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Der Israelit · 1892-11-10 · Heft 89 (10.11.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 89 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1684 Zugleich eine Antwort auf die Herausforderung des „Osservatore Cattoltco". *) Professor Strack ist der von der Hetzgilde bestgehaßte christliche Gelehrte Deutschlands, und das ist sein Ruhm. Es mag ja bequemer sein, am wärmenden Ofen der Arbeitsstube oder vom Katheder des Lehrsaales herab in allgemeinen Phrasen Menschenliebe zu predigen, Herr Strack zieht es vor, offen gegen die Lüge zu kämpfen und im Lärm des Tages muthvoll mit dem Vollgewicht seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung die angefeindete Wahrheit zu vertreten. Daß die Hetzpresse schreibt, er sei von den Juden bestochen worden, darf nicht Wunder nehmen, denn wie sollten Leute, die für 20 Reichspfennige pro Zeile Haß säen, wissen, daß man der Wahrheit um ihrer selbst willen dienen könne! „Man hat es gewagt," so schreibt Strack in der Einleitung seiner Schrift, „mich als Gelehrten, als Menschen und als Christen in schamloser Weise zu verleumden." Nicht genug, daß sie logen, Prof. Strack kenne kaum die Elemente der hebräischen Grammatik und er wisse vom Talmud nur, was die Rabbiner ihm eingeblasen haben; sie erdreisteten sich sogar zu behaupten, „daß ich für meine Aussage von jüdischer Seite Geld empfange.Wenn ich durch Vater oder Mutter von Abraham abstammte, würde ich darob zuerröthen nicht nöthig haben. Doch will ich, da man auch von dieser Seite aus mich verdächtigen zu dürfen wähnt, hier feststellen, daß alle meine Vorfahren rein christlich germanischer Abstammung, die Männer meist Geistliche, oder Lehrer gewesen sind." Diese Angriffe sind uni so köstlicher, als bekanntlich alle Fachgelehrten wissen, daß Strack einer der ersten christlichen Gelehrten Europas auf dem Gebiete der hebr. Sprachlehre ist. Die vorliegende Schrift findet indeß ihre besondere Bedeutung durch das vernichtende Material, welches Strack gegen die „Ritualmorde" des „Osservatore Eatolico" und gegen den meineidslüsternen Professor Rohling in Prag herbeibringt. Strack ist unseres Wissens die e r st e christliche Autorität, welche das Wort ausspricht, das wir auf Seite 96 der Schrift finden: „Oessentlich klage ich hierdurch den k. k. österreichischen Professor und Kanonikus August Rohling des Meineides und grober Fälschungen an." Also schreibt nicht etwa ein „Judenblatt" oder ein „Judengenosse", sondern der rechtgläubige Protestant, der illustre Universitätsprosessor, das *) München 1892, Verlag von OSkar Beck. 155 Seiten. Preis 2 Mark. Ehrenmitglied des antisemitischen Studentenveretns, der Mann rein „christlich-germanischer" Abstammung, dessen Väter zumeist Geistliche und Lehrer gewesen sind! Mit der Gründlichkeit des Anatomen legt Strack die „schimpfliche Unwissenheit" Rohlings blos, unwiderleglich weist er nach, wie der Günstling des Kardinals Schönborn seine ganze Weisheit aus Eisenmenger abgeschrteben, wie der Ueberläufer Brimann feine Hauptquelle ist, wie der frischgebackene Kanonikus ein wissenschaftliches Null bedeutet. „Nur mit Widerwillen" — schreibt Strack — „beschäftige ich mich mit dieser Persönlichkeit, welche in der wissenschaftlichen Welt seit langen Jahren nur mit Verachtung genannt wird, und deren Verhalten in erster Linie vom Strafrichter, theilweise vielleicht auch — das füge ich hinzu, indem ich nach mildernden Umständen suche — vom Irrenarzt zu untersuchen wäre." Strack richtete an den österreichischen Unterrichtsminister von Gautsch das Verlangen, die Behauptungen Rohlings wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Das Schreiben an den Minister, welches „Zeugniß ablegen will gegen Unwahrhaftigkeit und Gehässigkeit, welche fortdauernd in gemeingefährlicher Weise wirkt", schließt mit den Worten: „Ew. Ercellenz wolle eine eingehende Prüfung durch eine Untersuchungskommission, in der ja die verschiedenen Ansichten vertreten sein könnten, veranlassen, oder, wenn Ew. Excellenz von der Falschheit der Aussagen Rohlings schon jetzt überzeugt ist, weitere wahrheitswidrige und den öffentlichen Frieden störende Kundgebungen dieses Mannes in w irksamer W eise zu verhindern." Herr von Gautsch hat weder auf dieses noch auf ein zweites Schreiben Stracks vom 4. August bis 'heute etwas geantwortet. Die Sache ist klar. Rohlings Gönner ist Kardinal Schönborn in Prag und der Bruder des Kardinals ist der österreichische Justizminister. Rohling war ja für jeden gesitteten Menschen längst erledigt, begierig sind wir indeß, ob Herr v. Gautsch den Vorwurf des Meineides auf einem öfterr. Universitätsprofessor sitzen lassen wird. Hoffen wir, daß der Minister den Rohling zwingen wird, die Anklage gegen Herrn Professor Strack zu erheben. Und mit einem Rohling muß sich ein Strack herumschagen! — nicht wahr, so ungefähr sagte Friedrich der Große. Das 18. Kapitel widerlegt die Angriffe des „Osserv atore Cattoli co", der sich bekanntlich feige zurückzog, als Strack sich die ausgesetzten 10,000 Mark verdienen wollte. Natürlich zerfließen die „Ritualmorde" des Osservatore in eitel Dunst. Der Osservatore hat alles abgeschrieben und gleichzeitig auch alle Druckfehler seiner

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