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Der Israelit · 1892-11-10 · Heft 89 (10.11.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 89 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1693 hoffen auf Deutschlands Sieg, um ihre Lage zu verbessern. Beiläufig bemerkt, sollte unser Antisemitismus daraus lernen, daß er keineswegs im Besitze des richtigen Mittels ist, wenn er darauf ausgeht, unsere Juden so schlecht als möglich vom Staate und der Gesetzgebung behandeln zu lassen." Soviel sich an der Hand der Thatsachen Nachweisen läßt, hat sich die Lage der Juden in Rußland erst verschlimmert, als der in Deutschland erfundene Antisemitismus auch in anderen Ländern und besonders in Rußland Nacheiferer fand. Wenn auch die frühere Stellung der Juden in Rußland nicht die beneidenswertheste war, so war man aber doch seit langer Zeit daran gewöhnt und hat sich darein zu finden verstanden. Feindselig wurde in Rußland die Stimmung gegen die Juden aber erst durch den importirten Antisemitismus. Keinesfalls aber hat in den letzten 15 Jahren der deutsche Antisemitismus auf die russischen Juden einen besonders großen Reiz ausüven können. Die Verdächtigung der russischen und der deutschen Juden, daß sie, wenn es ihnen schlecht geht, mit den Feinden des Landes sympathisiren, damit durch den Sieg des Feindes ihre Lage besser würde, das ist, auch wenn es Bismark behauptet, doch nicht von ihm. das hat schon vor Jahrtausenden ein egyptischer Pharao behauptet, um seinen Undank gegen die Israeliten zu bemänteln und um ihre Lage zu verschlechtern. Wir glauben nicht, daß man selbst in Rußland diesen boshaften Behauptungen des mit aller Welt grollenden Altkanzlers irgendwie Glauben schenkt; höchstens die Antisemiten werden mit Eifer diese Bemerkungen Bismarks ausgreifen als erwünschtes Material, die Juden als den Grund alles Nebels hinzustellen. Wenn es Bismark gesagt, so muß es doch wahr sein! Wir hoffen aber gerade daß die Welt diese Behauptung nur mit Lächeln aufnehmen wird. 8. Nachbemerkung der Redaction: Nach jüdischem Gesetz sind die Juden verpflichtet, das Wohl des Landes, in dem sie wohnen, zu fördern, auch selbst dann, wenn die Beherrscher des Landes den Juden übel gesinnt sind. Und in der That ist die Erscheinung, daß die russischen Juden eine große Verehrung für den russischen Kaiser besitzen, eine ganz merkwürdige. Jeder, der mit der Masse der russischen Juden in Berührung gekommen ist, hat das conftatirt. Was Bismark von den russischen Juden weiß, kann er nur vom Hörensagen wissen und daß die Leute aus Rußland, die ihm über die Juden berichten, keine Philosomiten sind, kann man sich denken. Man besuche nur in Rußland am Sabbath die Synagogen und höre, mit welcher Begeisterung das Gebet für den Landesherrn in denselben ve richtet wird. Moringen. Vergangenen Freitag Nachmittag fand die feierliche Amts-Einführung des Herrn Dr. Lewinsky als Landrabbiner und Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Hildesheim in der dortigen Synagoge statt. — Herr Dr. Lewinsky, welcher am Vormittag den vorgeschriebenen Amtseid abgelegt hatte, wurde von Herrn Oberbürgermeister Struckmann in Vertretung des Herrn Regierungs-Präsidenten und Herrn Senator Jost als Vertreter 'der städtischen Behörden in die Synagoge geführt. Herr Oberbürgermeister Struckmann richtete hierauf das Wort an Herrn Dr. Lewinsky, indem er ihm vorführte, daß er bei der hies. jüd. Gemeinde sehr geregelte kirchliche Verhältnisse vorfinde und auch in socialer Hinsicht die hies. jüd. Gemeinde, wenn es sociale Noth zu lindern galt, jederzeit sich hilfreich und hilfbereit gezeigt habe. In weirerm wies Herr Oberbürgermeister auf Herrn Dr. Guttmann hin, den zu ersetzen Herr Dr. Lewinsky berufen sei, und betonte, daß Dr. Guttmann die allseitige Achtung aller seiner Mitbürger, sowie das Vertrauen der königlichen und städtischen Behörden, wie auch seiner Gemeinde in vollem Maße besessen habe. Kraft der ihm gewordenen Vollmacht installirte nun Herr Oberbürgermeister Herrn Dr. Lewinsky im Namen der königlichen Regierung in sein Amt als berufener Vertreter der jüd. Gemeinde und des Landrabbinats Htldesheim. Herr Dr. Lewinsky, eine sympathische Erscheinung mit sonorem weichklingenden Organ, sprach an geweihter Stätte seinen Dank für das Wohlwollen der Behörden aus, und gelobte eingedenk de8 geleisteten Eides das entgegengebrachte Vertrauen verdienen zu wollen. Wie eine Stelle des Talmuds besage, sei der Posten, auf den er berufen, keine Würde, kein Amt, sondern ein Dienst, und als ein Diener des Herrn würde er bestrebt sein, denselben auszufüllen. „Ehre das Gesetz" hätte vor vielen tausend Jahren ein Weiser in Israel schon zu dem Volke gesprochen, und auch heute sei dies Wort für die jüd. Gemeinde giltig; im Namen derselben gelobe er in dem der GotteSverehrung geweihten Haufe, Treue und Ergebenheit gegen den erhabenen Herrscher dieses Landes, und die Gesetze desselben und die königlichen und städtischen Behörden. Er sei sich bewußt, daß, wenn irgend das Wort gelte, „nicht das Amt ehrt den Mann, sondern der Mann ehrt das Amt," dies bei einem Diener Gottes der Fall sei, und das ihm anvertraute Amt in Ehren zu halten und ihm Ehre zu machen, werde sein Bemühen sein. Er bitte die Gemeinde, Verttauen für Vertrauen zu geben und ihm in Liebe und Verttauen entgegenzukommen

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