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Der Israelit · 1892-11-07 · Heft 88 (7.11.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 88 (7.11.1892)
Date
1892-11-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1673 Vorwurf daraus gemacht, noch weniger er dieser Handlung wegen bei irgend einem Gerichtshöfe der Welt angeklagt werden. Als die geeignetste Persönlichkeit hierfür erschien mir Feldmarschall Graf Flemming, der Günstling August des Starken, welcher derzeit eine dominirende Stellung am Dresdner Hofe einnimmt, als rechte Hand des Königs gilt." „Das war eine sehr glückliche Idee", mußte Gras Nimptsch einräumen. „Ich verschrieb mir zu diesem Behuse einen Menschen, der nicht nur zu derartigen Jntriguen das gewandteste Subject ist, sondern im Nachahmcn von Handschriften eine so vollendete Meisterschaft besitzt, daß ich selbst, als er zur Probe seiner Kunstfertigkeit meine eigene Hanschrift nachahmte und mir dann beide Blätter zum Vergleiche vorlegte, auch bei der genauesten Prüfung die Copie nicht von dem Originale zu unterscheiden vermochte. — Ich ließ drei Briefe anfertigen, die so fein stilisirt sind, daß sie nicht gerade offen etwas Hochverrätherisches enthalten, aber aus denen der Kaiser, bei gehöriger Anleitung und Anweisung Alles das herauslesen wird können, waS wir wünschen. Er wird an der Echtheit der Briefe um so weniger zweifeln, als es bekannt ist, daß Flemming mit dem Prinzen in Briefwechsel steht." „Magnifique!" rief Nimptsch — „aber," fügte er nach kurzer Pause hinzu, „wenn der Kaiser frägt, in welcher Weise diese Briefe in meine Hände gelangten, was kann ich Glaubwürdiges darauf antworten?" „Der Marquis St. Thomas, der mit dem Kaiser oft verkehrt, ein sehr kluger Mann und ein großer Menschenkenner ist, behauptet, daß er diese Frage nicht stellen wird. Karl ist ein edler Mensch, es würde seinen Stolz verletzen, wenn er einem Verräther irgend etwas, und sei es auch die Enthüllung eines staatsgefährlichen Geheimnisses danken sollte. Es würde seinen Hochsinn verletzen, wenn er den Verräther für feinen Vertrauensbruch belohnen sollte, das wird er Ihnen, Herr Graf, überlassen; — allein kein Mensch kann die Gedanken und oft zufälligen Stimmungen eines Andern verrathen und ich will Sie für alle Fälle instruiren. Wenn der Kaiser diese Frage an Sie richtet, so antworten Sie ohne eine Sekunde zu zögern, resolut: Majestät, wenn Allerhöchstdieselben es zu befehlen geruhen werden, werde ich antworten, aber ich würde es mir als allerhöchste Huld erbitten, mich allergnädigst von einer Antwort zu dispensiren. Der Bote des Feldmarschalls, von dem ich mit den größten Opfern diese Schriftstücke erhielt, konnte hierzu nur sehr schwer überredet werden. Wenn er verrathen würde, hätte er die Rache des sächsischen Ministers zu fürchten und selbst allerhöchst Dero Macht könnte ihn nicht vor diesem schützen. Ich habe ihm mit meinem Ehrenworte versprechen müssen, seinen Namen nur im alleräußersten Falle zu nennen; — ich glaube, der Kaiser wird Sie von jeder Antwort dispensiren." „Möglich, ja sogar wahrscheinlich", mußte der Graf einräumen; „aber ich will für alle Fälle vorgesehen sein, wenn der Kaiser doch darauf besteht, den Namen zu erfahren . . . ." „Dann nennen Sie unbedenklich den Namen Johann Michael Klement und fügen Sie sogleich hinzu, er wurde von Ihnen reichlich mit Reisegeld versehen und habe aus Furcht vor Flemmings Rache Deutschland verlassen. Sollte sich dann der Kaiser bei unserem Gesandten in Dresden erkundigen, so wird man ihm der Wahrheit gemäß berichten, daß Klement sich oft in der Nähe des Feldmarschalls befunden, dessen Vertrauen beseffen und vor Kurzem aus Dreden spurlos verschwunden sei. Das Alles wird vollkommen mit den von Ihnen behaupteten Thatsachen übereinftimmen." Es entstand eine Pause im Gespräche, endlich ergriff Nimptsch wieder das Wort: „Herr Abbate, ich sehe mich verpflichtet, Ihnen für die harten Worte, die mir im Beginne unserer heutigen Unterredung entschlüpften, recht herzlich Abbitte zu leisten. Sie müssen mich entschuldigen. Ich befinde mich fortwährend in fieberhafter Aufregung. Ich kann mich nicht des dumpfen Gefühles der bangen Ahnung erwehren, unser Plan würde in der letzten Stunde durch einen tückischen Zufall verrathen werden. Ich kann, so lange nicht unsere Action bis zu Ende ausgeführt ist, keine Nacht ruhig schlafen . . ." „Das kommt von schwachen Nerven, Herr Graf," meinte der Abbate. „Sie haben gesagt, daß noch etwas an den Falsifikaten fehle, um ihnen volle Wirksamkeit zu verleihen; Sie werden meine Neugierde begreifen — um was handelt es sich noch?" „Ich habe es schon erwähnt, ich habe Klement hierher nach Wien berufen und er befand sich unter fremden, italienisch klingenden Namen als ein durchreisender, an mich empfohlener Landsmann einige Tage in meinem Hause, wo er unter meiner Anleitung die Falsifikate fabrizirte. Der schlaue, umsichtige, nichts übersehende Mann, machte mich darauf aufmerksam, daß jeder Zweifel an die Echtheit der Briefe behoben würde, wenn dieselben mit dem bekannten, eigenthümlichen Siegel Flemming's geschlossen wären. Dasselbe ist ein ungewöhnliches und hier in den höchsten Kreisen nicht unbekannt. Flemming hat ja auch mit Starhemberg und Siegendorf correspondirt, ja er hat in seiner Ueber-

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