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Der Israelit · 1892-11-10 · Heft 89 (10.11.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 89 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1688 Kindern eröffnet wird, soll der Erziehung und Pflege armer, verwaister Mädchen sich widmen- Mögen die Freunde und Gönner dieses ersten isr. Reichswaisenhauses so zahlreich sein, wie die Armen und Waisen, zu deren Heil und Segen dasselbe begründet worden. Kitzingen. Eine angesehene Familie und mit ihr die hiesige Gemeinde und das orthodoxe Judenthum hat einen lies schmerzlichen Verlust erlitten. Am 1. November schied nämlich im Alter von 70 Jahren und 10 Monaten Herr Kaufmann Hirsch Stern, früher langjähriger Cultusvorstand in dem nahen Mainstockheim und später hier, aus dem Leben. Die äußerst zahlreiche Betheiligung aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung bei dem Leichenbegängnisse bewies, daß der Verlebte, der seit Jahren auch das Amt eines Gemeindebevollmächtigten in hiesiger Stadt bekleidete, in hohem Ansehen stand. .In der Leichenrede betonte Herr Distrikts- Rabbiner Adler, daß der Verstorbene bei liebevollstem Wesen gegen jeden Menschen, ohne Unterschied des Bekenntniffes, treu am Judenthume hing und die Vorschriften desselben auf's Strengste befolgte, und hob von den vielen Tugenden, die ihn zierten, die Redlichkeit, Wohlthätigkeit und Bescheidenheit hervor. Der 310 OE', der gute Ruf, den der theuere Verblichene in ganz seltener Weise hinterlassen hat, wird Manchen zur Nacheiferung anspornen, so daß er noch nach seinem Tode Gutes stiften und sein Andenken zum Segen gereichen wird, n'o's'j'n. Wien. Das neue Herrenhausmitglied, Julius R. v. Gomperz, Guts- und Fabriksbesitzer, ist am 21. November 1824 in Brünn geboren, wo er als Gesellschafter der Firma „Auspitz' Enkel" eine große Feintuchfabrik leitet. Gleich nach Schaffung der Handelskammern in Oesterreich wurde Gomperz. im Jahre 1859 von der Brünner Handelskammer zu deren neuem Präsidenten gewählt, welches Ehrenamt er nun seit drei- und dreißig Jahren in ununterbrochener Folge bekleidet. Seine Mitbürger wählten ihn auch lange Reihe von Jahren in die Gemeindevertretung der Hauptstadt Mährens und zum Mitglieds des Landesschulrathes. Er ist Vorsteher der israelitischen Culutsgemeinde in Brunn und Curator des mährisch-jüdischen Landesmaffefonds. Die Brünner Handelskammer entsendet seit Beginn der parlamentarischen Aera ihn, ihren Präsidenten, in den mährischen Landtag und seitdem Jahre 1871 in das Abgeordnetenhaus. In allen diesen autonomen und legislativen Körperschaften hielt Gomperz stets treu zur Fahne des Liberalismus und des Deutschthums. Seine reiche Erfahrung auf wirthschaftlichem Gebiete befähigte ihn, in allen ökonomischen Fragen ein entscheidendes Wort in der Volksvertretung mitzusprechen, und er bethätigte sein reiches Wissen als Mitglied des Staats- Eisenbahnrathes und als Berather und Förderer zahlreicher humanitärer und gemeinnütziger Vereinigungen. Das von ihm geleitete große Fabriks-Institut zeichnet sich durch zahlreiche moderne Institutionen zum Wohle der Arbeiter aus und erfreute sich erst vor Kurzem des Besuches und der Anerkennung des Monarchen. R. v. Gomperz wurde am 10. Februar 1863 mit dem Ritterkreuze des Franz-Joseph- Ordens, am 17. April 1872 mit dem Orden der Eisernen Krone dritter Classe ausgezeichnet und ist Ofstcier der französischen Ehrenlegion. Prag, 18. Oktober. Der kürzlich verstorbene Prof. Dr. Jakob Sichel hat 80,000 Gulden für wohlthätige Zwecke hinterlaffen. Herr Bezirksrabbiner Sußmann Sofer in Paksch theilt uns mit, daß er noch nie mit seinen Werken weder in eigner Person noch durch Andere Colportage getrieben oder Reclame gemacht habe, daß daher das Individuum, das sich für den Pakscher Rabbiner ausgiebt und deffen Werke zum Kaufe anpreist, ein Schwindler ist. Oedenburg, 3. November. Erzherzog Franz Ferdinand d'Este, Sohn des Erzherzogs Karl Ludwig und präsumtiver österreichischer Thronerbe, lag schon seit längerer Zeit hier in Garnison mit seinem Regimente und wohnte im Hause des jüdischen Kaufmannes Ignaz Steiner. Da nun der Erzherzog im Dezember eine Reise um die Welt antrttt, so wurde er von seinem hohen Onkel, Kaiser Franz Josef, von hier abberufen und zugleich zum Generalmajor befördert. Vor seiner Abreise von hier ließ der Erzherzog Herrn Steiner zu sich bescheiden, dankte ihm für die ihm während seines hiesigen Aufenthaltes geschenkte Aufmerksamkeit und verabschiedete sich in herzlichster Weise von ihm. Auf Bitten des Herrn Steiner gestattete der Erzherzog ihm auch, in seinem Hause eine Gedenktafel anzubringen. Dem Kaufmann Herrn Adolf Schlesinger in Düsseldorf ist das Exequatur als Konsul der Republik Salvador ertheilt worden. In einer Generalversammlung der Troppauer israel. Kultusgemeinde wurde der Bau einer vierklassigen Volksschule beschlossen. Herr S. M. Hornstein, Ober-Sergeant im ersten Regiment der französischen Fremdenlegion, hat für Tapferkeit im Kriege gegen Dahomey eine besondere Auszeichnung erhalten. Feuilleton. „Fjirsteugunsi." Erzählung von S. Koh«, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (27. Fortsetzung.) Wertheimer hatte die wichtigen, überraschenden Enthüllungen mit bewundernswerter Ruhe vollkommen lautlos angehört, nicht der leiseste Ausruf der Verwunderung oder der Entrüstung entfuhr seinen Lippen. Erst nachdem die beiden Verschworenen das Haus verlassen hatten, sprach er zu Levt und dem Kammerdiener: „Ich bin Ihnen zu großem Danke verpflichtet. Sie haben nicht nur mir, Sie haben auch dem deutschen Kaiser, dem Prinzen Eugen von Savoyen, Sie haben Oesterreich, dem deutschen Reiche, dem Rechte, der Wahrheit einen Dienst von völlig unschätzbarem Werthe geleistet. Sie werden sich, so's Gott beliebt, überzeugen, daß Sie sich nicht Undankbaren verpflichtet haben. Wir haben jetzt keinen Augenblick zu verlieren. Es müssen sofort die nöthigen Maßregeln ergriffen werden, die boshaften, niederträchtigen Verleumder zu entlarven. Ich glaube Rimptsch und der Abbate haben schon einen so bedeutenden Vorsprung vor uns, daß wir

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