Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1892)
- Date
- 1892-11-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448300--35148-2483119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1672 folge aufzuweisen. Die Vereinigten Staaten bieten den russischen Juden ein sehr großes Feld der Zukunft dar. England. London, 30. Okt. lieber die jüdische Kolonie zu Woodbine in New Jersey (Amerika), eine jener Niederlassungen für die verfolgten russischen Juden, welche aus dem Unterstützungsfonds des Baron Hirsch errichtet worden sind, berichtet man der „Daily News", daß dieser Platz jetzt ein Städtchen mit behaglichen Häusern, umgeben von gutbebauten Farmen, geworden ist, statt der früheren öden Haide. Von den für die Kolonien um 39,000 Dollars erstandenen 2000 Hektaren sind ein Theil bereits in 62 Farmen von je 12 Hektaren parzellirt und in Besitz genommen worden- Jede Familie erhält ein Wohnhaus, Scheune, Ackergeräthe, Aussaatkorn, eine Kuh und 25 Hühner. Der Preis, welcher das Reisegeld von Rußland mit einschließt, ist 1200 Dollars, welche innerhalb zehn Jahren in Raten zu zahlen sind. London, 2. Nov. Unter den mittellosen Juden in London herrscht große Noth. Die Arbeitslosen unter ihnen hielten letzter Tage ein Meeting und es wurde beschlossen, drei Tage lang ohne Schuhe durch die Straßen von London zu wandern. Der Winter hat noch nicht begonnen, aber die Wohlthätigkeitsanstalten wissen, was bevorsteht und rüsten sich, das furchtbare Elend, so weit es in ihren Kräften steht — und in dieser Beziehung gibt es in London keinen Unterschied des Glaubens und der Race — zu mildern. London. Der Lord Kanzler Lord Herschell hielt an den jüngst gewählten Lord Mayor von London, Alderman Stuart Knill, einen Katholiken, eine Begrüßungsrede, die mit den beherzigungswerthen Worten schloß: Nachdem ich all der Verdienste gedacht habe, welchen es zuzuschreiben ist, daß Sie sich in so reichem Matze das Vertrauen Ihrer Mitbürger erworben haben, könnte ich süglich schließen; allein es wäre ein Versteckenspielen, wenn ich nicht des Umstandes gedenken sollte, daß Ihre Wahl in manchen Kreisen auf Widerstand, ja auf Feindseligkeit gestoßen ist. Dieser Widerstand entsprang aber weder der Befürchtung, daß Sie Ihrer Aufgabe nicht gerecht werden könnten, noch findet er in Ihrem bisherigen Wirken die geringste Begründung; derselbe ist lediglich in Ihrer Confession zu suchen. Vor nicht zu langer Zeit wäre es Ihnen nicht möglich gewesen, ohne Erschütterung Ihrer religiösen Ueberzeugung zu Ihrer jetzigen Würde zu gelangen. Glücklicherweise ist der Kamps um die bürgerliche und religiöse Freiheit siegreich beendet, und heute ist es ein all gemein anerkannter Grundsatz, daß der Glaube des Menschen kein Hinderniß bilden kann, um aller Rechte und Ehren theilhaftig zu werden, welche jedem Bürger dieses Landes erreichbar sein müssen. Man kann es nicht scharf genug betonen, daß keinem Menschen und keiner Gruppe von Menschen ihrer Religion wegen die sociale Stellung, die man ihnen sonst einräumen würd e, vorenthalten werden darf, und ich bin von der Ansichtdurchdrungen, daßmitdieserErkenntniß die Bedrückung und Verfolgung, welche in früheren, trübenZeiten stattfanden, vollkommen unmöglich geworden sind. vermischtes. -4- Stargar-, im Oktober. Es hat sich hier eine wohlthätige Familie gefunden, die zum Andenken ihres verstorbenen Oberhauptes eine größere Summe zu dem Zweck gespendet, daß von den Zinsen später zur Verherrlichung des Gottesdienstes eine — Orgel in der Synagoge aufgestellt werde. Spender wollen auch aus eigenen Mitteln ein Harmonium schon jetzt aufstellen lassen. Der Vorstand hat, trotzdem einige Repräsentanten für die Annahme gestimmt haben, das Legat zu diesem Zwecke abgelehnt, weil hier bisher der Gottesdienst streng nach altem Ritus abgehalten wurde, und soll darin keine Aenderung getroffen werden. F e n i II e t o u. „Fürstengunst" Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (26. Fortsetzung.) „Sie können überzeugt sein," ließ sich Nimptsch vernehmen, „daß mir dies zur höchsten Befriedigung gereichen wird, aber Sie würden mich verbinden, wenn Sie sich gefälligst deutlicher ausdrücken wollten." „Ich will Ihnen den leitenden Gedanken, den ich hierbei verfolgte, ausetnandersetzen und Sie werden hiernach gefälligst Ihr Verhalten dem Kaiser gegenüber einrichten. Es erschien mir nicht zweckmäßig, die Handschrift des Prinzen nachahmen und dessen vermeintliche Briefe hochverrätherischen Inhaltes dem Kaiser vorlegen zu lassen. Er hätte sie dem Prinzen vorgewiesen und dieser hätte sie ganz einfach als Fälschungen erklärt. Es erschien mir nicht nur gefahrloser, sondern auch weit zweckentsprechender, Falsifikate von Briefen einer fremden hochstehenden Persönlichkeit anfertigen zu lassen, welche an den Prinzen gerichtet sind und in welchen jene, angeblich von Eugen empfangene Schreiben beantwortet werden. Eine solche Persönlichkeit konnte, der Natur der Sache nach, vom Kaiser nicht zur Verantwortung gezogen werden, denn wenn ein fremder Diplomat, im Aufträge seines Monarchen mit einem österreichischen Minister zu Gunsten seiner eigenen Regierung conspirtrt, könnte jenem kein