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Der Israelit · 1892-10-31 · Heft 86 (31.10.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 86 (31.10.1892)
Date
1892-10-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1635 erziehen, darüber bleibt uns nichts übrig als zu — seufzen. Mit der Toleranz brüstet man sich nur gerne vor dem westlichen Europa, daheim Unduldsamkeit und Haß. Rußland. Petersburg, 22. October. Die jüdischen Elementarschulen, die bisher den jüdischen Gemeinden unterstanden, werden dem Ministerium für Volksaufklärung unterordnet und der Aufsicht des Synagogenvorstandes entzogen. England. London, im Oktober. Der rühmlichst bekannte Zionsfreund, d'Avigdor hier, erhielt von Colonel Goldsmidt aus Argentinien folgenden vom 31. Aug. datirten Brief,^den er den jüdischen Zeitungen mit der Bitte um Veröffentlichung zuschickt: „Der Kolonisationsplan des Baron Hirsch nimmt immer mehr, wenn auch nur langsam und Schritt vor Schritt, eine greifbare Gestalt an. Die Schwierigkeiten und Hindernisse, gegen die ich anzukämpfen hatte und noch habe, auch nur annähernd zu beschreiben, fehlen mir die geeigneten Worte. Leute, zuverlässig und zugleich arbeitsfähig sein sollen, sind leider selten zu finden. Trotzdem sind in den Kolonien bereits Häuser erbaut, die von arbeitssamen, dem Ackerbau obliegenden jüdischen Kolonisten bewohnt werden. Als ich hier anlangte, fand ich Maurizia als eine von circa hundert Familien bewohnte Stadt vor. Leider befanden sich unter denselben viele Faulenzer und Nörgler, die ihren schädlichen Einfluß auch auf die Nüchternen und Strebsamen gelten zu machen suchten. Es gelang mir aber, insofern Remedur zu schaffen, als ich die Familien getrennt von einander ansiedelte, damit sie nicht allzu oft mit einander verkehren können, und sie zur Arbeit anhalte. In einem jüdischen Blatte las ich eine abfällig gehaltene Kritik über die Administration der Kolonien sowie eine Mittheilung von hier, „daß 600 Familien nach Europa zurückgekehrt seien, das religiöse Leben ließe viel zu wünschen übrig, es seien keine Schächter in den Kolonien und die Kolonisten wären darüber sehr ungehalten." Diese Mtttheilungen aber beruhen zum Theil auf Uebertreibungen und zum Theil auf Lug und Trug. Wahr ist nur, daß 120 Familien nach Europa zurückgekehrt sind, und zwar nur solche, die in Argentinien zu verbleiben keine Lust hatten oder nicht arbeiten wollten, oder solche, welche ihren rebellischen Einfluß auf die Soliden und Arbeitsamen auszuüben bestrebt waren. Schächter sind hier eine Menge vorhanden; manche von ihnen sind hochanständige Leute, viele aber machen aus ihrem Amt ein schmutziges Gewerbe und verursachen durch ihr unreligiöses Treiben ein „Chiliul haschem“. — Der Bau von Gotteshäusern und Schulen wird bald in Angriff genommen werden. Ich hielt es für meine Pflicht, zuvörderst für die Fertigstellung von Häusern für die Frauen und Kinder der Kolonisten, die sich früher in Zelten und Hütten aufhielten, Sorge zu tragen. Was die mich betreffenden Anschwärzungen und Verleumdungen anbelangt, so wundere ich mich gar nicht darüber: Jeder Aufseher, den ich, gewiß, weil er es ver. dient, seines Amtes entsetze, und jeder Kolonist, den ich wegen seiner Faulheit und wegen lüderlichen Lebenswandels aus den Kolonien verweise, sind selbstverständlich nachher meine Feinde." Palästina. Jerusalem. Der Pesther Lloyd erhält unterm 27. v. M. folgenden Bericht: Unsere sonst so stille Stadt war in den letzten acht Tagen äußerst lebhaft bewegt. Galt es doch, das langgehegte und seit mehr als zwei Jahren in Ausführung begriffene Projekt der Verbindung der Hafenstadt Jaffa mit Jerusalem durch einen Schienenstrang verwirklicht zu sehen. Nachdem die vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Konstantinopel entsendete Sachverftändigen-Kommission den Augenschein aus der Bergfahrt vorgeuommen hatte, fand am 26. September die Eröffnungsfeier im Beisein des von dem Großherrn speziell entsendeten Kommissärs Flügeladjutanten und Ferik Gelal-El-Din Pascha in Gegenwart des General-Gouverneurs des Mutesarriflik Palästina, der Spitzen der Militär-, Civil- und geistlichen Behörden, der Stadtverordneten und einer zahllosen Menge der sehr gemischten Bevölkerung Jerusalems und der Umgebung statt. Nach dem üblichen Opfer (Curhau) fuhr der Zug nach Jaffa, um die Spitzen der dortigen Behörden und das Personal des Eisenbahnbaues abzuholen. Abends fand in dem äußerst kleinen Stationsgebäude Jerusalem, welches sich knapp neben der deutschen Templer-Kolonie „Rephaim" aus dem Platze Haririje befindet, das Festbankett statt, welchem außer der Kommission, dem kaiserlichen Delegirten der Generalgouverneur Ibrahim Pascha, die hiesigen Konsuln, Vertreter der hiesigen Bankiers und Kaufleute, die Festgeber, Vertreter der französischen Baugesellschaft aus Parts beiwohnten. Die Bahn ist eine Gebirgs-Adhäsionsbahn, der Bahnkörper mußte dem coupirten felsigen Terrain höchst mühsam durch Sprengung abgewonnen werden und manchen Arbeiter aus der Fremde deckt das kühle Grab, da dieselben dem höchst ungesunden Fieberklima zum Opfer sielen. In dreistündiger Fahrt werden die Haltestationen Battir (Wasserstation), Jl Ras, Sejed, Artus (Kreuzungsstation der Züge),

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