Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 90 (14.11.1892)
- Date
- 1892-11-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1714 dann von Nimptsch, Schritt für Schritt weiter geführt worden. Nun aber hatte er sich dadurch, daß er auf die Erdichtungen Nimptsch gehört und ihn zu neuen Angaben aufforderte, zu seinem Mitschuldigen gemacht. Aus diesem Grunde hätte der Kaiser, nachdem sich seine erste Aufregung gelegt und sich die Einflüsse von Eugens Gegnern wieder von Neuem geltend machen konnten, gerne die ganze Angelegenheit vertuscht, allein Prinz Eugen, sonst der mildeste, versöhnlichste Mensch, bestand diesmal beharrlich auf seinem Rechte und so mußte denn endlich der Verhaftsbefehl gegen den Abbate Tedeschi und den Grafen Nimptsch erlaffen werden. Nun wurde von den beiden großen Parteien am Kaiserhofe, der deutschen und der spanischen, zu welcher auch Althan zählte, alles was in ihren Kräften stand, aufgeboten, ihrer Sache zum Siege zu verhelfen. Zur Ehre der Deutschen muß es gesagt werden, daß auch jene unter ihnen, die sonst Eugens Gegner waren, sich diesmal zu gemeinschaftlichem Widerstande gegen die fremden Günstlinge und diejenigen, die es mit ihnen hielten, vereinigten. Der Reichshofpräsident Wtndischgrätz gab das erste Beispiel entschiedenen Auftretens für die Sache des Prinzen, obwohl er sonst nicht zu deffen Anhängern gehörte. Er erklärte dem Kaiser mit bewundernswerther Offenheit, daß es ein ewiger Schandfleck für seine Regierung wäre, wenn ein Mann, welchem das Haus Oesterreich zu unauslöschlichem Danke verpflichtet sei, nicht energischer vor niedriger Cabale geschützt würde. Diese Bestrebungen wurden mit nicht geringerem Eifer von den einflußreichsten Personen, namentlich von Althan, der ursprünglich selbst auf eine strenge Untersuchung gedrungen und dem Präsidenten des spanischen Rathes, des Erzbischofs von Valencia, bekämpft. Sie bemühten sich die Handlungsweise der beiden Angeklagten in einem wett milderen Lichte erscheinen zu lassen. Sie stellten dem Kaiser vor: eine strenge Bestrafung der beiden Schuldigen und der Sieg, den Eugen hierdurch über Grafen Althan, den Schwager des Einen der Verhafteten, erfechten müßte, würde nur dazu dienen, die ohnehin schon allzugroße Macht des Prinzen noch zu steigern, man solle aber vielmehr die günstige Gelegenheit sie zu schmälern benützen. Der Prinz habe zwar erklärt, er würde, wenn er nicht vollständig Satisfikation erhalte, alle seine Aemter ntederlegen, aber es sei ihm nicht Ernst mit seinen Drohungen; er werde nicht gleich zum Aeußersten schreiten, sondern wenn ihm keine Wahl bliebe, sich auch mit einer bescheideneren Stellung als bisher begnügen. Aber der Prinz erklärte mit aller Bestimmtheit, daß er, wenn ihm nicht die vollständigste Genugthuung würde, den österreichischen Staatsdienst verlassen würde und sein ganzes Benehmen bewies, daß sein Entschluß unerschütterlich war. Von dem Augenblicke an, wo er dem Kaiser seine Beschwerde vorgebracht, hielt er sich von allen Staatsgeschäften fern. Der Conferenzrath hörte auf zu funktioniren, denn Eugen, welcher dessen Präsident war, berief ihn nicht und Niemand wagte dies an seiner Stelle zu thun. Auch bei dem Hofkrtegsrath gerieth alles in Stocken und man mußte, wenn das Getriebe der Staatsmaschine nicht zu völligem Stillstände gebracht werden sollte, diese Angelegenheit nach Eugens Willen zu Ende führen. Es wurde daher für diesen Fall eine eigene Justiz-Commisston eingesetzt. Sie bestand aus dem Reichshofpräsidenten Grasen von Windischgrätz als Vorsitzenden, dem österreichischen Hofkanzler Grafen Stürykh und dem Reichshofrathe von Blümpen. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel jtt bestehen bei G. $. Kteinacker, Leipzig, ZLoßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. osterr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eiugesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalteu. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Idealismus und Materialismus. Zu Paraschaih Von Rabbiner H. Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Rheinhessen. Berlin. Wiesbaden. Frankfurt a. M. Hannover. Frankfurt a. d. Oder. Goldberg. Crefeld. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. — Rumänien: Jassy. — Rußland. — England: London. — Italien: Rom. — Griechenland: Korfu. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) JnhNlt der Beilage: Leitender Artikel: Bellamy als Erzieher. Eine Geschichte aus der Zeit nach dem deutsch-russischen Kriege. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Wiesbaden. Frankfurt a. M. Breslau. Schrimm. Bonn. — Rußland: Odessa. — Türkei: Marokko. \ Inhalt der Extra-Beilagen: Mittheilung. — Prospekt des Verlagsbuchhändlers Emil Roth in Gießen. Verantwortliche Rebaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JLraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz- Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.