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Der Israelit · 1892-11-10 · Heft 89 (10.11.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 89 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Beilage zu M 89 -es „Israelit". Leitender Artikel. Elieser, rin Mann und Diener. Eine kurze Betrachtung zu Gen. 24 von S. Andorn-Frohnhausen. „Wenn Willen gut der Herre hat, Und das dem Knecht zu wissen that, Da sündigt wider Gott der Knecht, Erfüllt des Herrn Gebot er schlecht." (Freidanks Bescheidenheit.) Die Darstellungsweise der Bibel ist eine durchaus epische. Selten fällt sie ein Urtheil und eben so selten verfehlt sie einen Zug anzuführen, der zur Beurtheilung eine Handhabe bieten kann. Das Bild der biblischen Helden und der biblischen Heldinnen müssen wir uns aus ihren Worten und Handlungen, aus der Werthschätzung, die ihnen von ihrer Umgebung entgegengebracht wird, zusammensetzen. Die einzelnen Züge liegen manchmal zerstreut, aber stets sind sie deutlich umschrieben, niemals flüchtig und farblos. Die Aufgabe des Betrachters ist es, sie zum Ganzen zu gestalten, die einzelstehenden Striche zum Bilde zu vereinen. Zuweilen allerdings führt uns die Bibel auch einmal den Charakter einer Persönlichkeit als Ganzes, an einem Anlasse veranschaulicht, vor. Alle Seiten in Eliesers Wesen kommen bei seiner Sendung zur Entfaltung und stellen in ihrer Vereinigung eine wohlthuende Mischung dar von Besonnenheit und Thalkraft, Gemüth und Verstand, Selbstständigkeit und Treue. Ein günstiges Vorurtheil bringen wir Elieser entgegen. Haben wir doch aus Gen. 15 erfahren, daß Abraham ihn zeitweilig als seinen Erben betrachtete. Er mußte also eine ungewöhnliche Persönlichkeit sein. Eine solche nur konnte sich vom niederen Standpunkte des Knechtes, des Heiden, zur sittlichen, rein menschlichen Höhe des^ Patriarchen emporringen, konnte von diesem ausersehen werden, sein viel bedeutsames, viel verzweigtes Erbe anzutreten. Und wiederum wirft es ein bezeichnendes Licht auf Elieser, daß ihm Abraham die Förderung seines höchsten Familieninteresses anvertraut — die Verehelichung seines Sohnes, dessen Geburt zugleich den Tod von Eliesers glänzenden Zukunftsträumen bedeutete. In Abrahams Augen war Elieser also über den Verdacht jeglicher Selbstsucht erhaben. In der That, ein glänzendes Zeugniß für den Mann! Es geschah sicherlich nicht zum ersten Male, daß Abraham seinem Diener einen Beweis großen Vertrauens gegeben. Wir erkennen das aus der Sicherheit, der mannhaften Ruhe, die er sich bei Empfang seiner Sendung bewahrt. Der ehrenvolle Auftrag würde einem Neuling im Vertrauen alle Besonnenheit geraubt, würde ihn veranlaßt haben, sich kopfüber in die Ausführung seiner Aufgabe zu stürzen. Anders Elieser. Er handelt nach dem Grundsätze, je bedeutsamer der Vertrauensposten, desto schwerwiegender die Verantwortlichkeit. Er übersieht alle Seiten seines Auftrages, und erst nachdem er sich über die Tragweite desselben unbedingte Klarheit verschafft, tritt er unverzüglich an die Ausführung. — Am Brunnen treffen wir Elieser wieder und vernehmen seine Bitte: . . . „Das Mädchen, zu dem ich sagen werde, laß' mich trinken, und sie spricht: Trinke und ich will auch deine Kameele tränken, sie hast du für deinen Knecht, für Jsak, bestimmt." Warum Elieser gerade daran die seinem Herrn bestimmte Gattin erkennen wollte? Der kluge Diener hielt es für das erste Ersorderniß seiner künftigen Gebieterin, daß ihr Wesen seiner ganzen Veranlagung nach sich einfügte in den Geist, der in Abrahams Haus waltete. Und das war der Geist der Liebe, der Verständigung, des Entgegenkommens (Gen. 18) den Gliedern der Familie (Gen. 21), wie den Fremden gegenüber (G. 18 u. a. O.) Die sittlichen Vorzüge waren es also weit eher, als Rücksichten deszedentaler Natur, welche dem hochgesinnten Diener bei der Wahl einer Gattin für seinen Herrn beachtenswerth erschienen. Das sagt er auch ausdrücklich, wenn er später Rebekkas Angehörigen sie als „vis wn", als eine Frau, die in Abrahams Haus und also für Abrahams Sohn paßt, bezeichnete. Elieser will nicht allein eine Frau ins HauS bringen, der die Fortpflanzung des Geschlechtes zufällt, er will Jsak vielmehr eine Gattin zuführen, die berufen ist, die Traditionen des abrahamitischen Hauses weiterzuführen. Rebekka hat sich über ihre diesbezügliche Eignung bald ausgewiefen. Nun gilt es, sich darüber Klarheit zu verschaffen, ob sie einer Familie entsprossen ist, die ebenfalls von abrahamitischem Geiste erfüllt ist, die die Ehre einer innigen Verbindung mit dem Patriarchen zu schätzen wissen wird. „Sage mir doch, wessen Tochter du bist, (damit ich wissen kann), ob im Hause deines Vaters Raum für uns zum Uebernachten ist." Der kluge Diener möchte erfahren, welche Aufnahme in Rebekkas Elternhause dem Fremden zu Theil wird, ob darin wohl gleiche Gastfreundlichkeit, gleiche Tugend wie in Abrahams Zelt geübt wird. Dem Diener Abrahams aber

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