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Der Israelit · 1892-11-07 · Heft 88 (7.11.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 88 (7.11.1892)
Date
1892-11-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1668 Ein solch frivoles Treiben muß von der jüdischen Presse gebrandmarkt werden. Um den Preis der Entweihung unserer Heiliglhümer wollen wir keine Freunde erwerben. Wer unsere gottgeweihten Institutionen angreift, wer unsere harmlosen Gläubigen irreführt, der überflügelt die Unbändigkeit der antisemitischen Unholde.- Wenn das Berliner Rabbinat diesem ungeheuerlichen Attentat gegenüber beharrliches Stillschweigen beobachtete, wenn es den Angriff auf seine Autorität ruhig gewähren ließ, so stehen ihm zweifelsohne triftige Gründe zur Seite.**) Das hindert jedoch keineswegs die jüdischen Blätter, — die berufenen Hüter der religiösen Interessen, — die unberufenen Eindringlinge in ihre Schranken zu verweisen. Das fahde Geschwätz von den Unduldsamen aller Confessionen. das hie und da auftaucht, soll uns nicht einschüchtern. Wir lassen den Politikern ihre Domäne, bitten aber dringendst uns mit freundlichen Winken, wie man am allerleichtesten unser göttliches Vermächtniß aus dem Herzen der Bekenner reißt, verschonen zu wollen. Wenn wir jedoch dieses längst verflossene Kunststückchen der Vergessenheit entziehen, so entgegne man uns nicht ump uöi *uy, es wäre jetzt zu spät den verursachten Schaden wieder zu heilen. Der Glaube, daß es einer religiösen Behörde jemals in den Sinn gekommen ist, ihre Competenz zu überschreiten, und den letzten Funken religiöser Gläubigkeit zu verlöschen, muß entwurzelt werden. — Denn es zieht eine Bewegung durch die maßgebenden Kreise der Reform, welche dieser Anschauung Vorschub leistet. In dem hiesigen „Verein für Geschichte der jüdischen Literatur" stellte nämlich der frühere Rabbiner zu Nürnberg, — jetzt Prediger der hiesigen Reformgemeinde — Herr Dr. Lewin, einen Antrag, der einer Beseitigung der letzten Bollwerke der Religion, die sich selbst die Lauesten noch pietätvoll bewahrt, involvirt. Herr Dr. Lewin forderte in der letzten Sitzung des genannten Vereins die Mitglieder allen Ernstes auf, sich der Ethischen Gesellschaft, die bekanntlich Ethik ohne religiöse Grundlage ausüben will, anzuschließen. Dieser einfältige Vorschlag, der einem Kreise gelehrter Männer aller Parteien zum Besten gegeben wurde, übertrumpft die provisorische Suspendirung des Jaum Kippur um Riesenlänge. Wozu sich mit dem **) Auch die triftigsten Gründe durften das Berliner Rabbinat nicht zurückhalten, öffentlich zu erklären, daß es nicht autorisirt ist, das Fasten, welches ein biblisches Gebot ist, aufzuheben, wie dies auch einige orthodoxe Rabbiner in einer Erklärung in den jüdischen Zeitungen gethan haben. Red. Fällen eines mächtigen Baumstammes abmühen? Einige glühende Kohlen versehen diesen Dienst viel geschickter und gründlicher. Sie verursachen einen verheerenden Waldbrand und räumen alle Hindernisse mit einem Schlage weg. Wir schließen uns der „Ethischen Gesellschaft" an und Herr Dr. Lewin predigt uns dann allsonntäglich als Priester dieses neuen religionslosen Vereins dieselben guten Lehren, die er jetzt im Namen des Neformjudenthums zum Besten giebt. Wir wollen Herrn Dr. Lewin gern glauben, daß ihm der Sprung in den „Atheismus" keine Schmerzen bereitet, aber seine Partei wird ihm nicht Dank wissen, daß er so früh die Ziele seiner Partei der Oeffentlichkeit preisgegeben hat. Herr Dr. L. ist ein vortrefflicher Redner, aber ein sehr schlechter Politiker. Wer wird in solch plumper Weise das vorsichtig geheimnißvolle Walten der gesammten Parteileitung verrathen. In dieser unverblümten Form muß der ehrlich gemeinte Plan Fiaeko machen. Wie ein Mann erhoben sich Rechte und Linke gegen diese Zumuthung, den Männern der Rechten graute vor der Gemeinschaft mit dem offenen Renegatenthum, und die Herren der Linken sahen ihr ganzes Werk gefährdet. Der verblüffte Antragsteller sah zu spät ein, welches Unheil er durch seinen Uebereifer angeftiftet. Die hiesigen jüdischen Blätter haben dieses unliebsame Intermezzo wohlweislich verschwiegen, denn die Wählerschaft ist nicht so stumpfsinnig, um diesen Faustschlag geduldig hinzunehmen. Es könnten doch viele Gemeindegenoffen erwachen und den Abgrund fliehen, in dessen Tiefen sie die glaubenslosen Führer stürzen wollen. Wir empfehlen den Umstürzlern, welche die ausrichlige Absicht haben das Judenthum seiner Individualität zu entkleiden und es mit dem „Vereinigten Christenthnm" oder sonstigen Vereinen zu verschmelzen, sich das bedächtige Vorgehen ihrer schlauern Gesinnungsgenossen zum Muster zu nehmen und nicht mit der Thüre in's Haus zu stürzen. Wir empfehlen dem Schwärmer für die Egidysche Glaubensgemeinde einen Kursus di ser Proselytenmacherei bei Herrn Dr. Ripner, Glogau, oder dem Amerikaner Dr.. Deutsch zu hören. Die haben sich für ihre Mission viel eingehender vorbereitet und verfahren mit einer rühmenswerthen Geschicklichkeit. Herr Dr. Ripner sendet den dreizehntausend Gemeindegliedern Berlins als Neujahrsangebinde einen salbungsvollen, recht erbaulichen Artikel, der die Augen der „Verblendeten" erhellen (?) muß. Wer sich von zartester Kindheit bis zur reifen Manneszeil an dem hehren Akedah-Gedanken emporgerichtet,

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