Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1892)
- Date
- 1892-10-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1641 Theilen des Großherzogthums stattfindenden, von außen hereingetragenen gehässigen Anfeindungen Allerhöchst Ihrer israelitischen Unterthanen Kenntniß genommen haben, spricht sodann aus, daß Se. Königl. Hoheit diese Anfeindungen auf das Ernstlichste mißbilligen und ein baldiges Aushören derselben erwarten, und hebt am Schluffe hervor, daß nach dem Willen Se. Königl. Hoheit Allerhöchstderen israelitische Unterthanen in ihren verfassungsmäßigen und gesetzlichen Rechten ebenso wie Allerhöchstderen Unterthanen anderer Konfessionen zu schützen seien. Wenn inzwischen gesagt ist, daß es zu dem Aufhören jener Gehässigkeiten wesentlich mit beitragen werde, wenn der sittlich höher stehende Thetl der israelitischen Bevölkerung es sich nach Kräften werde angelegen sein lassen, den Ursachen zu Klagen über die Handlungsweise mancher seiner Glaubensgenossen nachzuforschen und demselben mit den geeigneten Mitteln abzuhelfen, so ist damit nicht mehr ausgesprochen, als eine wolhmeinende landesväterliche Mahnung, bei welcher nichts ferner lag, als der Gedanke, den unmittelbar vorher ausgesprochenen schärfsten Tadel der gegen die Israeliten gerichteten Angriffe und deren allerhöchste Mißbilligung wieder aufzuheben oder auch nur abzuschwächen und den so gekennzeichneten Bestrebungen irgendwelche Berechtigung zuzugestehen. Eine derartige Auffassung ist gänzlich ausgeschlossen und steht in geradem Gegensatz zu den allerhöchsten Intentionen. In Uebereinstimmung mit diesen Intentionen ist wiederholt auch von Organen der Staatsregierung das Auftreten und Verfahren der unter mehrfachen Namen bekannten antisemitischen Parteien öffentlich mißbilligt worden, so daß den ihr unterstehenden Beamten zur Genüge bekannt ist, welche Stellung die oberste Staatsbehörde den fortgesetzten Anfeindungen der israelitischen Staatsangehörigen gegenüber einnimmt, insbesondere den Bestrebungen gegenüber, welche dahin abzielen, jenen Staatsangehörigen die ihnen verfassungsmäßig und gesetzlich zustehenden Rechte wieder zu entziehen oder zu schmälern. So wenig es an sich tadelnswerth sein kann, im öffentlichen Leben Bestrebungen zu unterstützen, welche rein und ohne Nebenabsichten die Erhaltung und Hebung deutschen Wesens und christlicher Sitte bezwecken, so verwerflich erscheint es, wenn dieselben, wie dies bisher fast ausnahmslos bei der antisemitischen Bewegung im Großherzogthum hervorgetreten ist, ganz wesentlich darin gipfeln, Haß und Bosheit gegen die israelitische Bevölkerung zu erregen und mehr oder weniger offen zur Verfolgung und Beeinträchtigung der letzteren in ihren Rechten anzureizen und aufzufordern. Die Großh. Staatsregierung kann in der Bethciligung von Beamten an solchen Bestrebungen nur eine unstatthafte Außerachtlassung der von ihr mit allerhöchster Billigung befolgten Grundsätze bezüglich der Behandlung der israelitischen Staatsangehörigen erblicken, welche sie unmöglich fernerlich dulden darf. Indem dieselbe diese ihre Auffassung zur Kenntniß der ihr untergeordneten Beamten bringt, mahnt sie von jeder Betätigung von Theilnahme an den bezeichneten Bestrebungen ab und erwartet, gewissenhafte Befolgung dieser Mahnung. Sollten gegen alles Erwarten gleichwohl in Zukunft Zuwiderhandlungen in der angegebenen Richtung Vorkommen, so würden sich die Betheiligten selbst zuzuschreiben haben, wenn disziplinarisches Einschreiten die Folge davon wäre. Aus Norddeutschland, 28. Oktober. Die Geschäftsstelle der Deutsch-Sozialen in Berlin versendet soeben einen Appell an die Gesinnungsgenossen, der in doppelter Hinsicht interessant ist, einmal deshalb, weil er beweist, wie eifrig diese edlen Antisemiten dabei sind, den edelsten „Kampf gegen Juda" fortzuführen, in anderer Richtung deshalb, weil die Form, in welcher für den tapfer« „Rektor aller Deutschen", Ahlwardt, eingetreten und dessen Verdienst hervorgehoben wird, gewiß auch jeden Nichtantisemiten erheitern wird. Das Schreiben lautet: „Berlin, den 23.Oktob. 1892. Liebwerthe Gesinnungsfreunde! Die Unterzeichnete Geschäftsstelle übersendet anliegend die angekündigten 3 Flugblätter, „Das Rüstzeug des Deutschen im Kampfe gegen Juda" mit der dringenden Bitte, die Bestellungen darauf umgehend zu machen, ehe es Judas Macht gelingt, diese Blätter aus irgend einem Grunde zu unterdrücken! — Unser muthiger wackerer Kämpfer, „Rektor Ahlwardt" ist aus der glänzenden Eroberung seines Neichstagswahlkreises Friedberg-Arnswalde jäh herausgeriffen worden und hat unerwartet schnell seine Strafabbüßung antreten müssen. Genossen! Richtet Alle von Vereinswegen ein Gnadengesuch an Sr. Majestät den Kaiser! Wir in Berlin haben es bereits gethan! Aber u nv e r z ü g l i ch!" Man sieht, die Aufgabe der Bestellungen auf die drei Flugblätter wird dringend verlangt und da das „Rüstzeug gegen Juda" nicht unentgeltlich verschickt wird, so will die Geschäftsstelle offenbar Geschäfte machen. > Vermischtes. Aus der Pfalz, 18. Okt. Eine Belohnung von 200 Mark hat die israelitische Kultusgemeinde Dürkheim für denjenigen ausgesetzt, durch dessen Anzeige die Urheber der auf dem israelitischen