Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1892)
- Date
- 1892-11-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1651 Halle a. G. Der Antisemiten-Häuptling, Buchdruckereibesitzer Schröder, hat zwei seiner Parteigenossen gerichtlich belangen lassen. Dieselben hatten das Gerücht verbereitet, Schröder sei aus dem antisemitischen Verein ausgeschlossen worden, weil er Gelder des antisemitischen Vereins unterschlagen habe. Die Verhandlung vor dem Schöffengericht ergab aber, daß der ehrenrührige Vorgang unbegründet sei und endete mit der Verurtheilung der Beklagten zu 300 resp. 100 M. Geldstrafe. Aus der Verhandlung ging aber hervor, daß die Ausschließung des Klägers Schröder erfolgt ist. weil derselbe in Lokalen zweiten und dritten Ranges verkehrt hat, in denen ein Antisemit nicht verkehren durfte. (I!) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 29. Oktober. Heute ist in Wien der Pädagoge und Schriftsteller Gerson Wolf nach längerem Leiden im siebzigsten Lebensjahre gestorben. Mit ihm ist ein Mann von seltenem Fleiße dahingeschieden, der, weil er nach zweifacher Richtung, als Lehrer und Schriftsteller, vielseitig sich durch eine lange Reihe von Jahren bethätigte, zu den bekanntesten Persönlichkeiten unserer Stadt gehörte. Am 16. Juli 1823 in Holleschau in Mähren geboren, hatte der Verstorbene eine Jugend voll Mühe und Drangsal durchzumachen, bis es ihm gelang durch wissenschaftliche Studien sich eine geachtete Stellung im literarischen Kreise Wiens zu erkämpfen. In jungen Jahren kam er nach Wien, und seine schriftstellerische Thätigkeit brachte ihn hier bald wiederholt in Conflict mit den Behörden des absoluten Regimes. Er sollte unter Weiden ausgewiesen werden, wurde später (1852) vor ein Kriegsgericht gestellt, und weil in Folge Denunciationen bei einer Hausdurchsuchung verbotene Bücher bei ihm gefunden worden waren, saß er vier Wochen im Gefängniß. Auf diese Weise von seiner literarischen Thätigkeit abgedrängt, widmete er sich dem Lehrfache. Seine Schrift „Ueber das Volksschulwesen" lenkte 1851 die Aufmerksamkeit der Schulmänner auf Wolf, der bald darauf seine Thätigkeit als Lehrer an verschiedenen israelitischen Schulen begann. Im Jahre 1852 erwarb er den philosophischen Doctorgrad an der Wiener Universität, und obwohl er in seinen Vorschlägen zur Reform der Schule Oesterreichs den Religions-Unterricht aus der Schule verbannt wissen wollte, fügte es das Schicksal, daß er durch volle vierzig Jahre gerade als jüdischer Religionslehrer angestellt war und ganze Generationen ihn als ihren Lehrer schätzen lernten. In dieser Eigenschaft hat er auch eine Reihe von Lehrbüchern geschaffen. Die Zahl seiner selbstständig erschienenen Werke ist bedeutend. Mit besonderer Liebe forschte er in der Zeitgeschichte der Kaiserin Maria Theresia und des Kaisers Joseph. In zahlreichen Tagesblättern und Fachschriften hat er Beiträge zur Kenntniß jener Zeit- Epoche veröffentlicht. Wie», 29. Oktober. Hier ist ein in Bildung begriffener antisemitischer „Verein der Anhänger Dühring's" durch eine Entscheidung des Ministeriums des Innern verboten worden. Der Zweck des Vereins war Förderung der Kenntniß der Schriften Dühring's. Die Begründung, welche das Ministerium des Innern dem Verbote beigefügt hat, lautet dahin, „daß sich unter den Schriften Dühring's auch solche befinden, deren wider die Juden aufreizender Inhalt gegen die Bestimmungen des Strafgesetzes verstößt." Frankreich. Avignon. Der hiesige Oberrabbiner Benjamin Mo iss, der auch seit vierunddreißig Jahren die jüdische Zeitschrift „La Familie de Jacob“ redigirt hat, ist aus dem Leben geschieden -}Vm D’D^in *r6 *6. Der Verstorbene war auch sonst als Schriftsteller bekannt und hat er u. A. auch „Die jüdischen Frauen des Alterthums" dann „Reliöse und moralische Gedanken" k. veröffentlicht. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einem imposanten und allgemein war die Trauer um den theueren Dahingeschiedenen, n":jxjr\ Asien. Smyrna, 2. October. nn hy 'ui rnnn mm törin Der „New-Aork Herald", eines der ersten Blätter der Vereinigten Staaten, läßt sich aus San Franzisco (Californien) berichten, daß ein dort eingetroffener chaldäischer Priester aus der Provinz Mofful die Nachricht dorthin gebracht habe, daß er im vergangenen April bei der Durchstreifung der armenischen Gebirge, deren nördlichster Theil noch heute die Araratberge (öyw nn) heißen, auf der Spitze eines Hügels das riesengroße Wrack eines Schiffes im Eise vergraben gefunden habe, das nun nach seiner Ansicht und der seiner Begleiter der Ueberrest der Arche NE,'s sei, die bekanntlich nach dem Aufhören der Sündfluth, wie die Bibel es erzählt, auf einem Kamme des genannten Gebirges sitzen blieb, der sich nun, trotz der viertausend Jahre, die seit jener Weltkatastrophe verflossen sind, bis auf unsere Tage herab erhalten habe. Zahlreiche amerikanische und auch europäische Tagesblätter haben nun diese interessante Mär aus dem „New-Aork Herald" nachgedruckt, ohne erst zu prüfen, ob die Erzählung auch wahr sei, und ohne erst zu erwägen, ob es auch möglich sei, daß sich ein solches Wrack volle viertausend Jahre in seinem Eisgrabe intact erhalten konnte. Ich fühle