Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448297--35083-2483051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1610 ltche Mitleidenschaft gezogen zu werden und glaubt auch mir einen Theil seiner Dankbarkeit dadurch abzuzahlen, daß er mir es ermöglicht, in einem fremden Lande dadurch zu Ansehen uud Geltung zu gelangen, daß ich eine Verschwörung — um eine solche handelt eS sich nach seiner Anschauung — zur Kenntniß de.' Behörden brächte. Er ist ein sehr kluger Mensch und seit der Graf viel außerhalb des Hauses verkehrt, fast ganz unbeschäftigt. Da er nun unablässig spionirt, ist es ihm gelungen, die Schlüssel zu dem abgelegenen Häuschen in der Leopoldstadt zu finden. Er hat dies an einem Nachmittage besucht, wo er es ganz leer und Gelegenheit fand, sich mit der Oertltchkeit vertraut zu machen. Der kluge, praktische Mann war vorsichtig genug, sich als Bürgersmann verkleidet, in einem andern Thetle der Stadt ganz gleiche Schlüssel anfertigen zu lassen, um die Verschwörer ungesehen zu behorchen. Auch pflegt er in dem Baum, den er sich durch einen Einschnitt kenntlich gemacht, nach Schriften zu suchen. Der Kammerdiener wollte mir nicht eher Mittheilungen über das Complott machen, als bis er in der Lage war, sich thatsächlich von der Existenz eines solchen zu überzeugen, aber er verdoppelte in der letzten Zeit seine Aufmerksamkeit, ließ auch das Unbedeutendste nicht unbeachtet und so gelang es ihm, nachdem er heute in dem Zimmer des Grafen ein Stück Papier gefunden, dessen Inhalt ihm verdächtig war, nach langem Suchen in einer Zimmerecke einen zweiten Papterfetzen zu finden und es ergaben diese beiden, richtig nebeneinandergelegt, eine Einladung zu einer Besprechung für heute Nacht. Hier sind die beiden Papierfetzen, welche mir der Kammerdiener übergeben." Levi zog vorsichtig die beiden Papierstücke aus der Tasche und legte sie aus den Tisch vor dem Hoffaktor. Auf denselben stand in italienischer Sprache: „Ich begreife Ihre Ungeduld, die in gleichem Maße mit jener Ihres Freundes währt. Allein die Angelegenheit ist ihrem Abschlüsse nahe. Ich muß Sie heute zu gewohnter Zeit sprechen. Ich hoffe, meine Mittheilungen werden Sie vollkommen befriedigen, bei Ihrem Freunde die gewünschte Wirkung Hervorrufen." Wertheimer blickte lange prüfend in die beiden Stücke Papier, die er in seinen, vor Aufregung zitternden Händen aneinander hielt. „Es ist nicht zu zweifeln." sprach er, „daß diese Einladung von dem Abbate Tedeschi ausgegangen ist. Er hat mir zweimal geschrieben, er besitzt eine so eigenthümliche Schrift, daß Jeder, der sie einmal gesehen, sie sofort wieder erkennen muß. Ich halte es nicht einmal für nothwendig, die Schrift auf den Zetteln mit seinem eigenhändigen Schuldschein zu vergleichen. Auch daß er sich nicht die Mühe genommen, sie etwas zu verstellen, finde ich begreiflich. Vorausgesetzt, daß die Mittheilungen Ihres Gewährsmannes richtig sind, mag der Graf wohl auch diese Mittheilung in dem hohlen Baum gefunden haben, da konnte Tedeschi. überzeugt sein, daß sie nur Jenem, für den sie bestimmt war, zu Gesichte kam, endlich ist der Inhalt ein scheinbar ganz harmloser und das giebt auch die Erklärung dafür, daß Graf Ntmptsch den Zettel nicht sorgfältiger vernichtet hat.Was glauben Sie. Levi, daß man in dieser Angelegenheit thun solid" (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel zu beziehen bei C. £. Kleinacker. Leipzig. Uohplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von au die Redactiou eingesandten Mauuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Abraham. Zu Paraschath 7^ von Rabbiner H. Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berl in. Neu-Weißensee. AuS der Pfalz. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Pest. — Amerika: Chicago. Baltimore. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Dortmund. — Oesterr.-Nngar. Monarchie: Budapest. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Aus Eisenach. Köln. — Egypten: Alexandrien. — Vermischtes. Inhalt der Belletr. Beilage: Festgedicht zur Einweihung der neuerbauten Synagoge der Religionsgesellschaft in Straßburg i. E. — „Ehre seinem Andenken!" Erinnerung aus ernster Zeit von S. Sleinberg. — Die Juden von Samarkand. — Miscellen. Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.