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Der Israelit · 1892-10-31 · Heft 86 (31.10.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 86 (31.10.1892)
Date
1892-10-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1640 Schülern der Besuch politischer Versammlungen untersagt ist. Gerade auf diese Kreise hatte es Herr Böckel vornehmlich abgesehen. Forderte er doch bet seinen — berühmten Jahr- und Viehmarktsredeübungen die antisem. Jünglinge auf, nicht mit den Mädchen zu tanzen, die bei Juden kaufen; anderseits sollten die bäuerlichen Schönen darauf verzichten, mit judenfreundlichen Jünglingen „den Fandango zu schlingen." Bei der letzteren Forderung stieß Herr Böckel allerdings auf den entschiedenen Widerspruch der Betheiligten. „Das ist Blech", rief ihm ebenso unhöflich, wie treffend, in Gemünden z. V. eine dralle Bauerndirne unter dem Beifalle ihrer Genossinnen und schallendem Gelächter der Versammlung in's Gesicht.- Noch ist der gesunde Sinn in der Jugend von der antisem. Spreu nicht überall erstickt. Möge man es nicht dabei bewenden lassen, wie das der Herr Landrath des Frankenberger Kreises zu erstreben scheint, den gesunden Theil vor dem Gifte zu bewahren, möge man durch Aufklärung, Einwirkung auch zur Gesundung der Erkrankten beitragen. Das ist nicht nur Aufgabe des Vereins zur Abwehr, das liegt nicht allein im Interesse der Juden, sondern der Behörden und aller aus die Staatserhaltung Bedacht nehmenden Schichten der Gesellschaft. Es gilt, die hervorgetretenen Früchte der antisemit. Verziehung zu beseitigen, den künftigen Folgen desselben vorzubeugen. Die Aufgabe ist für alle wirklich national gesinnten Bürger eine gemeinsame und des Schweißes der Edelsten werth. Literarische Neuigkeit. 8. Es gereicht uns zum höchsten Vergnügen, dem Publikum von der demnächstigen Erscheinung eines hochbedeutsamen Werkes berichten zu können. Es sind die hinterlassenen poetischen Uebersetzungen des Dichters des „Ahasverus", S. Heller, die dessen Freund. Prof. Dr. D. Kaufmann zu Budapest nebst Einleitung und Quellennachweis unter dem Titel: „Die echten hebräischen Poesien" herauegtebt. Die rührige Buchhandlung von S. Mayer in Trier hat den Verlag übernommen, und dieselbe war so freundlich durch Uebersendung der Aushängebogen uns einen Einblick in das kostbare Werk zu erstatten. Daß Heller ein Meister in der Uebertragung poetischer Poesien in's Deutsche, war man durch vereinzelt gelegentlich erschienene Stücke bereits längst überzeugt; hier und da hatte er bei seinen Lebzeiten Einzelnes aus seiner Mappe mitgetheilt, und man hatte längst Gelegenheit, seine tiefe Auffassung des hebräischen Textes, sein feines poetisches Empfinden, seine Kunst in der Umformung des fremden Stoffes zu bewundern. Die vorliegende Sammlung, die vornehmlich Ueber-- tragungen aus dem Diwan Jehuda Halevis enthält, aber auch reiche Beiträge aus Gabirol, Abraham Aben Esra, Mose Aben Esra, und uns auch mit anderen Dichtern der jüdischen Vergangenheit bekannt macht, beweist, daß Heller sich an das Schwierigste gewagt und auch künstlerisch überwunden hat. So ist Heller nicht vor der poetischen liebertragung der schwierigen Schire hajichud zurückgeschreckt, und dieselbe ist ihm meisterhaft gelungen. Diese Gedichte dürfen sich den besten künstlerischen Erzeugnissen der Weltliteratur zur Seite stellen, und darum wird dieses Buch eine Zierde jeder Hausbibliothek sein und vielen Lesern reichen Genuß und seelische Erhebung bieten. Besonders sollten jüdische Familien nicht versäumen, das prächtig ausgestattete Buch in ihrem häuslichen Kreise einheimisch zu machen, um ihren Kindern und Hausgenossen die großen Männer unserer Vergangenheit nahe zu bringen, daß sie vor der Vergangenheit Achtung und vor dem Judenthum Ehrfurcht gewinnen. Als Probe dessen, was das Buch bietet, möge ein Gedicht Jehuda Halevi's gelten das im Feuilleton d. Bl. abgedruckt ist. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Mainz, 28. October. Das Großh. Hessische Staatsministerium hat, wie dem „Israelit" bereits telegraphisch gemeldet wurde, unterm 20. d. Mts. betr. der antisemitischen Bewegung im Großherzogthum einen Erlaß an die Großh. Civilbeamten ergehen lassen. Derselbe hat folgenden Wortlaut: Bei einem besonderen Anlasse ist zu unserer Kenntniß gelangt, daß eine größere Anzahl von Beamten insbesondere der mittleren und unteren Dienstklassen, sich durch Wort und Schrift, durch Mitgliedschaft an Vereinen und Besuch von Versammlungen an den sogen, antisemitischen Bestrebungen betheiligen, dabei ist uns zugleich bekannt geworden, daß es selbst Beamte gibt, welche glauben, sich für ein solches Verhalten auf den s. Z. in der „Darmst. Ztg." publizirten. im allerhöchsten Aufträge an den Rabbiner Dr. Salfeld in Mainz, als den Repräsentanten einer von Sr. Kgl. Hoheit, dem höchstseligen Großherzog empfangenen Abordnung israelitischer Staatsangehöriger gerichteten Erlaß berufen zu dürfen und mit den darin kundgegebenen allerhöchsten Anschauungen und Absichten in Uebereinftimmung zu sein. Nichts könnte verkehrter sein, als diese soeben erwähnte Auffassung jenes im allerhöchsten Aufträge ergangenen Erlasses. Dieser letztere betont vor allem, daß Se. König!. Hoheit mit Bedauern von den seit einiger Zeit in mehreren

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