Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1892)
- Date
- 1892-10-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1634 Friedrich von Baden allergnädigst verliehene Jubiläums-Medaille, begleitet von den besten Wünschen der Königl. Hoheit. Herzl. Worte richtete der Herr- Rabbiner hierbei an das Jubelpaar, das tief ergriffen von all der Liebe und Güte war. Bei dem Nachmittags stattgehabten Festessen überreichte eine Deputation von 9 Herren, namens bernt^-ip muri, deren Mitglied Herr Levy-Mayer seit über 60 Jahren ist und zu deren Mitbegründer er zählt, ein Etuis mit 6 silbernen Löffeln unter warmer Anerkennung der Verdienste des Jubilars. Bei zündenden Reden — zunächst ein Toast auf den allergnädigsten Landesherrn Großherzog Friedrich von Baden — eilten die Stunden des Festes nur allzu schnell dahin, und erst als die letzten Züge die lieben Gäste nach allen Richtungen entführten, ging dasselbe zu Ende. Bemerkenswerth ist, daß das Benschen die nette Summe von M. 118.40 ergab, welche für Freiburger und Mülheimer Ortsarme bestimmt wurden. Möge dem Jubelpaar auch das (Glück vergönnt sein, die Demant-Feier in Glück und Gesundheit zu begehen. Oester.-Ungar. Monarchie. Prag, 10. Oktober. Die englischen Zeitungen bringen spaltenlange Berichte über Erinnerungen an den Heimgegangenen Dichter Tennyson. Bemerkenswerth ist ein Brief, den Tennyson 1889 an den Ausschuß der russischen Juden schrieb. Es heißt darin: „Ich habe die Berichte über die russische Verfolgung gelesen. Falls sie wahr sind, muß ich gestehen, daß Rußland die orthodoxe Kirche und seine Nationalität mit Schande bedeckt. Ich traf einst mit dem Czaren zusammen, er schien ein gutmülhiger Mann zu sein, und ich kann kaum glauben, daß er volle Kenntniß von den mit seiner anscheinenden Genehmigung vollbrachten Barbareien hat." Tennyson lernte den Czaren in Kopenhagen kennen, er übersandte ihm seine Gedichte und erhielt vom Czaren einen russischen Wolfshund zum Geschenk, der ihm bis zum Tode treu ergeben war. Prag. Mit dem am 16. Oktober verstorbenen Regierungsrath Professor Dr. S. I.. Kämpf ist einer der hervorragendsten Vertreter der jüdischen Wissenschaft und Kanzelberedtsamkeit dahingegangen. Pros. Saul Jsaac Kämpf hat sich um die Kenntniß semitischer Sprachen und semitischen Schriftthums verdient gemacht. Was ihn auszeichnete, das war vornehmlich die Vertrautheit mit den verschiedenen Zweigen desjenigen Gebietes, welchem er seine Arbeit widmete, in dem Sinne, daß er in der biblischen und nachbiblischen Literatur, mit den Alterthümern der Israeliten und mit Sprache, Schriftthum und den Antiquitäten der Phönizier gleich gut bewandert war. Dieser Vielseitigkeit des Wissens gerade verdankt Kämpf manchen schönen Erfolg. Von Kampfs Schriften ist an erster Stelle seine „Nichtandalusische Poesie andalusischer Dichter" zu nennen. Sie giebt eine ausführliche Schilderung der Leistungen der jüdischen Poeten Spaniens. Insbesondere beschäftigt sich Kämpf darin eingehend mit Charisi, Gabirol, Mose ben Esra, Jehuda Halewi. Von jedem der hervorragenden Dichter jener Zeit bringt Kämpf Proben, denen er geschickte Uebertragungen beigiebt. Weiterhin ist des Verdienstes zu gedenken, das Kämpf um die Drucklegung und die Erklärung semitischer Inschriften sich erworben hat. In Betracht kommen hier vornehmlich seine mit Erläuterungen und Übersetzungen versehenen Ausgaben der Inschrift auf dem Denksteine Mesas, Königs von Moab (1870, er ergänzte hier Arbeiten von Schlottmann, Nöldeke und Wright) und der Grabschrift Eschmunazars, Königs der Stdonier („Phöniztsche Eptgraphik") 1874). Von den übrigen Veröffentlichungen von Kämpf sind noch seine akademische Antrittsrede über die Bedeutung des Studiums der semitischen Sprachen, und seine Uebersetzung und Erläuterung des hohen Liedes zu erwähnen. Kämpf gehörte seit 1850 dem Lehrkörper der Prager- Hochschule als Dozent für semitische Sprachen an, zuerst als Privatdozent, später als Professor, In den letzten Jahren übte er seines vorgerückten Alters wegen die Lehrthätigkeit nicht mehr aus, nach deren Abschluß er vom Kaiser zum Regierungsrath ernannt wurde. Lemberg. Wie tief der Judenhaß bei uns wurzelt und wie er der Jugend selbst in den intelligentesten Familien eingeimpft wird, möge folgender Fall beweisen, der dem „Lemberger Israelit" berichtet wird: Einem hohen Würdenträger unserer Gemeindeautonomie erkrankte die Frau unter den bedenklichsten Symptomen. Man schickte um den Arzt X (einen Christen) und da der Dienstbote denselben nicht zu Hause getroffen hat, so wendete er sich mit Rücksicht auf die Bedenklichkeit der Symptome und die erforderliche Raschheit der ärztlichen Hilfe an den Arzt Dr. Y (einen Juden) und ries ihn zur Kranken. Er eilte hin, konnte aber seine Pflicht nicht erfüllen, denn die Tochter des genannten Würdenträgers gab ihrem Unwillen, daß der Diener zu ihrer Mutter einen jüdischen Arzt holte, lauten Ausdruck, und der Arzt entfernte sich. So sieht bei uns der Antisemitismus aus. Wir haben es mit einem, wenn nicht angeborenen, so jedenfalls anerzogenen Judenhaß zu thun. Dem Judenhaß mutz selbst die Mutterliebe weichen. So denken die Töchter eines hohen intelligenten Würdenträgers, wie die weniger intelligenten Familien ihre Kinder