Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1892)
- Date
- 1892-11-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ausficht reichte, ein Erfolg undenkbar. Ich galt als der erste lebende, als unbesiegbarer Feldherr, ich konnte im günstigsten Falle meinem Ruhme nichts hinzufügen, ich konnte nur verlieren, ich konnte am Abende meines Lebens, durch einen Mißerfolg, den Glanz meiner Vergangenheit verlöschen; Sire, kein zweiter Mensch auf Erden an meiner Stelle hätte einen so undankbaren Posten übernommen; — aber Sire! es galt Ihre Krone — und ich brachte das höchste Opfer, das ein Mensch zu bringen vermag, ich wagte mein Höchstes, meine Unsterblichkeit! .... Und doch konnten allerhöchst Sie, Sire, den Verleumdungen eines Grafen Nimptsch, mehr Glauben als dem Ehrenworte des Prinzen Eugen von Savoyen schenken!" Der Kaiser hatte, während Eugen sprach, die Schriften aufmerksam durchgelesen. Die Briefe des Grafen Nimptsch und die Falsifikate, welche Tedeschi hatte anfertigen lassen, bewiesen die Absichten der Verschwörer mit klarster Deutlichkeit. Nimptsch, weniger klug als sein Schwager Althan, hatte nicht die Vorsicht gebraucht, seine Mitthetlungen an Tedeschi zu chiffriren oder zu maskiren. Kaiser Karl trat rasch an den Prinzen heran und umarmte ihn heftig*) und sprach: „Verzeihen Sie mir, Prinz, ich bin ja doch nur ein fehlbarer Mensch und Ihre Feinde hatten das beste Mittel gewählt, meine Seele zu vergiften; sie haben mich an meiner verwundbarsten Stelle, bei meiner Vaterliebe gefaßt; ich lebe nur für meine Tochter und der Gedanke, daß man ihr einst die Krone rauben könnte, trübte meinen geistigen Blick. — Sie haben in der That das Recht mir Vorwürfe zn machen!" 1) Historisch. „Euer Majestät", erwiederte Eugen, „ich bin nicht gekommen allerhöchst Ihnen Vorwürfe zu machen. Ich fordere nur Gerechtigkeit, ich verlange Genugthuung. Ich verlange eine strenge Untersuchung uud Bestrafung der Schuldigen, wer sie auch sein mögen. Sollte mir diese Satisfication verweigert werden, so lege ich sofort alle meine Stellen Eurer Majestät zu Füßen und werde Europa zum Richter über die Kränkung, die mir widerfahren, anrufen."»). Graf Althan, welcher dem Zwiegespräche zwischen dem Kaiser und dem Prinzen mit athemloser Spannung folgte, ward todtenbleich, seine Kniee zitterten und als der Prinz geendet, sprach er, sich tief vor dem Kaiser verbeugend. „Euer Majestät, ich vereinige meine allerunterthänigste Bitte mit jener seiner Durchlaucht des Herrn Generallissimus; einerseits, damit alle Schuldigen ermittelt und mit der vollen Strenge des Gesetzes bestraft; — anderseits, damit nicht Unschuldige von der öffentlichen Meinung in ungerechter Weise verdächtigt werden. Ich gestehe es offen, ich stelle die allerunthänigste Bitte auch in meinem eignen Interesse. Graf Nimptsch ist leider der Gatte meiner Schwester und ich kann es zu meinem Bedauern nicht verhindern, daß er als solcher sich an mich drängt. Obwohl ich soviel Selbstachtung besitze, daß ich nicht fürchte, irgend jemand könnte meine Loyalität bezweifeln, könnte mich für einen Bundesgenossen meines Schwagers und seiner Complicen halten, — so könnte denn doch dieses unglückselige, verwandtschaftliche Vcrhältniß bei Fernstehenden, den Schein der Mitschuld auf mich laden. _(Fortsetzung folgt.) 2) Diese Worte sind historisch. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ju beziehen bei G. F. Kteinackrr, Leipzig, Uoßpiah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Lsterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eiugesandten Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalten. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Es wird Tag. Von Rabbiner Dr. Adolf Blumenthal in Ratibor. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Starkenburg. Berlin. Elberfeld. Danzig. —Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: Warschau. — Rumänien. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Elieser, ein Mann und Diener. Eine kurze Betrachtung zu Gen. 24 von S. Andorn in Frohnhausen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Moringen. Bielefeld. — Italien: Ronr. Inhalt der Belletr. Beilage: Bellamy als Erzieher. Eine Geschichte aus der Zeit nach dem deutsch-russischen Kriege. — Todtentanz. Eine Geschichte aus den jüngsten Tagen von C. Andreas. Verantwortliche Redacfion: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraeltt", Schottstraße Nr. 2, Matirz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hier»« zwei Beilagen.