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Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1625 lernen; der weiß, was pflichtgetreue, opferwillige Menschen leisten können, welcher selbstlosen Hingabe sie fähig sind. In dieser verzweiflungsvollen Lage ist jeder Gegensatz spurlos verschwunden. All' die mannigfachen Unterschiede, die der menschlichen Gesellschaft naturgemäß anhaften, sind gänzlich ausgeglichen. Die sichtbare Gefahr, der nahe Tod kettet alle Kämpfer wie wahre Brüder fest zusammen. Wer kennt noch den Begriff von reich und arm, von hoch und niedrig, von Christ und Jude? Niemand! Sie alle beten zu ihm, dem einizigen Vater aller Menschen und hier gilt nur der Mann — die That. Der Kampf ist aus. Im Feuerschein des brennenden Dorfes ruht die kleine Schar, todtmüde, hungernd und frierend aus der blutgetränkten, frosterstarrten Wahlstatt. Ein unnennbares Weh zieht durch die Seele der schwergeprüften Krieger beim Anblick der theuren Kameraden, die das feindliche Geschoß zu Boden streckte, die Tod oder Verwundung von ihrer Seite riß. Was sind die Gefahren, die Aufregung des Kampfes gegen die Schreckensbilder der Zerstörung! Sterbende haben ihren Kopf auf die Leichen der Kameraden gebettet, krampfhaft wühlt die Hand in dem blutgetränkten Boden, als wollten sie den nahenden Tod verscheuchen. Aechzend und stöhnend richten sich Schwerverwundete sekundenlang empor, dann sinken sie mit gellendem Schmerzensschrei zurück. Grausen und Elend, wohin das Auge blickt! In diesem schaurigen Durcheinander findet mein unvergeßlicher, vorhin erwähnter Kamerad, spät in der Nacht seinen schwerverletzten Nebenmann, mit dem er die Jahre der Kindheit verlebt, dessen braves, pflichtgetreues Verhalten vor dem Feinde seine innige Freundschaft errungen. Der sterbende Kamerad ist Jude. — — — Tiefbewegt hielt ihn der christliche Freund umschlungen. Er spricht von ehrenvoller Pflichterfüllung, von Sieg und Rettung des geliebten Vaterlandes, — ein nie versiegender Trost — der das Soldatenherz noch in der Sterbestunde mit heiligem Stolz bewegt. Langsam schlägt der Sterbende die Augen auf. Er sucht die Hand des treuen Kameraden zu erfassen; ein seliges Lächeln streift sein fahles Antlitz und von den bebenden Lippen haucht es leise: „Dank, Dank, — laß mich nur hier, — es geht zu Ende — Wasser! Wasser!" Die letzten Kognaktropfen des Samariters beleben auf Minuten die erlöschenden Lebensgeister. Mühsam, oft von heftigem Beben unterbrochen, beendet der Sterbende seinen letzten Gruß an die theuren Eltern im fernen Vaterlande, die Bitte, daß sie des einzigen Sohnes gedenken möchten, der auf dem Felde der Ehre den ewigen Frieden fand. Seltsam flammt es auf in den todesmatten Blicken, noch einmal hebt und senkt sich ungestüm die durchbohrte Brust, dann tönt es öd und wehevoll von den Lippen: Der Tod! — der Tod! — sage — das — Gebet." Und wehmutsvoll, dem eigenen Schmerz gebietend, beginnt der Kamerad mit fast erstickter Stimme in hebräischer Sprache das Sterbegebet der Juden, wie er es einst verständnißlos und scherzend vom Jugendfreund erlernte. Dieser fast vergessene Augenblick taucht plötzlich aus der Erinnerung vor seiner Seele auf; — im schaurigen, fürchterlichen Ernst wiederholt er jene Worte, die das Glaubensbekenntniß der Juden enthalten. Mit diesen Worten auf den Lippen hauchen sie friedlich ihren letzten Athem aus. „Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einziges, ewiges Wesen." Mit erschütternder Stimme fällt der Sterbende ein. Aus seinen Blicken strahlt es wie lichte Verklärung. Bald erstickt ein Blutstrom sein Gebet; ein Zittern durchrieselt seinen Körper. Fester schließt ihn der treue Freund in seine Arme; noch einmal schlägt der Scheidende die Augen auf. Ein tiefer, tiefer Seufzer entringt sich der beengten Brust — ein krampfhaftes Strecken — dann Totenstille — das Leben ist entflohen . . . Inmitten der Verheerung, auf Leichenübersätem Kampfgefilde, wo Freund und Feind, die Bekenner jedes Glaubens gleich ehrenvoll gebettet werden, wo die Erkenntniß thront, daß über allem irdischen Treiben ein güt'ger Gott, eine hoheitsvolle Idee waltet, da hält der christliche Kamerad den Entseelten liebvoll umschlungen. Es ist ein Bild der reinsten Menschenliebe, das sich in seiner Erhabenheit aus irnmer in die Seele prägt. Nun hat auch dich, du braver Kampfgenosse, du edler theurer Freund, die schauerliche Seuche hinweggerissen. Auch du ruhst nun, nach regem segensreichen Wirken im tiefen Frieden. — Kein eherner Gruß der Salve, der donnernd noch verkündet, daß ein braver, tapfrer Krieger abberufen, erscholl an deinem Grabe. Kein Kriegsgefährte senkte dich hinab. — Gleich Tausenden deiner Schicksalsgenossen wurdest du gebettet. Schlaf wohl, Kamerad! Wir werden deiner nicht vergessen! Wer sein Leben im treuen Dienst der Menschheit dahingegeben, sei es im blutgen Strauß, sei es im alltäglichen Treiben, des Angedenken wird in Treue auch stets bewahrt, und dieser Abschiedsgruß sei Zeuge, daß deutsche Art die deutsche Treue ehrt.- 3-533*»'- Dis Luden non brnnoelrond. Nachdruck verboten?) Samarkand, das alte Marakanda der Makedonier, das „reine hellglänzende irdische Paradies" *) Die Redaction des „Pester Lloyd", dem wir diese Schilderung verdanken, war so liebenswürdig, uns deren Nachdruck auf Intervention unseres Correspondenten, des Herrn Ak. Frey, Duna-Szerdahely7zu gestatten. der Araber, die Residenz des weltstürmenden Timur, der interessanteste und berühmteste Ort Mittelasiens, war bis vor wenigen Jahren jedem Fremden unzugänglich. Während in der Neuzeit unermüdliche Gelehrte die geheimnißvollen Hieroglyphen des Pharaonenreiches ebenso klar entzifferten wie die

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