Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1892)
- Date
- 1892-11-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1653 behaupten, daß es für ein Staatsoberhaupt sehr gefährlich sei. in die Hand eines Unterthanen so viele wichtige Aemter zu legen; ich wiederhole es täglich, daß die Gesandten der fremden Mächte, oft die Potentaten selbst, wenn sie etwas zu erlangen wünschen, sich nicht an den Kaiser selbst, sondern an den Prinzen wenden, daß alle Welt behauptet, in Oesterreich sei nicht des Kaisers, sondern Eugens Wille, entscheidend. Ja, um ihn noch mehr aufzustacheln und seinen Kaiserstolz zu verletzen. erzählte ich ihm: Die Wiener sagen: Der Kaiser wird vom Prinzen, der Prinz vom „schönen Lorle" beherrscht, so daß eigentlich die Gräfin Vattiany- Strattmann, die oberste Herrscherin in Oesterreich ist. Ich ließ sogar ein Pasgutl drucken, von dem ich behauptete, es wäre in Wien in vielen tausenden Exemplaren verbreitet und wagte es, es dem Kaiser zu zeigen, es lautete: „Bringt man etwas an Kaisers Ohr Fragt er Prinz Eugen stets zuvor. Der aber fragt die Eleonor — D'rum ist's in aller Welt bekannt, Es liegt in unser'm Vaterland Die Macht in eines Weibes Hand." Aber der Kaiser erwies mir wahrhaftig nicht die Freude, sich darüber zu ärgern, er war nicht aus seiner majestätischen Ruhe zu bringen, er verzog nur leicht die Lippen — was bei ihm ein Lächeln bedeutet — und meinte: Alles was ich vorgebracht hätte, wären inhaltlose, unerweisbare Behauptungen und das Pasquill würde von Eugen's Feinden verbreitet, welche ihm die Gunst des Kaisers und die Freundschaft der edlen, geistreichen Frau mißgönnen. Als ich mich aus Ihr und des Marquis St. Thomas Anrathen dazu verftieg zu behaupten, Prinz Eugen könne uneingeschränkt über die ganze Armee verfügen, diese hänge mit vergötternder Liebe an ihm, und wenn er es versuchen wollte, das gesammte Heer zum Abfall zu bringen, so würde ihm dies weit besser als Albrecht Waldstein gelingen, erwiederte der Kaiser: daß er selbst ihn zum Generalissimus seiner Armee ernannt habe, daß Prinz Eugen diese von Steg zu Steg geführt, ihren und Oesterreichs Ruhm in allen Theilen der Welt verbreitet habe und daß es daher begreiflich sei, wenn das ganze Heer mit großer Liebe an ihm hänge; aber Prinz Eugen habe als Feldherr stets seine Pflicht gegen seinen obersten Kriegsherrn erfüllt; dafür, daß er beabsichtigte, am Ende eines ruhmreichen Lebens ein Verräther zu werden, lägen nicht die geringsten Anzeichen vor . . . ." Graf Nimptsch unterbrach sich plötzlich, sein feines Ohr hatte ein leichtes, durch eine unwillkührliche Bewegung eines der Horchenden entstandenes Geräusch gehört, er lauschte einen Augenblick. „Es kam mir vor, als wenn ein Laut an mein Ohr schlüge . . . haben Sie nichts bemerkt?" srug er ängstlich. „Seien Sie ruhig, Graf," erwiederte der Italiener. „Sie sind zu furchtsam, ich habe nichts gehört und bin auch nicht taub; — und wenn auch eine Ratte in dem alten Baue herumrasselt, bringt mich das nicht aus meiner Ruhe . . . Wenn wir nur nicht von Menschen behorcht werden, und das ist ganz gewiß nicht der Fall; — aber Herr Graf, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Sie ein feiner diplomatischer Kopf sind, könnte ich zu dem Jrrthum veranlaßt werden, zu glauben, daß Sie die Rolle eines Hohlkopf's so lange, so meisterhaft gespielt haben, bis Sie — in der Thai ein solcher geworden. — Sie wollten offenbar die großen Verdienste, welche Sie sich um unsere Sache erworben, die Feinheit Ihrer diplomatischen Schachzüge, Ihren Einfluß auf Kaiser Karl beweisen und gelangen nach einer langathmigen Rede zu dem kläglichen Resultate, gestehen zu müssen, daß Sie nicht das Allergeringste erreicht haben und auch nie etwas erreichen würden, wenn ich nicht mit energischen Mitteln in die Action eingretfen würde." „Ich wurde nur in meinen Auseinandersetzungen durch ein vermeintliches Geräusch unterbrochen, ich war eben daran über die „energischen Mittel", wie Sie sie bezeichnen und für die Sie sich wahrhaftig unverdientes Lob vindiziren, zu sprechen. Sie riethen, und der Marquis St. Thomas stimmte Ihnen zu. ich solle dem Kaiser versichern, Prinz Eugen beabsichtigte die pragmatische Sanktion umzustoßen, dessen ältere Nichte Maria Josefa auf den Thron zu setzen, daß er diesbezüglich mit fremden Höfen conspirire, für jene einen Gatten suche, der über die nöthigen militärischen Mittel verfüge und mächtige Alliirte besitze. Ich habe sofort zugestanden, daß das ein glücklicher, wenn auch ziemlich naheliegender Gedanke sei, daß der Kaiser in seiner unbegrenzten Liebe für seine Tochter,^dieser — wir sind ja unter uns und können offen sprechen — bodenlosen Verleumdung, leichter als allen andernyzugänglich würde und dies auch durch die offene Weise, in welcher der Prinz seine Liebe für die Tochter des.. verstorbenen Kaisers zur Schau trägt, glaublich erscheint. Allein ich erklärte sofort, daß ich überzeugt bin, daß sobald wir mit unseren Anklagen das Gebiet der Thatsachen betreten, der Kaiser die Vorlage von Schuldbeweisen fordern wird. Darauf versicherten ISie, Herr Abbate, daß das für Sie eine affaire de rien1) wäre, daß Sie in solchen Angelegenheiten^. große Uebung besäßen und in der Lage wären von geschickter Hand 1) Leicht auszuführende Sache.