptet worden ist, daß die Cholera durch Auswanderer aus Rußland, gleichviel welcher Confession, nach Hamburg eingeschleppt worden sei, so kann diese Behauptung diejenigen Auswanderer, welche der Fürsorge des Central-Komitees unterstanden haben, nicht treffen.

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