Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1892)
- Date
- 1892-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1687 Danzig, 4. November. (Eine Frau über den Antisemitismus.) Frau Amtsrath Rose Stolle hat in dieser Frage das Wort genommen. In einer bet Hans Mamroth in Berlin erschienenen Broschüre: „Der Antisemitismus im Lichte des gläubigen Christenthums" beleuchtet sie denselben als strenggläubige Christin, „die mit jeder Faser ihres Lebens auf dem christlich-dogmatischen Standpunkt steht." Sie findet „in dem lieblosen Gebahren der Judenfeinde eine große, schwere Sünde." „Man züchtet Haß und Rache und all die bösen Geister, die sie im Gefolge haben." Der Verfasserin ist es sehr glücklich gelungen, die landläufigen Ansichten und Aussprüche der Antisemiten, wie sie tu allen judophoben Schriften zu lesen, Punkt für Punkt zu widerlegen, „trotzdem sie — wie sie sagt — nur eine Frau ist mit kleinem Gehirn und mangelnder Logik". Auch sie kommt zu dem Schluß, „daß die Antisemiten nur den Socialdemokraten in die Hände arbeiten." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 7. Nov. Abgeordneter Süß erklärte in einer heute abgehaltenen Wählerversammlung: „Ich bin vielfach aufgefordert worden, die zu mir geäußerten Kaiserworte gegen gewisse Umtriebe klarzustellen. Nun, solche Worte sind wohl nicht zu Erörterungen geeignet, sie waren außerdem so klar und bestimmt, daß nur bei geschwundenem letzten Rest des Urtheils der mindeste Zweifel möglich ist. (Das „Volksblatt" insinuirte dem Kaiserworte eine entgegengesetzte Bedeutung.) Rußland. Warschau, 3. November. Die Cholera hört allmählich auf, allein die Folgen der Seuche dürften sich noch lange fühlbar machen. Das amtliche Warschauer Blatt, der „Dnjewnik Warschawsky", welcher jüngst ein so merkwürdiges Beispiel von offiziellem Antisemitismus gab, hat jetzt, wie wir berichteten, seine Darstellung der Vorgänge in Ostrowo dementirt. Die ganze Darstellung war von Anfang bis zu Ende erfunden. Es gereicht der neuen Redaktion des „Dnejewnik Warschawski" zum Lobe, daß sie der Wahrheit die Ehre gegeben hat, allein das Unheil, welches der Artikel, den alle Blätter aus der amtlichen Quelle wiederholt haben, angerichtet hat, läßt sich schwer wieder gut machen. Bezeichnend aber ist es, daß, nachdem amtlich festgestellt worden ist, daß die Juden nichts Ungesetzliches gethan haben, vielmehr die Angegriffenen gewesen sind, die fünf verhafteten „Anstifter" noch immer im Gefängniß sitzen und daß zwei wettere Juden, der Gemeindevorsteher und der Rabbi, durch den Generalgouverneur auf administrativem Wege zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt worden sind! Der Mann aber, welcher dem amtlichen Blatte die falsche, aufreizende Correspondenz zuschickte, ein russischer Friedensrichter in Ostrowo, geht frei umher und wird gar nicht vor Gericht gestellt. Rumänien. Die Londoner „Gesellschaft zur Unterstützung verfolgter Juden" hat der „Times" zufolge aus zuverlässiger Quelle nachstehendes Telegramm aus Jassy, 3. November, erhalten: „Juden unter grausamer Verfolgung; viele erzwungene Ausweisungen täglich. Habe offizielle Anordnungen zu massenhaften Ausweisungen am nächsten Sonntag gesehen; es werden dadurch 500 Familien betroffen. Die Bitte der Juden an den Premierminister um Erlaubniß, den Winter über zu bleiben, abgelehnt." Näheres über diese Verfolgungen wird man wohl erst auf brieflichem Wege erfahren. Vermischtes. *=t Berlin, 5. November. Wie im Vorjahre hat die israelitische Volksküche, Klofterstraße 99, auch bei Beginn der diesjährigen kälteren Jahreszeit zur Unterftützung Nothleidender ohne Unterschied der Confession weitgehende Einrichtungen getroffen. Den Armen-Commissions-Vorstehern der angrenzenden Bezirke sind Speisemarken zur Vertheilung an Arme übergeben, und dem Asyl für obdachlose Frauen werden jeden Sonntag sechsztg Stück Mittagsmarken zugesandt. Einer großen Anzahl von Schulkindern wird, ebenso bedürftigen Studenten nnd stellenlosen Kaufleuten Mittagbrod gewährt, so daß die Zahl der umsonst gespeisten Personen sich täglich auf circa 200 beläuft. Etwa achthundert Personen kaufen sich täglich für zehn oder fünfzehn Pfennig ihr Mittagessen. Der Preis für Kaffee und Thee mit Zucker wurde seit der drohenden Choleragefahr von fünf auf drei Pfennig herabgesetzt. Berlin. Am 22. Oktober feierte Herr Kommerzienrath Salomon Lachmann seinen 70. Geburtstag. Die Elite der Berliner Gesellschaft wetteiferte in der freudigen Antheilnahme an dieser seltenen Jubelfeier. Der Rabbiner in der von ihm erbauten Synagoge, Herr Dr. Salomon Cohn, feierte die Verdienste des Jubilars in einer zündenden Ansprache. Es erschienen Deputationen von zahllosen jüdischen und christlichen Vereinen und Institutionen, um die Herr L. sich verdient gemacht hatte. Einer Anzahl von Wohlthätigkeitsanstalten und Stiftungen hat der edle Menschenfreund zur Feier des Tages Spenden in einerGesammthöhe von über 100000 Mk. zugewendet. Diez a. d. Lahn. Herr S. Lomnitz, der Begründer der D. I. Kinderheims, hat hier eine neue Anstalt, das Deutsch-Jsr. ReichswaisenhauS ins Leben gerufen. Diese Anstalt, welche bereits im April k. I. mit 20—25