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Der Israelit · 1892-11-14 · Heft 90 (14.11.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 90 (14.11.1892)
Date
1892-11-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1710 das ist echt — antisemitische Kampfesweise. Windscheid hat die Dinge, über die er schrieb und die er lehrte, mit der ganzen Gründlichkeit eines deutschen Gelehrten durchforscht, und darum können ihn die Antisemiten nicht leiden, deren bewundertes Vorbild der größte Ignorant unter allen lebenden Professoren — Herr Rohling ist. Wiesbaden, 11. November. In altgewohnter Weise fand heute in der Synagoge der altisraelitischen Kultusgemeinde in der Friedrichstraße die Beeidigung der neueingezogenen Mannschaften isr. Religion statt. Herr Rabbiner Dr. Kahn, dessen unermüdliche Antheilnahme an dem religiösen und körperlichen Wohl der hiesigen jüdischen Soldaten militärbehördlich schon wiederholte Anerkennung gefunden, ermahnte die Soldaten gegen das angestammte Herrscherhaus als den natürlichen Beschützer, die festeste Treue zu bewahren und durch Pflichtbewußtsein, Aufrichtigkeit und Gehorsam einen erneuten Beleg davon zu geben, daß das unverfälschte Judenthum auch die idealsten Pflichten des Menschthums lehrt, und daß nur der der gesetzestreueste Jude sein kann, der zu gleicher Zeit den höchsten Anforderungen der Menschenpflichten, Gehorsam, Aufrichtigkeit, Treue rc. nachkömmt. Wenn diese Ausführungen des wackeren Seelsorgers in chriftl. Kreisen ihrem vollen Inhalte nach bekannt wären, so dürfte wahrlich das System der Partei, welche Rohheit und Verthierung Bürgerrechte verleihen will, der Antisemitismus, bet jedem denkenden Menschen die Verurtheilung finden, die er bet dem Gros derselben mehr und mehr fand und findet. v. B. Frankfurt a. M. 8. November. In seinem Vortrag, den Herr Dr. Johannes Müller zur Bekämpfung des Antisemitismus im Saale des Kaufmännischen Vereins hielt, besprach er „Jüdische und christliche Moral". Er wandte sich zunächst gegen die vulgären Angriffe der Antisemiten auf die jüdische Moral und bewies in schlagender Weise die Haltlosigkeit des Vorwurfs eines zu egoistischen Charakters, den man der jüdischen Moral macht. Vor Allem zeigte er, daß das Gebot unumschränkter Nächstenliebe jüdischen Ursprungs und der nationale Egoismus in der israelitischen Gesetzgebung überwunden sei. Durch das ganze alte Testament gehe eine Entwicklung nach Vertiefung der Moral. Wenn nun auch Herr Müller beim Schluffe seines Vortrags zu Ansichten gelangte, denen Juden nicht zustimmen können, so glaubten wir doch die vorstehenden Bemerkungen eines Nichtjuden unseren geehrten Lesern nicht vorenthalten zu sollen. Hannover, 6. November. Die Antisemiten und die mit ihnen verbündeten Konservativen haben von einem hervorragenden Führer der Welfenpartei bei der am 29. v. Mts dahier abgehaltenen Welfenfeier eine entschiedene Absage erhalten. Baron von der Decken gab, wie die „Hannov. Post." berichtet, zum Entsetzen der Antisemiten folgende Erklärung ab: „Ich habe in der konservativen Partei eine Anzahl Bekannte und Freunde. Ich bin von diesen mehrfach befragt worden: „Ja, warum steht ihr uns denn in der Judenfrage nicht bei?" Ich habe Denen darauf erwiedert, das können wir Welfen aus zwei Gründen nicht, 1) seien die Juden auch Menschen und 2) sei bei Langensalza auch ein Jude für Hannover gefallen — und dieses Umstandes wegen würde die Welfenpartei gegen die Juden nicht Vorgehen. Frankfurt a. d. Oder. In der hiesigen Synagoge wurde mit Ueberstimmung des Vorstandes Herrn L. Struck vor etwa einem halben Jahre eine Orgel aufgestellt. Herr St. veranstaltete nun ein Seperatminjan im Gemeindezimmer. Um ihm dies ferner unmöglich zu machen, sucht man ihn bei der demnächst stattfindenden Wahl zu stürzen. Beide Parteien kämpfen mit Energie und haben zuerst die Neologen, dann die Orthodoxen je ein Wahlbankett mit glänzendem Menü veranstaltet. — Hoffen wir den Sieg der guten Sache. Goldberg, 5. November. Auf eine Einladung des deutsch-socialen (antisemitischen) Vereins Liegnitz hatten sich nach dem „B. a. d. R." am 2. d. Mts Abends, 40 Personen im Gasthofe „zum deutschen Hause" versammelt. Buchhändler Gocksch- Ltegnitz eröffnete die Versammlung mit einem Hoch auf den Kaiser uud entwickelte sodann, vom Jahre 1848 ausgehend, das uns eine Menge „sogenannter" Freiheiten gebracht, die Grundsätze und Forderungen der antisemitischen Partei. Schon während der Ausführungen lichtete sich die kleine Versammlung noch mehr. Eine Debatte fand am Schluffe nicht statt, und die Aufforderungen zur Einzeichnung in die Liste der Partei scheint ohne Erfolg geblieben zu sein. Krefeld. Eine Kritik über den Prozeß Buschhoff brachte die Ehefrau Ftethen aus Anrath auf die Anklagebank. Am 23. Juli d. I. befand sich die Angeklagte in einem Metzgerladen in Krefeld, wo über die Clever Verhandlung gesprochen wurde, und äußerte in Beziehung auf das Landgericht zu Cleve, dieses Gericht sei von den Juden bestochen worden. Als der Frau bedeutet wurde, soche beleidigende Aeußerungen dürfe sie nicht machen, bemerkte sie, daß sie das noch öfter sagen würde. Die Strafkammer erkannte gegen die Frau auf eine Woche Gefängniß.

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