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Der Israelit · 1892-11-14 · Heft 90 (14.11.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 90 (14.11.1892)
Date
1892-11-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1716 Haufen überantwortete, so werden auch dieser unseligen Partei die schönsten Blüthen unseres Volkes zum Opfer fallen. Armes Deutschland, wann wirst Du Dich aufraffen und wann werden gesunde Zustände in Deinem Innern wiederkehren?" (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzerr. Deutschland. Wiesbaden. Der hiesige Tagblatt enthält in seiner Samstags - Nummer folgende „Stimme aus dem Publicum": Das „Tagblatt" brachte jüngst einen Artikel über Gründung eines antisemitischen Vereins am hiesigen Platze. Seither hat man derartige Gegensätze hier nicht gekannt, und confessioneller Friede war in Nassau, besonders in unserer Bäderstadt, von Altersher. Viel richtiger wäre es, wenn sich ein Verein bilden würde, der es sich zur Aufgabe macht, schwindelhafte Ausverkäufe k. zu bekämpfen, gleichviel, von welcher Seite sie kommen; denn die ganze Gründung des antisemitischen Vereins ist doch weiter nichts, als ein Kampf gegen unreellen Handel. Es gtebt Geschäfte, christliche und jüdische, die seit Jahren in kurzen Zwischenräumen unter irgend einem Vorwände Ausverkäufe insceniren, bei denen das Publicum nur getäuscht wird. Hier ist es die Aufgabe des reellen Geschäftsmannes und aller ehrlich Denkenden, einerlei, ob Christ oder Jude, Front zu machen; denn nicht die Religion, sondern die Unreellität muß bekämpft werden. Kein gediegener Geschäftsmann bat cs nöthig, vorausgesetzt, daß er nicht in kurzer Zeit liquidiren will, seine Maaren unter Werth, wie so oft heutzutage zu lesen, zu verkaufen. Unter welcher Flagge auch der Ausverkauf angezeigt wird, ob infolge Umzugs, Inventur 2C. die gute Waare hat immer ihren Werth, und wer bet solcher Gelegenheit auf den Leim geht, wird finden, daß er in reellen Geschäften, ohne Ausverkauf, ebenso billig angekommen wäre. Also Front gegen jeden Schwindel und alle marktschreierischen Annoncen. Gründen wir einen Verein, dessen Mitglieder sich zur Aufgabe machen, das ehrliche Geschäft zu unterstützen und die unreellen Ausverkäufe 2c., kurzum jeden Schwindel zu bekämpfen und richtig zu beleuchten. Frankfurt a. M., ll.Nov. In der vor. Nacht verstarb nach kurzem Krankenlager im 75. Lebensjahre der hiesige Lehrer I. M. Japhet. Er trat mit der Gründung der Schule der Israelit. Religionsgesellschaft im Jahre 1853 in dieselbe als Lehrer ein, lehrte also fast 40 Jahre ununterbrochen an derselben, da er noch bis Mitte der vorigen Woche Unterricht ertheilte. Er hing mit Liebe an seinem Beruf, und obwohl er längst hätte mit vollem Gehalt pensiontrt werden können, verblieb er dennoch im Amte. So groß sein Wissen und seine pädagogische Tüchtigkeit, so groß war auch seine Bescheidenheit und die Lauterkeit seines Charakters; er genoß die ungetheilte Liebe seiner Kollegen, Schüler und aller, die ihn kannten. Außer verschiedenen Schulbüchern, die, wie seine hebr. Grammatik DTetc pno grobe Verbreitung fanden, gab er Kompositionen von Synagogengesängen heraus, die warm von den Kapellmeistern Moscheles, Spohr, Goltermann u. A. empfohlen wurden und einen großen Ruf erlangten. Im ganzen stand der Verstorbene 58 Jahre im Lehrdtenst. n"asjn Breslau, 4. Nov. Bevor der konservative Parteitag in Berlin znsammentritt, haben auch die hiesigen Konservativen Stellung zu der Judenfrage genommen. Die hier abgehaltene gut besuchte Versammlung des Breslauer deutsch-konservativen Vereins sollte nach einem Vortrage des Prof. Dr. theol. Schmidt folgende vom Abgeordneten v. Jtzenblitz namens des hiesigen Gesammtvorstandes eingebrachte Resolution annehmen: „Wir verwerfen die antisemitischen Ausschreitungen, werden aber mit allen Mitteln die materialistischen Einflüsse auf die Denkungsweise weiter Volksschichten bekämpfen, mögen diese Einflüsse von Juden oder Nichtjuden ausgehen, und wollen es zum Bewußtsein der Nation bringen, daß ein christlicher Staat vor Allem auch einer christlichen Obrigkeit bedarf, und daß die Lehrer und Leiter unseres Volkes nur Christen sein dürfen." Doch auf Antrag des Grafen Konstantin von der Recke-Volmerstein wurde der Etngangspassus „Wir verwerfen die antisemitischen Ausschreitungen" gestrichen. Schrimm, 9. November. Am 3. November fand unter Betheiligung der ganzen Gemeinde in feierlichster Weise die Einführung unseres neuerwählten Rabbiners, des Herrn Dr. S. Bamberger in sein Amt statt. Ein Festcomitö war demselben nach Ezempin entgegengefahren und hatte freundliche Worte der Begrüßung an denselben gerichtet. Bet der Ankunft an der hiesigen Synagoge stimmte die Schuljugend mit Musikbegleitung N3n ins an. Hierauf fand durch den Vorsteher, Herrn Latte, die amtl. Jnstallirung des Rabbiners statt. Daran schloß sich die Antrittsrede des Herrn Dr. Bamberger an, die zum Texte den Vers yyv itai iwn yü’i mit einem hierauf bezüglich Erna hatte, und in welcher er am Etnführungstage in kurzer Entwickelung und in der am darauffolgenden nnv abgehaltenen Predigt ausführlich sein Programm ausetnandersetzte. Beide Predigten fanden den ungethetlten Beifall der ganzen Gemeinde. Den Schluß der Feier bildete ein vom Chore gesungenes Lied.

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