Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1892)
- Date
- 1892-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448301--35169-2483141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1692 würden sich Thure und Thore geöffnet haben, darum verschweigt er seine Herkunft, bis er von Rebekka die ersehnte Auskunft erhalten. Dann erst zieht er in ihr Elternhaus ein. Auch hier gilt seine erste Fürsorge den Interessen seines Herrn. Das Vieh, die Diener werden mit allem Röthigen versehen. Elteser aber weigert sich nach den Anstrengungen und Wechselfällen einer so langen Reise auch nur eher einen Bissen zu sich zu nehmen, bis er sein Anliegen vorgebracht hat, seine Aussicht auf Erfolg bemeffen kann. Und als seine Bemühungen zum Ziele geführt haben, da sonnt er sich nicht in seinem Triumphe; es duldet ihn nicht, sich auch nur einige Tage von den kaum überstandenen Strapazen zu erholen. Er muß, sobald als möglich, zu seinem Herrn zurück, um diesem die Freude bereiten zu können, seinen angelegentlichsten Wunsch erfüllt zu sehen. — Schon am Morgen nach seiner Ankunft spricht er: „Entlasset mich zu meinem Herrn", und weiß den unentschlossenen, schwankenden Gemüthern gegenüber seinen festen Willen, seine männliche Entschiedenheit zur Geltung zu bringen. Sofort besteigt er das Kameel; ohne an sich zu denken, überantwortet er sich alsbald aufs neue den Anstrengungen und Gefahren der Wüstenreise. — Wenn wir Geschichte und Dichtung durchstreifen, wir werden kein vollendeteres Gemälde der Selbstlosigkeit, der aufopferungsvollsten Treue finden. Man hat die Mannestreue eines Hagen und Volker, oder wählen wir ein näherliegendes Beispiel — des Knappen Sauls gepriesen. Sie wußten allerdings für ihre Herren zu sterben. Doch größer, weit größer steht Elieser da; er versteht es für seinen Herrn zu leben, sein eigenes Ich so in den Interessen seines Herrn aufgehen zu lassen, daß daffelbe ganz verschwindet. Wer sich in solchem Grade, in solcher Weise der Selbstsucht entäußern, wer so ganz in seinem Berufe oufgehen kann, der ist kein Diener eines irdischen Herrn, kein Sklave menschlicher Schwächen, der ist eine freie, sittliche Persönlichkeit — ein „Elieser". ein ganzer „gottbegnadeter" Mann, wahrhafter „Knecht Gottes." Zeitungsrrachrichterr «uv Correspoudenzeu. Deutschland. Lr. Mainz. Wie weit man in manchen Kreisen schon gekommen ist, zeigt folgender wohl selten vorkommende Fall. In einem Pensionat der hiesigen Stadt, dessen Besitzer Christ ist und welches im christlichen Sinne und Geiste geführt wird, befinden sich auch jüdische Knaben, um daselbst erzogen und gebildet zu werden. Wie eine solche Erziehung mit den Lehren des Zudenthums harmonirt, ist uns unerfindlich; aber auch dem Herrn Instituts- Vorsteher vielleicht auch den betreffenden Eltern scheint das Gewissen keine Ruhe zu lassen, denn seit einiger Zeit schickt der Herr Jnftitutsvorsteher seine jüdischen Pensionäre am Samstag in die Synagoge und am Sonntag in die Religionsschule der israelitischen Gemeinde. Ob sich das Gewissen mit diesem frommen Betrug beschwichtigen läßt, das wissen wir nicht, aber wir stehen entsetzt vor der Frage: Was soll aus Kindern werden, die auf solche Weise erzogen werden. Als Hauptmittel der Erziehung gilt seit ewigen Zeiten Beispiel und Gewöhnung, und die jüdische Erziehung bedarf ganz besonders einer fortwährenden Uebung und Gewöhnung im jüdischen Leben. Wo aber Kinder in christlichem Hanse erzogen, in christlichem Geiste gebildet werden, da ist es mit dem Judenthum zu Ende und weder Synagogenbesuch noch Reltgionsschule können über das Unglück hinweghelfen, in das die Eltern ihre eigenen Kinder stürzen. Es gibt genug jüdische Schulen, jüdische Pensionate (auch in hiesiger Stadt) jüdische Familien, in denen unsere Kinder gut aufgehoben sind und wo sie neben einer tüchtigen profanen Bildung eine gute jüdische erhalten, weßhalb wählen jüdische Eltern christliche Pensionate zur Erziehung ihrer Kinder? Wir beklagen uns über den religiösen Jndifferentismus und über die wachsende Unwissenheit bei der Heranwachsenden Jugend, wir staunen über die krasse Unkenntniß der einsachsten religiösen Gebräuche tu den besser situirten Familien und wundern uns, daß bet einem Sterbefall kein Knabe aus jenen Kreisen mehr ein Kaddisch aus dem Siddur sagen kann, sondern es in lateinischen oder deutschen Buchstaben geschrieben von einem Stück Papier ablesen muß — nun, das sind die Früchte eines solchen Thuns, und zwar die ersten. Andere Früchte folgen diesen rasch; es sind der Abfall von der Religion der Väter und der Uebertritt zu einer anderen Religion. Wer dazu seine Kinder erziehen will, der übertrage ihre Erziehung einem nicht jüdischen Pensionat und trage die Verantwortung vor -"n. Berlin Der Abwehr des Fürsten Bismarck gegen die „Deutsche Revue", welche er durch Hans Blum führen läßt, entnehmen wir einige die Juden betreffenden Bemerkungen. Er sagt: „Hauptsächlich von da an (dem Berliner Kongresse) datirt der Deutschenhaß und die Kriegshetzerei in einem Theile der russischen Presse. Die Feinde des Friedens mit Deutschland sind aber in Rußland iuWahrheit nur die Juden und namentlich die Polen. . . Sie (die Juden) sind für den Krieg, weil es ihnen in Rußland schlecht geht, und sie