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Der Israelit · 1892-10-31 · Heft 86 (31.10.1892) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 86 (31.10.1892)
Date
1892-10-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1642 Friedhof in Wachenheim verübten Beschädigung von Grabmälern dermaßen kund gemacht werden, daß dieselben wegen dieser brutalen Th nt durch gerichtliches Urtheil zur Strafe gezogen werden. Es wurden nämlich auf besagtem Friedhof in der Nacht vom letzten Sonntag zum Montag 13 Grabsteine sammt Einfassungen theils völlig zertrümmert, theils stark beschädigt. Anzunehmen ist, daß bei dieser Rohheit mehrere Personen bethetligt waren, da ein Einzelner die schweren Grabsteine schwerlich bewältigen konnte. Die Entrüstung über diesen Bubenstreich ist in Wachenheim und der ganzen näheren und ferneren Umgebung eine tiefgehende und allgemeine und wünscht man dringend, daß die Thäter möglichst bald eruirt und ihrer gerechten Strafe entgegengeführt würden. Salzburg, 11. Okt. Von hier wird der „Presse" ein Akt antisemitischer Rohheit berichtet. Der hiesige Turnlehrer Protze hatte Heuer im städtischen Turnsaal einen Turnkursus für Mädchen eingeführt. In denselben hatten sich auch drei der mosaischen Konfession angehörige Mädchen einschreiben lassen und waren anstandlos ausgenommen worden. Während des Unterrichts erschien plötzlich der Vorstand des Salzburger Turnvereins, der k. k. Staats-Gewerbeschul-Professor Wenzel Dick, ein prononcirter Antisemit, und trat auf Herrn Protze zu. Es entspann sich zwischen Beiden eine lebhafte Kontroverse, die ihr Ende darin fand, daß der k. k. Professor Wenzel Dick die drei israelitischen Mädchen zu sich rief und ihnen in schroffem Tone vor den anderen Schülerinnen ankündtgte, daß sie den Saal zu verlassen und in den Turnstunden nicht wieder zu erscheinen hätten, da hier nur Kinder „deutscher Eltern" geduldet würden. Man kann sich die Beschämung der tiefgekränkten und vor ihren Kolleginnen so herabgesetzten Mädchen vorftellen. Der Turnsaal ist städtisches Etgenthum und Professor Dick hat daher nicht das Recht gehabt, ihm mißliebige Personen aus demselben abzuschaffen. Petersburg. Als Beispiel russischer Polizei- Willkür diene Folgendes: Ein jüdischer Lehrer wurde aus der Hauptstadt ausgewiesen. Da er aber in dem Ansiedelungsgebiete, wo Ueberfluß an Lehrern ist, keine Stelle finden konnte, kehrte er heimlich nach hier zurück. Er wurde von der Geheimpolizei entdeckt und durch Kreuz- und Querfragen zur Nennung der Personen gezwungen, welche ihm, der ohne Paß war, aus Erbarmen Obdach gegeben hatten. Aus Dankbarkeit gegen seine Wohlthäter wollte er diese nicht verrathen. Er wurde nun so grausam an den Ohren gerissen, daß er besinnungslos zu Boden stürzte. In dem Glauben, daß er simulire, hieb die Polizei mit Stöcken auf ihn, um ihn zum Aufstehen zu zwingen, bis der Arme wahnsinnig wurde und in eine Irrenanstalt gebracht werden mußte. — Solche russische Barbarei kommt nur selten zur Kenntniß der höchsten Behörden und wird gewöhnlich vertuscht, so daß die nächsten Angehörigen nicht wagen, darüber zu sprechen oder zu schreiben. Haukehmen (Ostpreußen), 13. Okt. Am vorigen Samstag verstarb im benachbarten Kaukehnellen der Handelsmann Schmeer Kohn in dem hohen Alter von 110 Jahren. Seine Ehefrau, mit der er 80 Jahre glücklich, wenn auch ärmlich, gelebt hat, ist noch ziemlich rüstig. Feuilleton. Ire drei Weiche. (Aus S. Heller „Die echten hebräischen Poesien," herausgeg. von Pros. Dr. D. Kaufmann. Trier 1893. S. Mayer. Herr Zebaoth, du Weltregent, Den man als Gott den Einz'gen nennt! Unendlich ist dein Weltenreich, Und welche Gottheit ist dir gleich? Dein Antlitz furchtbar, tausendfalt, Die Werke zahllos an Gestalt; Dein Wagen, wie er blitzt und rollt, Zeugt: Gott hat's, Zebaoth, gewollt. Und die vor deinem Antlitz stehen, Auf dein Gebot dir kommen, gehn, Entzogen menschlicher Natur, Gesehen von Propheten nur, Empfuhn von nah und fern sie Gruß; Nicht wandelnd, Flügel hat ihr Fuß. Wie du, mein Gott, so wandeln sie, Wie einst mit dir aus Sinai. Sie sprechen dir nach Sinn und Geist, Nur handelnd, wenn dein Will' es heißt, Und wer sie hört, dem wird es kund, Aus ihnen spricht dein eigner Mund. Dein erstes Reich — der Engel Heer; Die Sterne thun nur ihr Begehr. Sie sind vom ew'gen Licht erhellt, Und Friede wohnt in ihrem Zelt; Von ihnen sprudelt Weisheit hell, Bei ihnen ist des Lebens Quell, Kein Wölkchen dieser Lichtwelt droht, Nicht Mangel, Finsternis und Tod. Dem Menschen Heil, der dort gedeiht, Dort früh und abends wird geweiht, Wie David ruft der heil'gen Schaar: Preist ihn, ihr Engel, immerdar! Dein zweites Reich — das Sternenheer Mit tausend Augen rings umher. Dein Wagen fliegt nach rechts und links, Hoch stehen sie, harrend nur des Winks. Ophannim heben sich, bereit, Zu huld'gen deiner Herrlichkeit. Myriaden Fahnen, Schaar um Schaar, Voll Weisheit, Thatkraft wunderbar. Und Sonne^ Mond mit Lust erklimmt Den Ort, für ihren Schein bestimmt;

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