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Der Israelit · 1892-11-14 · Heft 90 (14.11.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 90 (14.11.1892)
Date
1892-11-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1711 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth. Ueber die Krisis in Ungarn erhält das Wiener „Fremdenbl." aus Budapest, 6. Nov., einen politischen Situationsbericht, dem wir folgendes entnehmen: Soweit wir informirt sind, scheinen die drei Gesetzentwürfe, betreffend die Geburtsmatrikelführung, die freie Religionsübung und die Rezeption der Juden, nicht mehr Gegenstand der Diskussion zu sein und gehören in diesem Momente bereits zu den feststehenden Entschließungen. Es handelt sich nur noch um die Frage der Zivilehe, beziehungsweise um die Regelung des Eherechtes, über welche bisher eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Rumänien. Jassy. Die Juden Jassy's wurden soeben durch eine Bestimmung des Vorstandes des bürgerlichen Hospitals in unglaublicher Weise beunruhigt. — Dieser Vorstand hat nämlich als eine der ergriffenen Maßregeln gegen die Cholera die unmenschliche Verordnung getroffen, daß die Aufnahme von erkrankten Juden in das Spital verweigert werden solle. Das erreignete sich in dem aufgeklärt sein wollenden Rumänien, das Frankreich des Orients genannt, am Ende des XIX. Jahrhunderts! Rußland. Aus Rußland wird berichtet, daß unseren Glaubensgenossen in diesem Lande die Ausübung der ihnen heiligen Gebote nicht mehr erlaubt wird und daß sie gezwungen sind, in Verstecke zu flüchten, um in Ruhe ihr gemeinschaftliches Gebet verrichten zu können; es erinnert dies an die Versammlungen der Protestanten in Einöden im 17. Jahrhundert. Die Juden in Dubbeln bei Riga und der nächsten Umgebung hatten daselbst zur Abhaltung des Gottesdienstes am Roschhaschonoh ein Lokal gemiethet; die Polizei, die davon vernommen, befahl jedoch die Schließung des Lokals bei Strafe von 300 Rubel. Einreicher Jude erbot sich, damit der Gottesdienst nicht unterbrochen werde, zur Zahlung der Summe, die Polizei war aber damit nicht zufrieden und ließ den Betsaal gewaltsam räumen, die Juden vollendeten ihr Gebet am Ufer des Meeres, wo sie auch am Nachmittag und Abend ihr Gebet verrichteten — Am anderen Tage mietheten sie zum Beten eine Hütte inmitten eines Waldes. Der Förster, der ihnen dies erlaubte, berichtete hiervon weiter, und noch hatten die Anwesenden das Gebet runr., das besonders andächtig verrichtet wird, nicht vollendet, als die Polizei kam und sich auf eine Ordre des Gouverneurs stützend, die Versammlung zerstreute. Diejenigen, die sich wtdersetzten, wurden mißhandelt und die Cultusgegenstände confiSzirt. Den Bersöhnungstag verbrachten diese Leute an Bord eines Dampfbootes, von wo aus sie ihre Gebete zu dem Allmächtigen sandten, ohne dessen Wille sie niemand behelligen kann. — England. V. London, 9. November. Ein ergreifender und feierlicher Gottesdienst wurde heute Abend in der 8Lmdro-8ynaxo§as (City) abgehalten. Es war der Abschieds-Gottesdienst, indem diese Synagoge, die älteste der Aschkenasischen Synagogen London's, (schon seit 1726 bestehend), nun geschloffen wurde. Der Council der United-Synagogue, im Einverständnisse mit den Mitgliedern faßte den Beschluß, das alte Gebäude zu veräußern und mit der im Eastend neu zu erbauenden Riesen-Synagoge, die für die polnischen Eingewanderten hauptsächlich beabsichtigt ist, zu vereinigen. Der erhebende Abschiedsgottesdienst wurde von dem allgemein bekannten, ehrwürdigen Revd. S. M. G ollan cz, welcher als erster Cantor seit 38 Jahren mit unermüdetem Eifer in seiner Gemeinde gewirkt hat, auf das Feierlichste abgehalten. Die Mitglieder des Council's, sowie sämmtltche Prediger und Cantoren wohnten der Feier bet. Unser Chief Rabbi erwähnte in seiner herrlichen Predigt, daß der Gründer der Synagoge R. Mordechai Hambro, ein Deutscher war, nach dessen Namen die Synagoge» „Hambro «synagogue" genannt wurde. Die Nachkommen dieses seligen Hambro sind die Chefs des berühmten Bankhauses: I. C. Hambro u. Söhne. Der Redner ermunterte den Council, das Werk der Erbauung der neuen Synagoge in Eastend nun eiligst in Angriff zu nehmen. Nachdem das Gebet für Ihre Majestät die Königin vorgettagen wurde, sagte man, einem alten Minhag zufolge, die mor und sang biv wie am Jom Kippur-Abend, was der Feier einen besonders erhebenden Eindruck verlieh! — Italien. F. Rom, 9. November. Bei den hier am 6. d. M. stattgefundenen Parlamentswahlen wurde Herr Salvatore Barzilai, ein geborenerTriestiner mit einer ungeheuren Stimmenzahl, zum Bertteter, des päpstlichen Stadtviertels —! und noch zwei anderen Stadttheilen Roms ins Parlament gewählt. Herr Barzilai ist ein Jude und in Rom sehr beliebt. Mit Spannung wartete man auf das Resultat, und als bekannt wurde, daß Barzilai gewählt ist, erbrauste ein großer Jubel durch die ewige Stadt. Alle römischen Arbeitervereine zogen mit Musik, Fackeln und Fahnen durch die Hauptstraßen Roms,

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