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Der Israelit · 1892-11-10 · Heft 89 (10.11.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 89 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1689 ihnen nicht mehr auf der Straße nach der Stadt begegnen werden. Gehen wir!" Es schlug eben vom Stefansthurm zwei Uhr, als der Oberhoffaktor und Levi — der Kammerdiener hatte sich vor dem Stadtthore von ihnen getrennt — heimkamen. Der Erstere wurde von seinem Sohne Wolf erwartet. Dieser war schon über das lange Ausbleiben des Vaters besorgt gewesen, und sprach: „Ich will Dich heute gar nicht fragen, was Du erfahren, es ist sehr spät, Du mußt sofort zu Bette gehen, Dich von den Mühen des vergangenen Tages zu erholen, Dich für die Arbeit des kommenden zu stärken. Du mußt Deine Gesundheit schonen, bedenk' es, welchen unschätzbaren Werth Dein kostbares Leben für Deine Familie, für die gesammte Judenheit, für Oesterreich besitzt!" „Ich bin zur Kenntniß eines Complottes gelangt", erwiederte Wertheimer, „über das ich Dir morgen Näheres mittheilen werde und gegen welches unverzüglich energische Mittel ergriffen werden müssen. Es sind in dem Complotte höchst gestellte Personen verwickelt; wenn dem Kaiser nicht zweifellose Beweise ihrer Schuld vorgelegt werden, könnte möglicherweise ihren Aussagen nicht weniger Glauben als meinen beigemessen werden. Es muß unverzüglich eine Hausuntersuchung anbefohlen und diese von absolut verläßlichen, unbestechlichen Personen sofort vorgenommen werden. Die ersten Urheber der Conspiration würden auch Millionen nicht scheuen eine Entdeckung zu verhindern. Ich muß sofort zum Prinzen Eugen!" Dreizehntes Kapitel. Am folgenden Tage gab's für die Wiener Bevölkerung ein großes Schauspiel. Prinz Eugen, in seinem äußeren Auftreten in der Regel ein Muster bescheidener Anspruchslosigkeit, der gewöhnlich in einem einfachen Wagen und nur zweispännig fuhr, hatte diesmal zu seiner Fahrt in die Hofburg seine reich mit Gold ausgelegte Prachtkaroffe benützt, an welcher sechs ganz gleiche isabellenfarbige, herrliche, prachtvoll geschirrte Rosse angespannt waren. Vor dem Wagen liefen vier Haiducken in glänzender Livree, in den Farben des Hauses Savoyen. Neben dem Kutscher auf dem Bocke saß der Leibjäger des Prinzen, auf dem Trittbrett standen zwei Mohren in rothsammten Wämsern und blauseidenen Pluderhosen. Der Prinz fuhr an dem schönen Sommerlage in offenem Wagen. Er trug die große Feldmarschallsuniform und seine Brust war von den höchsten Orden übersäet. — Der Prinz, der offenbar durch seine prunkende Auffahrt die Aufmerksamkeit der Residenz auf sich ziehen wollte, hatte seinen Zweck vollkommen erreicht. Das schaulustige Volk, dessen Liebling der siegreichste Feldherr Oesterreichs war, drängte sich in den Straßen, durch welche er fuhr, machte Spalier und acclamirte ihn stürmisch. — Als der Prinzdas Arbeitskabinet des Monarchen betrat, fand er den Oberhofstallmeister Grafen Althan bei diesem. Der Kaiser erhob sich von seinem Sitze, ging dem Prinzen zwei Schritte entgegen und sprach: „Wir haben schon lange des Vergnügens, Sie zu sehen, entbehrt." „Euer Majestät", begann der Prinz, „ich gestatte mir allerunterthänigst, diese Schriften zu allergnädigster Ansicht zu unterbreiten" und so sprechend überreichte er dem Kaiser ein Packet Briefe. „Dieselben sind von der Behörde, welche über meinen Auftrag, bet dem dermalen in Wien wohnenden Abbate, Giovanni Prosper Tedeschi eine Hausuntersuchung gepflogen, in einem Koffer mit doppeltem Boden gefunden worden. Aus diesen Schriften geht in unzweifelhafter Weise hervor, daß der Abbate und der Reichsrath und Kämmerer Graf Johann Friedrich von Nimptsch, wohl auch im Einverständnisse und im Aufträge noch anderer in- und außerhalb Oesterreichs befindlicher Personen, beabsichtigten, mich durch Fälschungen in allerhöchst Dero Augen als einen Hochverräter darzustellen. Zu meinem tiefsten Schmerze, geht aus den Briefen des Grafen Nimptsch an seinen Complicen, hervor, daß es ihnen in der That gelungen, das Vertrauen Eurer Majestät in mich zu erschüttern, so daß allerhöchst dieselben, — trotzdem ich allerhöchst Ihnen, Sire, mit meinem Worte als Fürst und Feldherr versicherte, daß mir nichts ferner als diese Absicht läge — doch glauben konnten, ich eonspirire mit dem sächsischen Hofe, um mit dessen Hilfe, die von allerhöchst Ihnen bestimmte Erbfolge umzustoßen! .... Sire, ich habe solches Mißtrauen nicht verdient. Ich habe allerhöchst Ihren Vorgängern und allerhöchst Ihnen weit mehr als ein Drittel Jahrhundert, mit dem vollen Aufgebote meiner Kräfte gedient. . . . Sire, als Sie mich letzthin aufriesen, zum Schutze meines selbstgewählten Vaterlandes, für allerhöchst Sie, meinem selbstgewählten Herrn und Kaiser, von Neuem das Schwert zu ziehen, als allerhöchst Sie mich an der Spitze eines an Zahl geringen und undisciplinirten, schlecht armirten Heeres, das Monate lang keinen Sold erhalten, an der Spitze hungernder, zerlumpter unzufriedener Soldaten, gegen eine von einem Feldherrn ersten Ranges geführte, uns an Zahl fünffach, an Truppenmatertal und Armatur endlos überlegene, reichlich verpflegte Armee sandten, gegen eine Armee, in welcher jeder einzelne Mann von Glaubenseifer und Gottvertrauen beseelt, freudig, kampfesmuthig, todesverachtend, vor wilder Lust aufjauchzend der nächsten Schlacht entgegenlechzt; — da schien, so weit menschliche

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