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Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1608 hat eine Einsendung an die „Staatszeitung" gerichteten welcher er seine Glaubensgenossen davor warnt, Judenthum und Politik zu verquicken. Rew-2)ork habe ein bedeutendes jüdisches Votum, und die Versuchung liege für kleinliche Politiker nahe, mit demselben Schacher zu treiben. Aber die große Mehrheit der Juden sei doch zu verständig, um auf diesen Leim zu gehen; sie hätten meist selbstständige politische Ansichten und Überzeugungen und folgten keiner politischen Fahne, weil etwa ein Glaubensgenosse der Träger derselben. Alle Diejenigen, welche vorgeben, das jüdische Votum in der Tasche zu haben, seien eitel Schwindler und Betrüger, welche mit den heiligsten Interessen der Bürger jüdischen Glaubens Schacher treiben. Hr. Ellinger verweist dann darauf, daß derartige Spekulationen in der Vergangenheit meistens fehl schlugen, wie sie fehl zu schlagen verdienten, und er schließt mit den eindringlichen Worten: „„Ich möchte meinen Glaubensgenossen zurufen: „Hüten wir uns, im öffentlichen Leben etwas Anderes sein zu wollen, als amerikanische Bürger; seien wir Juden in unserem Familienleben, in unseren Synagogen und Tempeln, aber lassen wir in unserer bürgerlichen und politischen Thätigkeit den Juden aus dem Spiele. Seien wir Demokraten oder Republikaner, und vor Allem erlauben wir den politischen „Smartmeyers" nicht, den Juden in uns zum Aushängeschild oder Köder zu benützen."" — Die „Stsztg." commentirt diese Einsendung editoriell. Sie warnt die Juden vor der Gefahr, durch eine Sonderorganrsation das Antisemitenthum heraus zu fordern, welches in letzterer Zeit durch den massenhaften Zuzug russischer Juden besonders groß sei- Es sei jetzt doppelte Pflicht der intelligenten Juden in ihrer politischen Thätigkeit den Juden nicht heraus zu kehren. Dieses werde auch von einer ganzen Anzahl meisterhaft verstanden; denn eine erhebliche Anzahl von Juden spiele in der Politik eine bedeutende Rolle, doch wenn man der Sache auf den Grund gehe, so seien Dieses meist Solche, welche sich sorgfältig hüteten, dort als Juden aufzutreten und ihre Stammesgenoffen in der Politik für sich auszunützen. -¥• Vermischtes- *4 Frankfurt a. M Nach dem Bericht „des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina für das Jahr 1891" ist es dem Vorstand endlich gelungen, in der Person des Herrn Dr. Lazar Grünhut, der in Berlin seine Studien vollendet hat, einen Direktor für die Waiftnanstalt zu finden, der mit strenger Religiösität und talmudischem Wissen gründliche allgemeine Bildung verbindet. Herr Dr. Grünhut wird in den nächsten Wochen mit seiner Familie nach Jerusalem übersiedeln, um die Leitung der Anstalt zu übernehmen. Inzwischen hat stch das Lokalcomite zu Jerusalem der Oberaufsicht in einer Weise angenommen, die uns zu großem Danke verpflichtet. Den beiden vielbeschäftigten Aerzten Herren Dr. Feuchtwanger und Dr. Wallach gesellte sich neuerdings Herr Louis Unger zu. In diesem aufrichtigen Freunde des heil. Landes und überzeugungstreuen Israeliten, der mit seiner Familie Berlin, seinen früheren Wohnort, verlassen hat, um mit seinem Rath und seinen Mitteln in Jerusalem zu Gunsten unserer Glaubensgenossen zu wirken, begrüßen wir einen außerordentlich werthvollen Mitarbeiter auf dem Felde der Jugenderziehung. Einem schon lange geäußerten Wunsche entsprechend, wurde eine Anzahl von Zöglingen, die viele Jahre, zum Theil seit Gründung der Anstalt, dem Waisenhause angehörten, entlassen, um das erlernte Handwerk selbständig auszuüben und jüngeren Knaben Platz zu machen. Die Schule zählt gegenwärtig 84 Zöglinge (58 Aschkenasim und 26 Sephardim), welche sich auf 4 Klassen vertheilen. Von den Externen erhielten 55 Mittagskost, 6 vollständige Kost im Waisenhause. Zum Schluß spricht der Vorstand allen Gönnern der Anstalten den aufrichtigsten Dank aus; in erster Reihe Herrn Bezirksrabbiner Dr. Salvendi in Dürkheim. Die Herren N. M. v. Rothschild Söhne in London haben neuerdings L. S. 50 gespendet, die Alliance Jsraelite Universelle hat ihre Subvention weiter gewährt, und im März d. I. hat auch der Unabhängige Orden der Bne Brith wieder M. 1000 eingesandt. Alle Menschenfreunde, so schließt der Bericht, die uns seither ihre Hülfe angedeihen ließen, bitten wir dringend, uns ferner theilnahmsvoll zur Seite zu stehen. Denn die Ansprüche an uns steigen fortwährend mit dem stets zunehmenden Andrang unbemittelter Elemente nach Palästina, und unsere Einnahmen nehmen ab. Im Vertrauen auf die göttliche Hilfe und in der Erwartung, daß unsere Glaubensgenossen uns in unfern humanitären Bestrebungen nicht im Stich lassen werden, glauben wir jedoch der Zukunft mit den besten Hoffnungen entgegensehen zu können. Fürfeld, 22. Oktober. Von den vier gesetzesgemäß ausscheidenden Gemeinderathsmitgliedern wurde Herr Isaak Wol f mit der größten Stimmenmehrheit heute wieder gewählt. Ein Beweis, daß man in hiesigem Orte, welcher zum Wahlkreise des Reichstagsabgeordneten Bamberger gehört, toleranten Gesinnungen huldigt. Mayer. Berlin. Am verflossenen Jom Kippur ist das in der Hirtenstraße gelegene kleine Beilokal und mit ihm drei min nso ein Raub der Flammen geworden. Die betreffenden man, an deren Spitze der große Talmudist, Herr Rabbiner Israel Ackermann »*j steht, ist nicht im Stande, den erlittenen Schaden aufzubringen. Wohlthätige Herzen würden sich ein großes Verdienst erwerben, wenn

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