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Der Israelit · 1892-10-31 · Heft 86 (31.10.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 86 (31.10.1892)
Date
1892-10-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1636 Ramlö, Lidda berührt; zu Jaffa nahe ander deutschen Kolonie am Meeresstrand befindet sich die Aufnahmsstation. Wer vor 23 Jahren den gefährlichen Saumweg der Maulthiere und Kameele kannte, auf dem in gefahrdrohender Weise die Reise 12—15 Reitstunden erforderte, dann die gute Chaussee, über Ramle, Bab El Ouad und Colonia als Ersatz sah, wird jetzt den Schienenstrang mit Freuden als Fortschritt begrüßen. Das rollende Material kam aus Frankreich, Belgien und den Vereinigten Staaten Nordamerikas. > Vermischtes -ch- Frankfurt a. M., 11. Oktober. Gestern Vormittag wurde das Gumpertz'sche Slechenhaus für Israeliten feierlich seiner Bestimmung übergeben. Eine Anzahl geladener Gäste wohnte der Feier bei, darunter seitens des Magistrats Herr Stadtrath Dr. Flesch. Herr Hermann Schott begrüßte die anwesenden Damen und trug die Entwickelungsgeschichte der Anstalt vor. Herr Charles Hallgarten gedachte des verstorbenen Vorsitzenden, Herrn Ferdinand Gamburg, dessen aufopfernden Anstrengungen es gelang, die Mittel für die Einrichtung und den einstweiligen Betrieb zu sammeln. Er hoffe, daß die Anstalt bald, wenn nöthig, erweitert werden könne, obgleich gegenwärtig noch lange nicht genügende Mittel zur Sicherung des Betriebs vorhanden seien. «schließlich übergab er die Aufsicht über das Haus den Oekonomen und den Ehrendamen. Alsdann wurde das Haus und seine Einrichtung in Augenschein genommen. Die 6 Betten sind auf 3 Zimmer im ersten Stock vertheilt. Der zweite Stock ist noch leer. Im Ganzen ist Raum für 20 Betten Man sprach sich allgemein sehr lobend über die Eintheilung und Ausstattung der Räume aus. Offerr-ach, 17. Okt. Die nationalliberale „Offenb. Zeitunng" enthält folgende Erklärung: „In dem Anzeigenteil unserer Samstag-Nummer ist durch ein Versehen eine Anzeige, betreffend eine Versammlung des hiesigen antisemitischen Vereins ausgenommen worden. Die Anzeigen-Annahmestelle unseres Blattes hat es im Drange der Geschäfte übersehen, daß es sich um eine nicht ohne Weiteres in Druck zu gebende Anzeige handelte und deshalb unterlassen, die Anzeige gehörigen Orts zur Prüfung auf ihre Aufnahmefähigkeit vorzulegen. Wir bedauern dies, verfehlen aber nicht, hiermit ein für alle Mal zu erklären, daß auf Antrag der Redaktion einstimmigem Beschluß der Eigentümer dieser Zeitung zufolge Veröffentlichungen, welche zur Förderung antisemitischer Tendenzen beitragen können, und zwar auch Anzeigen dieser Art, für welche Bezahlung geleistet werden soll, in unserem Blatte keine Aufnahme finden." Berlin. Zwischen der russischen Botschaft und der belgischen Gesandtschaft am Berliner Hofeist ein Streitfall ausgebrochen. Die russische Botschaft will nur diejenigen belgischen Pässe visiren, welche die Religion des Paßinhabers angeben. Nun gestattet aber die belgische Verfassung nicht, den Belgiern die Frage nach ihrer Religion amtlich vorzulegen. Derartige Versuche sind stets gescheitert und viele Belgier haben auf die Frage, welcher Religion sie angehören, einfach geantwortet: Gar keiner. Der belgische Gesandte ist somit nicht in der Lage, Pässe mit Religionsangabe vorzulegen, und die russische Botschaft erklärt sich auf Anweisung ihrer Regierung außer Stande, derartige Pässe zu begläubigen. (Die Lösung des Streites ist nun heute zu Gunsten der belgischen Gesandtschaft ausgefallen.) Die antisemitische Hetze sucht Ltebermann von Sonnenberg neuerdings in Oberschlefien zu betreiben, freilich mit wenig Erfolg, da in den von ihm heimgesuchten Orten sich die jüdischen Mitbürger wegen ihrer Arbeitsamkeit der allgemeinen Achtung erfreuen. Auch hier gehört zu seinen Hanptargumenten gegen die Juden, daß es keine jüdischen Handwerker gebe. Demgegenüber ist aber der „Oberschlesische Wanderer" in der Lage, aus der Hauptindustriestadt Oberschlesiens, Gleiwitz, eine große Anzahl jüdischer Handwerker aufzuzählen, welche sämmtlich das Handwerk von unten auf betrieben haben und zum großen Theil noch betreiben. Zu den Klempnern, Schneidern, Schuhmachern, Kürschnern, Bäckern, Buchbindern u. a. m. stellen die Juden ein recht ansehnliches Kontingent und strafen so die antisemitische Behauptung, daß die Juden die schwere Arbeit eines Handwerkers scheuen, durch die That Lügen. St. Johann a. G., 17. Okt. Der zum 1. n. M. geplanten Herausgabe der antisemitischen Zeitung „Westdeutsches Volksblatt" stellen sich Schwierigkeiten in den Weg. Die hiesige Firma Fischer u. Rüssel, mit der der Druck des Blattes vereinbart war, erklärt neuerdings, daß sie den Auftrag nach genauer Durchsicht der Manuskripte zu der Probenummer aus dem einfachen Grunde nicht übernehmen könne und wolle, „weil der Inhalt dem uns seiner Zeit vorgelegten Programm der Reformpartei entgegengesetzt ist und wir durch Uebernahme genannten Blattes gegen unfern Willen zum religiösen Hader der Bevölkerung im Saarrevier beitragen würden." Hier wird sich überhaupt schwerlich ein Druckereigeschäft finden, das den Antisemiten den Gefallen thun würde, ihren Hetzgeschäften Vorschub zu leisten.

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