Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1892)
- Date
- 1892-11-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1652 mich daher verpflichtet, hier im „Israelit" zu erklären, daß nach den von mir eingezogenen Erkundigungen weder in Armenien, noch in Mesopotamien, noch in Persien etwas von dem Vorhandensein eines solchen Wrackes auf den armenischen Bergen bekannt ist, und dürfte die ganze Geschichte von ihrem Autor selbst erfunden worden sein. Uebrigens kann man sicher sein, daß wenn eine solche seltene Reliquie aus dem biblischen Alterthume noch vorhanden wäre, weder die russische noch die türkische Regierung gezögert hätten, dieselbe von Archäologen und sonstigen wissenschaftlichen Capacitäten nntersuchen zu lassen. ■¥• Vermischtes. < Berlin. Eine neue antisemitische Broschüre von Dr. Böckel: „Die Juden, die Könige unserer Zeit" wird gegenwärtig auf den Straßen Berlins ausgerufen. Berlin, 27. Oct. Entgegen den Angaben über Erneuerung der russisch-französischen Anleiheverhandlungen verlautet heute, daß die Verhandlungen endgiltig gescheitert sind. Die Ablehnung der Rothschild'schen Forderungen, betreffend die russische Judenfrage, wird neben Mangel an genügenden finanziellen Garantien seitens Rußlands als entscheidend für den Fehlschlag bezeichnet. Cottbus, 29. October. Die Antisemiten fordern in einem Circulare ihre Gesinnungsgenossen auf, von Vereinswegen Gnadengesuche an den Kaiser zu richten, damit Ahlwardt seine Strafabbüßung unterbrechen und für den Reichstag in Friedeberg-Arnswalde kandidiren kann. — Wir vermuthen, daß der Liebe Mühe umsonst sein wird. □ München, im November. (Statistisches.) Die Inskriptions-Ergebnisse an den Volksschulen dahier, weisen eine Gesammtzahl von 34,756 Schulkindern aus, nur um 51 mehr, als vorigen Jahre waren. Die isr. Schulkinder haben ebenfalls nur um 5 zugenommen; d. h. 415 gegen 410 im vorigen Schuljahre, doch wahrlich schon genügend zu einer achtklassigen eigenen isr. Schule, wie deren Frankfurt schon drei hat! — Schon unser hl. Schabbos verdient es zu diesem Zweck alle Kräfte anzuspannen. Der Großherzog von Sachsen-Weimar hat an Dr. Ludwig August Frankl folgenden eigenhändig geschriebenen Brief gerichtet: Mein lieber Herr v. Frankl! Wenngleich Ihr poetischer Glückwunsch zu unserem goldenen Ehe-Jubiläum schon vor mehreren Tagen durch mein Telegramm erwidert worden ist, so möchte ich dennoch nicht unterlassen, Ihnen jetzt, wo ich Ihr Festgedicht nochmals in Ruhe gelesen habe, meinen freudigen Dank dafür auch brieflich zum Ausdruck zu bringen. Dieser Dank gilt zunächst der reizenden Dichtung selbst, die Ihr Talent im besten Lichte zeigt und der Grvßherzogin ebenso wie mir aufrichtige Freude bereitet hat; er gilt aber auch nicht minder der Pietät für Weimars große Vergangenheit, die sich in Ihrer Huldigung kundgibt. Daß Sie, lieber Herr v. Frankl, sich diese schon so oft bethätigte edle Empfindung auch fernerhin bewahren werden, davon bin ich fest überzeugt, und zum Segen Ihres Heimatlandes hoffe ich auch, daß es nie gelingen werde, das geistige Band, das seit den Tagen Grillparzers zwischen Deutsch-Oesterreich und Weimar besteht, wieder zu lösen. Wien, 1. Rov. Der heutige Pairsschub umfaßt 11 Verfassungstreue, 7 Feudalklerikale und 3 Angehörige der Mittelpartei. Unter den ersteren ist der Großindustrielle Julius Gomperz (Jude). London. Hier starb vor Kurzem der Universitäts Professor George Croom Robertson, ein bei Christen und Juden ungemein beliebter Mann. Daß er die Liebe der Letzteren besaß, ist wahrlich kein Wunder; brachte er ihnen doch stets die größte Sympathie entgegen. In seinem freundlichen Heim waren jüdische Studenten gern gesehene Gäste, denen er ein streng koscheres Essen vorsetzte und einst, als er seine Vorlesungen Freitag von 2—4 angekündigt hatte, verlegte er die zweite Stunde im Winter, damit es auch den streng Orthodoxen möglich wäre, zu kommen. Mailand, 31. Oct. Vorgestern starb hier der steinreiche Kaufmann Prospero Moses Loria im Alter von 79 Jahren. Er stammte aus einer altangesehenen jüdischen Familie in Mantua. Vor 50 Jahren war er nach Egypten ausgewandert, nach 25jähriger reger Thätigkeit hatte er sich ein Vermögen von nahezu 20 Millionen Lire erworben und ging nach Mailand, wo er seitdem lebte. Er führte einen sehr bescheidenen Lebenswandel. Er war unverheirathet und bestimmte, daß sein ganzes Vermögen zur Errichtuitg eines großen Arbeitshauses für beschäftigungslose Arbeiter verwendet werde. Dieses Arbeitshaus soll so eingerichtet werden, daß daselbst jeder Arme Beschäftigung, Kost und Wohnung finden könne. Loria hinterließ eine Broschüre, in welcher er sein Projekt ausführlich darlegt. Die hiesigen Behörden werden das Projekt einem Studium unterziehen und dann erklären, ob es im Sinne des Vermächtnisses zur Ausführung gelangen könne. Auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen fand ein ganz einfaches, prunkloses Leichenbegängniß statt. In Beody wurde Herr Dr. Paul Goldhaber zum Bürgermeister gewählt. Szingcrvaralja Jüngsten min nncsy wurde die wunderschön geschriebene, reichlich und kunstvoll ausgestattete min "IDD des hiesigen Herrn Oberrabbiner Jecheszkel Benedikt '"1 unter den üblichen Festlichkeiten in den Teinpel gebracht. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Ueberfetzungs rechte Vorbehalten. (25. Fortsetzung.) „Ich habe genug gethan", erwiederte Nimptsch zornig, „und wenn die Angelegenheit nicht vorgeschritten ist, trage nicht ich, trägt die Nichterfüllung Ihrer Versprechungen daran schuld. Seit Wochen versuche ich es, dem Kaiser mit Anwendung der verschiedensten Mittel, Haß und Mißtrauen gegen den Prinzen einzuflößen; täglich singe ich ihm in den verschiedensten Tonarten das Lied vor: daß Prinz Eugen sich höher als der Kaiser selbst stellt, und laß' es in der allerehrerbtetigften Form, die man Kaiser Karl gegenüber nie verletzen darf, verlauten daß dies in der That der Fall ist; — jeden Tag citire ich die angeblichen Aussprüche Anderer, welche