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Der Israelit · 1892-11-14 · Heft 90 (14.11.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 90 (14.11.1892)
Date
1892-11-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1717 Unserem Rabbiner, dem in unserer Gemeinde ein reiches Feld der Wirksamkeit bevorsteht, geht der Ruf eines thatkräftigen Mannes voran, und hoffen und wünschen wir, daß alle an ihn gestellten Erwartungen in Erfüllung gehen mögen. Bonn. Wir erhalten folgende Zuschrift: Entgegen dem in Nr. 85 dieser Zeitung enthaltenen, von Bonn datirten Correspondenzartikel erkläre ich hiermit: 1) Die pietätvolle Erwähnung des dahingeschiedenen Synagogenchor-Dirigenten beider am jüngsten Versöhnungstage stattgehabten Seelenfeier ist von den Mitgliedern der hiesigen Synagogen- Gemeinde allgemein gebilligt und mit Befriedigung ausgenommen worden. 2) Kein einziges der orthodox gesinnten Mitglieder der hiesigen Synagogen-Gemeinde ist seit der jüngsten Festzeit — post festum — von unserer Synagoge fern geblieben. 3) Der Einsender des in Rede stehenden Correspondenz-Artikels hat — ob über den entsprechenden Sachverhalt schlecht unterrichtet oder aus Vergeßlichkeit — nicht ausdrücklich angegeben, daß es am Sabbat das Nachmittags»Gebet war, bei welchem hier das pD fehlte. Rabbiner Dr. Cohn. Rußland. Odessa. Den „Daily News" wird aus Odeffa gemeldet, daß nach einem Erlaß der russischen Regierung die Juden fortan keine Aktien kommerzieller und industrieller Gesellschaften in den südwestlichen Gouvernements Rußlands mehr besitzen dürfen. Ausnahmen sind in den alten Zuckerfabriken im Gouvernement Kiew gestattet, aber auch dort sind Juden von den Verwaltungsräthen ausgeschloffen; nur wo 1jz Aktionäre Juden sind kann ein Glaubensgenosse derselben Direktor, nie aber Vorsitzender werden. Alle Korrespondenz muß in russischer Sprache geführt werden. Wahrscheinlich werden bald noch weitere Beschränkungen angeordnet werden. Türkei. Marokko. Der neue Gouverneur der hiesigen Citadelle hat, obschon die Anwendung der Bastonade schon vor längeren Jahren auf Intervention Sir Moses Montefore's durch den Kaiser verboten wurde, dieselbe wieder eingeführt und aus ganz nichtigen Gründen an einer großen Anzahl Juden vollziehen lassen; ein 18 jähriger Israelit erhielt nicht weniger als 800 Stockhiebe. Briefkasten der Redaction. P. A. Wir haben über die Reception (Aufnahme der Juden Ungarn's unter die gleichberechtigten Confeffionen) schon vorMonaten größere Artikel gebracht (die Orthodoxen find aus vielfachen Gründen dagegen). Ueber die jetzige Mintsterkrisis verweisen auf ein in heutiger Nummer enthaltenes Artikelchen. Wochen - Kalender. Freitag, 18. November, 28. Chefchwan. Sabbat-Anfang 3 Uhr 55 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 19. November, 29. Chefchwan. n"D1 n"mo ,n“Pin Sabbat-Ausgang 5 Uhr — Min. (Mainzer Uhr.) Sonntag, 20. November, 1. Kislew. i£Hn ttw"). Der Neumond tritt Samstag Abend 47% Min. nach 5 Uhr ein. In denjenigen Staaten, in welchen mitteleuropäische Zeit eingeführt ist (also bis jetzt in Baden, Bayern, Elsaß und Württemberg) ist die oben angegebene Zeit, abgesehen von der Umrechnung der Mainzer Uhr in die betreffende Ortszeit, um etwa 25 Minuten später zu berechnen. Auf den unserer Nummer beiliegenden Prospekt des Verlagsbuchhändlers Emil Roth in Gießen erlauben wir uns, unsere geehrten Leser besonders aufmerksam zu machen. Derselbe zeigt eine neue Auflage des bekannten Religionsbuches von Rabbi B. H. Auerbach an, auf welches vortreffliche Merkchen wir eingehend zurückzukommen hoffen. Für den folgenden Theil ist die Redaetio« nicht verantwortlich. (45«) Erwiederung! Wiesbaden, 12. November. Im Israelit Nr. 88 v. 7. dieses MtS. befindet sich eine Notiz aus Wiesbaden, die der Berichtigung bedarf. Nicht ich habe den Antisemitismus hervorgerufen, sondern zwei andere nur zu gut bekannte Schuhwaarenhändler. Der Eine hat längere Zeit durch große Annoncen bekannt gemacht, daß er an einem näher zu bestimmenden Tage beginne, für 50,000 Mk. Schuhwaaren aller Art zu versteigern. Zu diesem Zwecke hat derselbe in den Fabriken allen Schund zusammengekauft und 8 Tage lang um jeden Preis versteigern lassen, bis sein Hausherr diesem Treiben dadurch ein Ziel setzte, daß er seinen Laden zu diesen Auetioneu nicht mehr gebrauchen lassen wollte. Dieses hat nun sehr viel Erregung unter den kleinen Schuhmachern und unter den kleinen Leuten, die nur mit den ganz billigen Arbeitsschuhen handeln, hervorgerufen. Nun kam ein gewisser M. S. Wreschner mit ganz großen auffallend marktschreierischen Annoncen und machte bekannt, daß sein Schuhlager die beste und billigste Einkaufsquelle für solide und gute Schuhwaaren sei und bot in den hiesigen Blättern einen soliden Damenstiefel für Mk. 3.75 an. Hierauf folgten verschiedene Annoncen des Schusters Kölsch, daß er bei der jetzigen hiesigen Concurrenz sein Geschäft nicht mehr weiter betreiben könne und dasselbe ausgeben müsse. In Folge aller dieser Umstände entstand ein großes antisemitisches Flugblatt das auf der Straße vertheilt wurde, und dieses veranlaßte mich, als Jude diese Sache auszudecken. Ich kann hier nur noch hinzufügen, daß das anständige Publikum hier ganz auf meiner Seite steht und es von anständigen Christen, die unbefangen urtheilen, es mir hoch angerechnet wird, daß ich als Jude diesen Schritt unternommen. Dafür, daß der von mir aufgetrennte Stiefel aus Pappdeckel zusammengesetzt und in Spiers Schuhbazar, Inhaber M. S. Wreschner, gekauft ist, übernehme ich volle Verantwortung. Heinrich Hetz.

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