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Der Israelit · 1892-11-07 · Heft 88 (7.11.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 88 (7.11.1892)
Date
1892-11-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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abzuthun. Herr Stöcker kann nicht gemeinsame Sache machen mit Denen, „die ohne christlichen Geist antisemitisch kämpfen"; diesen christlichen Geist sucht er den „scharfen" Antisemiten, denen selbst das alte Testament nickt heilig ist, abzusprechen und für den offiziellen Antisemitismus der konservativen Partei, besonders aber für die Tonart, die er vertritt, zu reklamiren. Den Antisemiten wünscht der Herr Hofprediger a. D. 20—30 Reichstagssitze, aber, ruft er den „Scharfen" zu, müssen Sie denn gerade konservative Kreise erobern? — Im klebrigen waren die Ausführungen Stöcker's in der bekannten Manier gehalten und nichts war an ihnen für uns neu als die Behauptung, daß er in London auf jüdisches Anstiften ermordet werden solle. Auch Stöcker wird in Sachsen den sinkenden Einfluß der Konservativen alten Stils nicht wiederherstellen. Barmen, 4. Nov. Die Elberfelder Strafkammer verurtheilte Gerhard ten Winkel, den Redakteur der antisemitischen „Rheinischen Wacht" in Elberfeld, wegen Beleidigung des Staatsanwalts Baumgardt, des Landgerichtsraths Brixius und des Landgerichts Cleve bei Besprechung des Falles Buschhoffs zu drei Monaten Gefängniß. Karlsruhe. Der Stadtrath dahier hat ein Ortsstatut über das Begräbnißwesen, wonach alle Leichenbegängnisse künftig von der allgemeinen Leichenhalle aus, stattfinden müssen, zur entscheidenden Genehmigung des Bürgerausschusses ausgearbeitet. In Bezug auf die israelitischen Friedhöfe, welche im Eigenthum und Verwaltung der betreffenden Religionsgesellschaften stehen, soll nur insoserne durch ortspolizeiliche Vorschrift ein Zwang ausgeübt werden, wenn in Betracht kommende öffentliche Interessen solchen erfordern. Die Leichen der Israeliten sollen, nach dem Beschluß des Stadtraths, welcher dem Großh. Bez.-Amt vorzulegen ist, zwar nicht in das allgemeine, jedoch in ein anderes von den Israeliten zu bauendes Leichenhaus verbracht werden und dort bis zur Beerdigung verwahrt werden. Der Synagagenrath in Karlsruhe hat sich bereit erklärt, sobald das beantragte Ortsstatut in Kraft getreten, auch seinerseits eine Leichenhalle zu bauen, und dasselbe Verfahren anzuwenden, wie solches auf den Gemetndefriedhöfen stattfindet. Auch die Religionsgesellschast wird entweder ein eigenes Letchenhaus zu bauen oder mit dem Synagogenrath zur gemeinsamen Benützung sich ins Benehmen zu setzen haben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pefth. Baron Moritz Hirsch, der hochherzige Philanthrop, hat einen neuerlichen Beweis seines edlen und selbstlosen Mitempfindens für fremdes Leid gegeben, indem er auf Intervention seiner Budapester Vertreterin, der Frau David Bischitz, einen Betrag von dreitausend Gulden den durch die Cholera-Epidemie so schwer betroffenen Hausierern und deren Familien widmete. „Pest. Lld." bemerkt hiezu: Kein Lob und keine noch so vollklingende Anerkennung wäre genügend, um diese dem edelsten Herzen entspringende Gabe entsprechend zu quittieren und wenn wir dies hier dennoch thun, so geschieht es nur, um der öffentlichen Meinung Ausdruck zu geben, die den stets opferfreudigen Menschenfreund Baron Hirsch längst auf die Höchste Stufe gestellt hat, dort, wo es galt, der Nächstenliebe ein geistiges Denkmal zu setzen. Mit dieser Spende hat sich aber der edelherzige Philanthrop nicht begnügt, denn wir verrathen nur ein stadtbekanntes Geheimnis, wenn wir jetzt constatiren, daß in nicht weniger als fünf Budapester Volksküchen die Armen und Elenden aus den von Baron Hirsch der Frau Bischitz zur Verfügung gestellten Summen Tag und Tag gespeist werden. Diese neuen Zeugnisse von edelmüthiger Sympathie, welche Baron Hirsch unserer Hauptstadt in schweren Zeitläuften gibt, werden nur dazu beitragen, die allgemgeine Verehrung für diesen seltenen Mann zu steigern. Budapest. Am Schlußfeste starb hier im hohen Alter von 82 Jahren der Talmudgelehrte Victor Abeles, oder wie man ihn kurzwegs nannte: Rabbi Figdor. Es war einer der begabtesten Schüler des Koppel Charif, Rabbiners von Verbo. Mit Rabbi Figdor ging ein Schatz von rabbinischem Wissen verloren. Stuhlweitzenburg, 30. Oktober. Im benachbarten Zala St. Grot ist in der vergangenen Woche der bekannte jüdische Arzt, Dr. Josef Eichberg, im Alter von 80 Jahren gestorben. Dr. Etchberg war bis in die Fünfziger-Jahre der Hausarzt und Hausfreund des großen ungarischen Patrioten Franz Deak's in Kehida und dieser kam oft zu seinem Freunde nach St. Grot, und als Deak nach der Hauptstadt übersiedelte, berief er nicht selten Eichberg, um dessen ärztlichen Rath zu erbitten. Eichberg entstammte einer geachteten jüdischen Familie in Deutschland und hat er nie und nirgends seinen Glauben verleugnet. Noch kurz vor seinem Tode fuhr er in die umliegenden Dörfer, wo er die armen Leute unentgeltlich behandelte. Einen Theil seines beträchtlichen Vermögens widmete er wohlthätigen Zwecken. Rußland. Vor Kurzem theilten die Zeitungen mit, was das amtliche Blatt der russischen Regierung in Warschau, der „Waschawski Dnjewnik" über angebliche Kämpfe zwischen Juden und Christen in

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