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Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 25)
Language
German
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1(527 Durch seinen langen Aufenthalt in Samarkand war Powel Awromtschik dort sehr bewandert und wußte die interessantesten Winkel und Plätzchen, so daß ich mir keinen besseren Führer hätte wünschen können. Auch konnte ich mich mit ihm, da er russisch sprach, besser als mit den eigentlichen Samarkandern, die meist nur ein primitives Türkisch oder Persisch sprechen, verständigen. Schließlich war es mir auch sehr willkommen, daß er Alles „aus Freundschaft" Lhat und keine Bezahlung verlangte; denn meine Kasse war eine äußerst magere. Er war so liebenswürdig, weil ich ein Jude bin und er für seine ehemaligen Glaubensgenossen noch stets Sympathie hegte. Beim Abschied erhielt er indeß von mir einige hübsche Geschenke in Silber, sowie europäische Gegenstände zum Andenken, worauf er mir auch einige Souvenirs, darunter ein paar reizende Tischdeckchen, gab. ■■.***'ia=? /U rfi ***** ÄS5 Aus dem Lande Goschen. Diesem Pawel Awromtsch verdanke ich eines meiner interessantesten Erlebnisse in Samarkand. Eines Tages fragte ich nämlich meinen guten Alten über die Samakander Juden aus. „Herr Wohlthäter", erwiederte er — eine gebräuchliche Höflichkeitsformel wie etwa das Wiener „Herr von" — „Herr Wohlthäter, machen wir mal meinem Freunde Reb Mosche einen Besuch. Bei ihm können Sie sich am besten über die frühere Geschichte der Samarkander Juden und über ihr jetziges Leben und Treiben unterrichten lassen. Ich kenne ihn gut, er ist ein ganz prächtiger, sehr bescheidener und ein für Asien gebildeter Mensch. Es wird ihm sicherlich ein großes Vergnügen bereiten, Sie — einen Gast aus dem Westen, der noch dazu ein Glaubensgenosse ist — zu begrüßen und zu bewirthen. Gerade heute ist Sabbat-Vorabend und da wird ihm Ihr Besuch am willkommensten sein. Wenn es Ihnen recht ist, gehe ich gleich hin und melde Sie." „Gut", sagte ich, und Pawel eilte fort, um dem Mosche die Botschaft meines Besuches zu bringen. Gegen Abendanbruch begaben wir uns ins Haus des Mosche. Derselbe trat uns schon an der Thür entgegen. Er trug einen langen Tuchrock, um den Leib einen Gürtel aus Seide und auf dem Haupte ein Sammtkäppchen. „Der Herr aus Westen", stellte mich Awromtschik vor. „Friede sei mit Dir. Bruder", sagte der Hausherr und reichte mir die Hand. „Meine Frau und Kinder", fuhr er fort, „werden bald erscheinen. Vielleicht schaut der Herr unterdessen mein Häuschen an." „Dasselbe scheint noch ganz neu zu sein?" fragte ich. Gipfel des Berges Hör. „Ja", lautete die Antwort. „Früher — vor der Zeit der Russen, wäre es nicht gut möglich gewesen, ein so schönes Haus zu haben. Da hätten der Emir oder seine Beamten den Besitzer bald abgeschlachtet und sein Haus für sich genommen. Dies Gebäude hier habe ich selbst erbauen lassen." Darauf führte er mich auf einer bequemen Treppe zum Platten Dach empor, wo man angenehm promeniren konnte. Von hier aus bot sich ein interessanter Ueberblick über die ganze Gaffe, auf der vor den Häusern viele Juden und Jüdinnen in Feiertagsstaat am Boden hockten, aber nicht — wie es sonst im Orient Sitte ist — mit unterschlagenen Beinen. Während ich das malerische Bild betrachtete, kam ein kleiner Knabe und meldete dem „Papascha" in russischer Sprache, daß das Abendessen bereit stehe. Wir stiegen also wieder hinab und begaben uns in den Garten. Dort war in einer Laube ein stattliches, mit schönen Stickereien verziertes Zelt

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