Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1892)
- Date
- 1892-10-27
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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1626 Runen der Skandinavier oder die räthselhaften Inschriften und Bilder in den Tempeln der Azteken und Inkas, während kein Land im Osten und Westen, im Süden und Norden der Erde dem Forscherauge verschlossen war und der europäische Handelsgeist die innersten Winkel des Morgenlandes und Abendlandes aufstöberte — blieb Samarkand im tiefsten Dunkel seltsamer Wundersagen. In den Jahrtausenden der Existenz dieser Stadt kamen ihre Bewohner nur zweimal in unmittelbare Berührung mit den Völkern des europäischen Kontinents: zur Zeit Alexanders des Großen, welcher als ihr erster Bezwinger gilt, und unter Timur, ihrem größten Herrscher, der seine Kriegsfackel in die fernsten Zonen der damals bekannten Welt schleuderte. Seit Timur aber lebten sie von der Gasthäuser, die erstens aber besetzt und zweitens so schmutzig waren, daß ich mich, trotzdem Man-im Orient nicht an holländische Reinlichkeit gewöhnt wird, nur im schlimmsten Fall hineingewagt hätte. Ich war deshalb sehr froh, daß ich einen alten Mann kennen lernte, der mir bereitwillig Gastfreundschaft anbot. Dieser Mann, der sich russisch Pawel Awromtschik nannte, hat ein so reiches, an seltsamsten Abenteuern überreiches Leben gehabt, daß sich darüber ein ganzes Buch schreiben läßt. Er wurde als jüdisches Kind in Ntschny-Nowgorod an der Wolga geboren. Im vierzehnten Lebensjahre verlor er seine Eltern und alle seine acht Geschwister, die an einem Passah-Abend bet einem Ueberfall durch betrunkene fanatische Burlaken umkamen. Ein Pope nahm ihn, der nur wie s**3 * **;\;4 Israel. Taubstummen-Anstalt in übrigen Welt abgeschlossener^«!? selbst die Chinesen und es war ihnen umso leichter, als hier die Natur weit stärkere Umzäunungen gebaut hat, als jene künstliche Riesenmauer des heiligen Mittelreiches. Endlose Wüsten und Steppen umschlossen das Thal des „goldstreuenden" Serafschan nach der europäischen Richtung hin, von den anderen Seiten begrenzten es gigantische Berge und kein Ozean eröffnete zu ihm eine Verbindungsstraße ... Da standen mit einem Male — es war im Mai 1868 — unerwartet, ungeahnt russische Soldaten vor den Thoren der Stadt und — ehe es sich die Samarkander versahen — in den Mauern derselben als ihre Herren. Trotz des starken Fremdenzuges, der sich seither nach Samarkand ergießt, erfreute sich die Stadt zur Zeit meines Aufenthaltes noch keines anständigen Hotels. Es bestanden allerdings einige kleine en-Weißensee. (Siehe Seite 1606.) durch ein Wunder gerettet ward, zu sich, erwarb sich ein Verdienst um die heilige Kirche, indem er den Judenjungen taufte und verschenkte ihn dann an einen Offizier in Orenburg. Bei diesem lernte Pawel Allerlei, bis sein Herr, der äußerst gütig gegen ihn gewesen, nach Zentralasien gesandt worden war; Pawel begleitete ihn, ward aber bei einem Streifzug von räuberischen Kirghisen gefangen und kam nach wunderbaren Abenteuern, die mit unsäglichen Leiden verbunden waren, oft aber auch ihre lustige Seite hatten, als Sklave nach Samarkand, von wo er beim Herannahen des Generals Kauffmann, des Eroberers von Samarkand, zu den Russen flüchtete.Er hatte bei all den Erlebnissen oft den Glauben wechseln müssen. Er war anfangs Jude, wurde dann griechisch-katholisch, dann mohamedanisch, schließlich wieder griechisch.