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Der Israelit · 1892-10-31 · Heft 86 (31.10.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 86 (31.10.1892)
Date
1892-10-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1632 für den Ausbau ihrer religiösen Institutionen immer mehr Opfer zu bringen. Trotz der verhältnißmäßig geringen Zahl ihrer Mitglieder, werden alle für das religiöse Leben nothwendigen Einrichtungen erhalten und in liberalster Weise auch den strenggläubigen Genossen, welche nicht Mitglieder der „Adaß" sind, zur Verfügung gestellt. Auch in dieser Gemeinde werden die Neuwahlen vorbereitet, die in diesem Herbst stattfinden müssen. Es gilt hauptsächlich die Lücke zu ergänzen, welche durch den Tod des leider allzufrüh verblichenen Vorstehers I. L. Munk entstanden ist. Religionsschule und Kaschrus-Kommission haben durch das Hinscheiden dieses vortrefflichen Mannes einen empfindlichen Verlust erlitten. Die Stelle im Gemeindevorstand ist noch nicht besetzt, es wird einer eingehenden Prüfung bedürfen, um den rechten Mann für dieses verantwortungsvolle Amt zu finden. Denn der Vorsteher einer strenggläubigen Gemeinde übernimmt nicht sein Ehrenamt, um recht viele Dekrete, Anschlagzettel, Rügen, Mahnungen und zum Jubiläum eines Beamten einige Mittheilungen über Gehaltsaufbesserung zu unterschreiben, vielmehr ist es ein schwerer Beruf, der mit dieser Würde verknüpft ist. Die heiligsten Güter des Lebens werden dem israelitischen Gemeindevorstande anvertraut. Er ist in Gemeinschaft mit dem Rabbinat zu einer unermüdlichen Thätigkeit behufs Förderung und Hebung des religiösen Lebens verpflichtet, seiner Fürsorge unterstehen die ewigen Güter des Menschen, deren Beeinträchtigung vermieden werden muß. — Ein tüchtiger Verwaltungsbeamter kann allerdings viel Segen schaffen, er kann für Ordnung und gefüllte Kassen sorgen, aber noch unentbehrlicher für diesen Posten ist das warme Herz für unfern theuern Glauben und die Lust seine Zeit in den Dienst Gottes zu stellen. Mit der Lust und der Freudigkeit wächst auch die Kraft und eine gedeihliche segenbringende Wirksamkeit ist der schönste Lohn, den wir durch die mühereiche Arbeit erringen. Wir sind übrigens in der glücklichen Lage mittheilen zu können, daß cursirenden Gerüchten zufolge — sich der rechte Mann für die gute Sache bereits gefunden hat. Doch hiervon in meinem nächsten Briefe. Anläßlich des Artikels in der Nummer 83 des „Israelit", in welchem Herr Rabbiner Dr. Ehrmann den hygienischen Werth der Vorschriften des Schulchan Aruchs hervorhebt, dürfte es von Interesse sein, zu hören, wie sich über das fragliche Thema Anatole Leroy-Beaulieu, ein ausgezeichneter Kenner der jüdischen Schriften, in der Revue des Deux-Mondes, 15. Juli 1891 ausspricht. „Die Vortheile, welche die Statistik zu Gunsten der Juden aufweist, sind größtentheils auf ihre Religion und ihre rituelle Vorschriften zurückzuführen. Wenn Israel immer der Thora treu bliebe, würde seine Ueberlegeuheit noch viel mehr hervortreten. Man hat in vielen Gegenden die Bemerkung gemacht, daß den Juden eine gewisse Immunität gegen ansteckende Krankheiten eigen ist. Es dünkt uns, daß sie diese Immunität besonders den Anordnungen bezüglich der körperlichen Reinheit und der Auswahl der Nahrung zu verdanken haben. Das Judenthum hat den Glauben der Gesundheitslehre dienstbar gemacht. Die Thora wollte Israel zu einem gesunden und heiligen Volke gestalten. Die zwei Begriffe sind für sie eng mit einander verbunden. Keine Religion hat gegen Krankheit und Epidemie so viele Vorsichtsmaßregeln getroffen. Viele derselben decken sich mit denen, welche unsere akademische Vereine gesetzlich eingeführt wollen wissen. Die vielseitigen Bestimmungen der jüdischen Gesetze hatten lange Zeit für uns den Anstrich des Kleinlichen, und nun stellt es sich, nach dreitausend Jahren, heraus, daß die Thora mit der modernen Wissenschaft übereinstimmt. Anstatt von den Israeliten zu verlangen, daß sie den Unterschied zwischen koscher und trefa Fleisch aufheben, würden wir besser daran thun, die diesbezüglichen Regeln von ihnen zu entlehnen . . . . " x. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin. Hier stand kürzlich ein Kaufmann vor Gericht, weil die bei ihm entnommene Butter sich zu einem Drittel mit Margarine verfälscht erwies. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, daß er nicht Sachverständiger genug sei, um eine Untersuchung der Butter vornehmen zu können. Der Gerichtschemiker Dr. Bischofs gab ein höchst einfaches Mittel an, wie jeder Laie wenigstens annähernd eine Verfälschung der Naturbutter mit Margarine feststellen könne. Im Interesse aller Butterhändler wie der Käufer liege es, daß die Methode eine möglichst wette Verbreitung finde. Wenn man nämlich ein Stück reiner Naturbutter in einem Glase zum Schmelzen bringe, so werde sich ein Bodensatz von Wasser und Salz bilden. Die darüber befindliche Schicht flüssiger Butter werde klar und durchsichtig sein, falls es reine Naturbutter war. Schmelze uian in einem anderen Glase ein gleich großes Stück Margarine, so werde die flüssige Schicht milchig und undurchsichtig sein. Ein Gemisch von Natur- und Kunstbutter müsse demnach eine mehr oder weniger starke Trübung zeigen, je nach dem Prozentsatz Margarine, den das Gemisch enthielt.

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