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Der Israelit · 1892-10-31 · Heft 86 (31.10.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 86 (31.10.1892)
Date
1892-10-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1688 Schuft ist er genug dazu! Wenn er nicht meine Briefe in Händen hätte — der Schurke verbrennt sie nie, um eine Waffe gegen mich in Händen zu haben -- hätte ich Has gefährliche Spiel, in das ich mich gestürzt, längst aufgegeben." Der Graf hatte, wie der Kammerdiener, der durch das Schlüsselloch lugte, im Flüstertöne berichtete, die Lampe angezündet und sich an den Tisch gesetzt. Nach einer kurzen Weile trat der so sehnlich Erwartete ein und nun entspann sich ein Gespräch, das abwechselnd in drei Idiomen: deutsch, italienisch, zuweilen französisch geführt wurde, so daß Wertheimer, um nicht ein Wort von dem mit großer Lebhaftigkeit geführte Dialoge zu verlieren, sein Ohr an die Thürspalte legte. Der Gras sprach meistens deutsch, der Abbate meistens italienisch; wenn Einer fürchtete, von dem Andern mißverstanden zu werden, bediente er sich des französischen, das jedem von ihnen doch geläufiger als die Muttersprache des Andern war. „Wie stehen die Angelegenheiten bei Ihnen, Grafd" frug der Italiener. „Sie fragen mich?" erwiederte Nimptsch und aus dem Tone seiner Stimme klang leidenschaftliche Erbitterung. „Sie haben mich hierherberusen, um mir eine befriedigende Mittheilung zu machen; allein aus Ihrem Zögern und aus Ihrer sonderbaren Frage erkenne ich, daß Sie mich auch heute, wie schon so oft, wieder mit leeren Versprechungen abspeisen wollen. Ich begreife in der That nicht, welchen Zweck Sie durch diese nutzlosen Zusammenkünfte erreichen wollen! Ungefährlich sind sie — weiß es Gott — nicht; wenn wir hier durch einen unglücklichen Zufall entdeckt würden, bevor unsere Vorbereitung beendet, dann wären wir Beide einem traurigen Schicksale verfallen. Ich trete immer I den Weg hierher mit Herzklopfen an, betrete mit Zagen diesen Raum und athme erst ruhig auf, wenn ich glücklich heimgekehrt bin. Wahrhaftig, es hat den Anschein, daß Sie, Abbate, nach Art der Rechtsanwälte, dem sardinischen Gesandten für jede Besprechung mit mir noch ein nahmhaftes Seperathonorar aufrechnen! .... Aber meine Geduld ist zu Ende und was noch weit ärger ist, die Geduld des Kaisers ist am Reißen und ich, der ich täglich mit ihm verkehre und die schwere Aufgabe habe, täglich frische Verleumdungen zu ersinnen und bezüglich der Vorlage der Schuldbeweise zu vertrösten, kann sein beginnendes Mißtrauen leicht begreifen. Wenn ich ihn nicht so kunstreich zu behandeln und meine allerunterthänigsten Vorträge nicht mit tausend Späßchen und Lazzis zu würzen wüßte, wäre unsere Sache schon längst verloren. Einen Andern an meiner Stelle hätte er schon lange mit Schand und Spott aus der Hofburg gejagt! . ... Ich habe dem Interesse Ihres Auftraggebers, des Königs von Sardinien, der vollen Grund hat, seinen Vetter stürzen zu wollen, nach bester Möglichkeit gedient!" „O! Carissime! Sie dienen hierbei in erster Linie dem Interesse Ihres Schwagers, des Grafen Althan, welcher nicht nur den Prinzen Eugen, sondern auch Siegendorf und Gundacker Starhemberg stürzen will, um sich zum alleinigen, allmächtigen Günstling des Kaisers aufzuschwingen, die höchsten Staatsämter in seiner Person zu vereinigen, auch werden Ihnen Ihre Bemühungen zu Gunsten Sardiniens in munificentester Weise belohnt werden; — aber fahren Sie gefälligst fort, Ihre Leistungen für das Gelingen unseres gemeinschaftlichen Zweckes aufzuzählen!" Der Abbate lachte kurz ironisch auf. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )U begehen bei G. F. Strinacker, Leipzig, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaetion eingesandten Manuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt <Hauptblatt) r Leitender Artikel: Berliner Briefe. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Freiburg i. B. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Lemberg. — Rußland: Petersburg. — England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die ver — ziehliche Wirkung der antisemitischen Agitation in Hessen. Von S. Andorn. — Literarische Neuigkeit. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Aus Norddeutschland. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Reiche. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition beS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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