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Der Israelit · 1892-11-14 · Heft 90 (14.11.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 90 (14.11.1892)
Date
1892-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1712 bis zur Redaktion des „Foloretto", einer Zeitung Roms, auf deren Büreau Barzilai sich befand. Die Rufe Evira Barzilai podre lei operai, (Hoch Barzilai Vater der Arbeiter) Eviva deputoto Triestino Porevole erschollen viel tausendfach; Barzilai erschien auf dem Balkon, dankte mit erfreuten Worten dem Volke, jedoch der Jubel wollte kein Ende nehmen. Ich füge eine hiesige Zeitung bei, in der die Ovation, die Herrn Barzilai von den 3000 Arbeitern an dem im Bau begriffenen Justizpalast und den 700 des Victor Emanuel Monumentes, gebracht wurde, ausführlich beschrieben ist. Die Ovation war eine sehr herzliche, und ganz Rom jubelt Barzilai zu. Ich war Augenzeuge aller dieser Vorgänge und hörte die Dankesrede Barztlais gestern im Politeama Realr, die mit ungeheurem Jubel ausgenommen wurde. Von Judenfeindschaft weiß man hier gar nichts, Gott sei Dank. Griechenland. Korfu. Unter den im vergangenen Jahre von hier wegen der Beschuldigung des Ritualmordes Ausgewanderten befand sich auch die hochbetagte Greisin, Wittwe Nina Mordo A b o a f — ihr verstorbener Gatte Giuseppe Nissim Aboaf entstammte der aus Spanien vertriebenen berühmten jüdischen Familie aman — die, trotz der hundert und zwei Jahre, die auf ihren Schultern lasteten, voll Muthes zum Wanderstabe griff und nach Alexandrien in Egypten zog, wo ein Sohn von ihr lebt. Dieselbe ist nun dort vor einigen Tagen verschieden und wurde auch daselbst begraben. Ihr stets gehegter Wunsch, nach ihrem Tode auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe an der Seite ihrer Eltern und ihres Gatten ruhen zu können, ging nicht in Erfüllung, mam. — Seit vergangenem Jahre wird in den höheren Klassen unserer Talmud-Thoraschule der Unterricht nicht mehr wie bisher, in der italienischen, sondern in der griechischen Sprache, welche doch die Amts- und Landessprache ist, ertheilt. Vor Kurzem hat nun die übliche Jahresprüfung in der genannten Schule stattgefunden, der auch mehrere griechische Notabtlitäten, darunter auch Graf Teotokt anwohnten. Alle Anwesenden waren höchst erfreut über die Geläufigkeit, mit der sich die Zöglinge in der Landessprache auszudrücken vermochten. Der hier zur Hebung der Bildung unter unseren Glaubensgenossen bestehende jüdische Verein „II Progresso“ (Der Fortschritt) hat für die eben begonnene Wintersaison Curse für französische Sprache und Literatur und für moderne Geschichte eröffnet, die sich schon jetzt eines guten Besuches erfreuen. Während der vergangenen jüdischen Feiertage waren alle unsere Gotteshäuser gut besucht und liefen auch viele Spenden für die Armen ein. > Vermischtes. < Berlin. (Noble Kampfesweise der „Kreuzzeitung".) Ein Artikel der „Kr. Ztg." „Aus England" bringt Nachrichten über „Das jüdische Wucherwesen in Rußland". Bei näherem Zusehen findet man, daß von „jüdisch" nur in der von der „Kreuzzeitnng" über den Artikel gesetzten Spitzmarke die Rede ist. Der Artikel selbst ist ein Auszug aus einem Standard-Telegramm aus Petersburg und aus Mittheilungen eines russischen kleinen Blattes. Er bringt wohl Nachrichten über die Auswucherung der russischen Bauern, aber nicht mit einem Worte wird berichtet, daß die AuSwucherung von Juden betrieben wird. Nun ist es eine bekannte Thatsache, daß jedes russische Dorf einen Wucherer birgt, dem mitunter die ganze Gemeinde tributär ist; dieser Dorfwucherer ist aber stets ein reicher orthodoxer Bauer, Juden dürfen in den meisten Gubernien, namentlich in den inneren, nicht auf den Dörfern wohnen. Diese Art und Weise, für den Antisemitismus Stimmung zu machen, verdient, weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden. Vielleicht wird sogar hie und da ein Leser der „Kreuz-Zeitung" stutzig, wenn ihm über die Artikelmache dieses Blattes die Augen geöffnet werden. Pilsen und Salzburg. Der Ausschuß des Bürgerlichen Brauhauses in Pilsen hat anläßlich der Jubelfeier seines 5vjährigen Bestandes eine Anzahl Widmungen und Schenkungen festgesetzt, u. A. auch der israelitischen CultuSgemeinde in Pilsen zu deren Synagogenbau 1000 fl. gespendet. Diese letztere Spende gab den „Plzenskß Listy“ Anlaß, folgenden Hetzartikel vom Stapel zu lasten: „Eine schöne Feier des 50jährigen Bestandes des Bürgerlichen Brauhauses in Pilsen. Bekanntlich widmete der Ausschuß des Bürgerlichen Brauhauses ein großes gemaltes Fenster für die hiesige Stadtkirche; damit dies aber den hiesigen deutschen Juden nicht leid thue, beeilten sich die Herren und schenkten ihnen zur Feier des 50jährigen Bestandes des Brauhauses — tausend Gulden zum Synagogenbau I Unerhört, noch nicht dagewesen! Und warum geschah das, aus welchen Gründen? Etwa deshalb, weil die hiesigen Juden die Reihen unserer Erbfeinde? Die hiesigen czechischen Burger, welche doch bisher die Majorität in der Braugenoffenschast besitzen, dürfen einem solchen Vorgehen des löblichen Ausschusses nicht stillschweigend zusehen. Hier ist es nöthig, energisch auszutreten und den betreffenden Herren zu erklären, daß Alles seine Grenzen hat, insbesondere aber die Liebedienerei unseren nationalen Gegnern gegenüber. Das fehlte noch, daß wir mit unserem eigenen Gelde deutsche und noch dazu ganz private Unternehmungen unterstützen sollten, an denen mit Ausnahme einiger Juden niemandem etwas gelegen ist." Wir reproduziren diesen Hetzartikel, von welchem wir durch die Prager „Gemeindezeitung" Kenntniß erhalten, weil er ein hübsches Seitenstück zur Heldenthal eines „Jugendbildners" in Salzburg ist. Die „Plzsntkö Listky“ bekämpfen eine Spende zu einem Synagogenbau mit der Begründung, daß die Juden die Reihen „unserer Erbfeinde", id est der Deutschen verstärken. In Salzburg aber führt ein Herr Wenzel Dick Krieg gegen drei Judenmadchen und rechtfertigt dies mit seinem ausschließlich privilegirten Deutschthum. Horaczdiowitz. Unlängst wurden die irdischen Ueberreste des hochwürdigen Bischofs von Königgrätz, Herrn Dr. I. Hais, der gemeinschaftlichen Mutter aller, der Erde, übergeben. Wir Israeliten haben allen Grund, den Hingang dieses wackern Kirchenfürsten auf's Tiefste zu beklagen. War doch

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