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Der Israelit · 1892-11-03 · Heft 87 (3.11.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 87 (3.11.1892)
Date
1892-11-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1650 sichten sind grundfalsch, denn nur die Juden haben Schuld an Allem! Ja, m. H., ich bin auch der Anschauung, daß alle von mir angeführten Uebelstände niemals vorgekommen wären! wenn wir ein judenfreies, christliches Deutschland hätten! Die Herren Antisemiten haben also vollständig Recht! Der Jude muß verbrannt werden!!" Die Rede des Herrn Meyer hat in Köln, wie man uns von dort schreibt, große Heiterkeit erregt. Vielleicht benutzen die Kreuzzeitungsleute dieselbe, wenn sie ohne Glacehandschuhe den Juden zu Leibe gehen. Breslau. In der letzten Breslauer Lehrerversammlung stellte Herr Dr. Louis Neustadt nach einem längeren Vorträge über einen jüdischen Jugendgottesdienft folgende Thesen auf: 1. Als Grundlage eines jüdischen Jugendgottesdtenstes gilt die Erziehung der Jugend zur Verrichtung des täglichen Gebets; daß dies mit der Gemeinde geschehe, ist seine Aufgabe. 2. Die Vereinigung der Jugend zu einem besonderen Gottesdienst (Jugendgottesdienst) ist besonders geeignet das Verständniß für den jüdischen Kultus und die Theilnahme am Gottesdienst der Gemeinde zu fördern, bei den Knaben vornehmlich durch Heranziehung zur selbstständigen Ausübung der Funktionen. 3. Insbesondere sind die Schulferien für einen gemeinsamen Gottesdienst und zur Förderung einer verständnißvollen Betheiligung an demselben auszunützen. 4. In jedem Falle ist die Jugend am Sabbat und Feiertagen zu gemeinsamem Gottesdienst zu versammeln, zur Belehrung und Erbauung unter Verwerthung der im wöchentlichen Religionsunterricht gewonnenen Resultate und unter Hinweis auf die kultuellen Vorgänge der Woche. 5. Zur Erhöhung der Sabbatfeier und zur Erreichung einer möglichst allgemeinen Betheiligung der Schuljugend am Gottesdienst dient, daß Rabbiner und Lehrer in geeigneter Weise die Mitglieder auch über die staatlichen Concessionen bezüglich des Sabbats und der Feiertage unterrichten. Es empfiehlt sich eine Vervielfältigung und Verbreitung der betreffenden Verfügungen innerhalb der Gemeinde. 6. Es ist bei den Schulbehörden darauf htnzuwirken, daß jüdische Kinder an den Hauptfetertagen vom Schulbesuch bezw. allen Handarbeiten befreit werden. Als Hauptseiertage gelten: Neujahr 2 Tage, Versöhnungstag 1 Tag, Laubhüttenfest 2 Tage, Schlußfest 2 Tage, Passahfest 4 Tagest., 2., 7., 8), Wochenfest 2 Tage, Summa 13 Tage. Es ist dabei hervorzuheben, daß ein großer Theil dieser Tage nach Ausweis des Kalenders ohnedies in die Schulferien fällt. 7. Zur Aufklärung der Eltern und zur Hebung des religiösen Sinnes in der Gemeinde sind derartige Formulare von Gesuchen an die Schulbehörden anzufertigen und den Eltern unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. 8. Die Zeit des Jugendgottesdienstes ist unter Berücksichtigung der synagogalen Zeit der Schulzeit der Kinder möglichst anzupassen. Zur Erreichung einer für alle Kinder passenden Zeit am Sabbat ist ein Einvernehmen mit den Schulbehörden zu empfehlen. 9. Als Ort für den Schulgottesdienst empfiehlt sich aus religiösen und pädagogischen Gründen die Synagoge. 10. Die Gemeindebehörden sind für Einrichtung eines Jugendgottesdtenftes und für Einstellung der erforderlichen Geldmittel in den Etat der Gemeinde zu gewinnen. Schwersenz, 30. Oktober. Mit tiefem Bedauern sehen wir der herannahenden Scheidestunde unseres Herrn Rabbiners Dr. S. Bamberger entgegen, der einem Rufe folgend, am 3. November in Schrtmm seinen Einzug halten wird. Mehrere Jahre war derselbe der Leiter unserer Gemeinde und übte sein Amt treu und gewissenhaft nach alt hergebrachter Tradition, leitete den hebräischen Unterricht und ertheilte auch denselben unentgeltlich an unbemittelte Kinder. In wahrer Glaubenstreue bemängelte er in seinen Predigten, was in der Gemeinde der Tradition zuwider war. Er ertrug die Anfeindungen seiner Gegner im festen Glauben auf Gott, daß er seine Verhältnisse bessern werde, und dieser Glaube hat ihn nicht getäuscht. Schrimm hatte es verstanden solch einen Mann zu würdigen. Danzig, 29. Oktober. Von „jüdischer Internationale" spricht in gehässigster Weise die „Kreuzztg." Im September hatte nämlich der Londoner Oberrabbiner aus Bagdad die Nachricht erhalten, daß die Ntedermetzelung der Juden in Hamadan geplant werde. Daraufhin wandten sich die Vorstände der israelitischen Gemeinde und der anglo-israelitischen Association, sowie Lord Rothschild an Lord Roseberry, welcher sofort die nöthigen Instructionen an den englischen Gesandten in Teheran sandte. Die Folge war, daß der Schah Sorge traf, daß das geplante Gemetzel verhindert wurde. — Das nennt nun die „Kreuzztg." „einen bezeichnenden Fall für die Thättgkeit der jüdischen Internationale, wo es sich um Wahrnehmung vermeintlicher oder wirklicher Interessen fremder Juden handelt". — Recht charakteristisch für das fromme Blatt, dem es, wie es scheint, lieber gewesen wäre, wenn das Massacre der Juden in Hamadan seinen ungestörten Verlauf genommen hätte.

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