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Der Israelit · 1892-11-07 · Heft 88 (7.11.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 88 (7.11.1892)
Date
1892-11-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1671 Ostrowo im Gouvernement Sedlez erzählte. Der Warschauer Correspondent der „Fr. Ztg." bezeichnete später die ganze Darstellung des amtlichen Blattes als einen Versuch, die Christen gegen die Juden aufzuhetzen, und nun muß der „WarschawskiDnjewnik" selbst seine Nachricht dementiren. Das Blatt schreibt nämlich: „Es hat sich durch die an Ort und Stelle angestellte administrative und gerichtliche Untersuchung herausgestellt, daß keine Unruhen durch Ueberfall eines Theiles der Bevölkerung aus den anderen stattgefunden haben. Es fand allerdings eine Schlägerei am gedachten Tage statt, welche dadurch entstand, daß hierzu nicht berechtigte Wächter die Beerdigungsprozession mit der Leiche des verstorbenen Schülers Frochtmann anzuhalten versuchten. Die Schlägerei währte etwa eine Stunde. Eine Absicht der Hebräer, die Ansteckung der Cholera unter den Christen zu bewirken, ist nicht konstotirt worden. Ein Gleiches gilt von der Verunreinigung der Brunnen Zwecks Verbreitung der Epidemie unter den Christen. Auch die Nachricht von der Veranstaltung eines Fackelzuges mit Musikbegleitung hat sich nicht bewahrheitet. Zu Anfang der Cholera- Epidemie hat sich allerdings unter den Hebräern eine gewisse Bewegung, gepaart mit Trunkenheit, bemerkbar gemacht, jedoch nur zu dem Zwecke, um sich Muth gegen die Cholera einzuflößen." In Rußland scheint man das Vorgehen des amtlichen Warschauer Blattes nicht sehr auffällig zu finden. St. Petersburg, 28. Oktober. Die Verfolgung der Andersgläubigen in Rußland ist zur Zeit stärker als je. Katholiken, Protestanten, Juden und Sectirer werden mit allen Mitteln geknechtet und drangsalirt. Freiheit der Religionsübung genießen außer den Orthodoxen nach alter russischer Ueberlieferung nur die — Mohamedaner und Heiden. Zwar haben die Mohamedaner sich auch durch einen neuerlich ergangenen Mas beschwert gefühlt, daß in jeder Moschee das Bildntß des Samoderschez (Selbstherrschers) anfzuhängen sei, indessen werden sie aus Gründen der Staatsraison sonst nicht gemaßregelt. Rußlands Vordringen in Asien würde durch eine religiöse Bedrückung der Mohamedaner auf's äußerste erschwert werden, z. B. würden die Afghanen bis auf den letzten Mann gegen Rußland fechten und auf die Seite Englands treten. Im vorigen Jahre wurden von den „fremden" Religionsgenossenschaften in Rußland die Juden am stärksten verfolgt. Seitdem Rothschild, Baron Hirsch und andere Hochfinanciers — deren Rußland bei seinen steten Geldklemmen nicht entbehren kann — sich in's Mittel gelegt haben, hat man rücksichtlich der Juden ein gütliches Abkommen getroffen. Vor zwei Monaten ist nämlich das Gesetz, welches die Auswanderung der Juden aus Rußland verfügt, nach den vom Baron Hirsch gemachten Vorschlägen endgültig von der Regierung genehmigt worden. Um die Bedeutung dieses Gesetzes zu würdigen, mag hier uach den neuesten russischamtlichen Quellen eine Statistik der jüdischen Bevölkerung Rußlands folgen. Es sind: Juden im europäischen Rußland (Polen, Finnland und Kaukasus ausgeschlossen) . . . 1,982,447 im Königreich Polen.815,433 im Großfürstenthum Finnland. . . . 287 im Kaukasus. 22,732 in Sibirien. 11,941 im centralasiatischen Rußland (die Vasallenstaaten Buchara und China ausgeschlossen) . . -. 23,118 zusammen 2,855,958 Alle diese Juden müssen in etwa 20 bis 25 Jahren sämmtlich aus Rußland ausgewandert sein. Der Beginn dieser Völkerwanderung war für diesen Herbst angesetzt; die Cholera hat aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach den Hirsch'schen Plänen sollen die meisten Auswanderer nach Argentinien, ein kleiner Theil nach den Vereinigten Staaten befördert werden. Die bis heute ausgewanderten Juden, die nicht durch das Hirsch'sche Comitö befördert worden sind, sondern die selbstständig — allerdings mit Unterstützung des Berliner Central-. Comits's — in der Wahl ihres neuen Aufenthalts waren, sind meist nach den Vereinigten Staaten, Viele auch nach England gewandert. Ein kleiner Theil, noch mcht ein Procent, wurde in Folge der neuen, die Einwanderung beschränkenden amerikanischen Gesetze am Landen verhindert. Im Uebrigen wurden gegen die Juden diese Gesetze sehr milde gehandhabt, was der Fürsorge der reichen amerikanischen Glaubensgenossen in New-Aork zuzuschreiben ist, die ganz bedeutende Bürgschaftsleistungen übernahmen. Die Nichtaufgenommenen mußten nach Rußland zurück, woselbst sie von der Grenze aus „bis auf weiteres" nach Sibirien bezw. dem Kaukasus abgeschoben wurden. England kennt keinerlei Beschränkung der Einwanderung, auch keine Ausweisung von Ausländern, doch gehen die meisten russischen Juden nach einem verhältnißmäßig kurzen Aufenthalt von England nach Amerika. Auch nach Palästina ist eine sehr große Anzahl russischer Juden gewandert. Nach Argentinien sind dagegen auf eigene Gefahr keine russische Juden gegangen. Der in Argentinien unter Leitung von Dr. Löwenthal und Oberst-Lieutenant Goldsmidt unternommene Colonisations-Bersuch hat bei der Kürze der Zeit nur sehr geringe Er-

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