Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1892)
- Date
- 1892-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1607 Nach beendigtem Gottesdienste wurden die Zöglinge von den anwesenden Vorstandsmitgliedern und Gästen .reichlich beschenkt. Die Feier wirkte in ergreifender Weise auf die Versammlung und jedem der Anwesenden wird sie unvergeßlich bleiben. Bei dieser Gelegenheit spendete ein langjähriger Freund unserer Anstalt für aus unserer Anstalt entlassene Zöglinge zur Erlernung eines Gewerbes 1000 M., ein zweiter Wohlthäter 100 M. Gegenwärtig werden 25 Zöglinge, 16 Knaben, und 9 Mädchen in der Anstalt erzogen; es ist aber Raum für etwa 60 Zöglinge. Die Erfolge des Vereins sind ja recht erfreulich, doch reichen die vorhandenen Mittel noch lange nicht aus', um alle an die Anstalt ergangenen Aufnahmegesuche berücksichtigen zu können. (Es ist nur zu -bedauern, daß die Zöglinge der Anstalt allem Anschein nach in reform-jüdischem Sinne gebildet werden. Red. d. Jsr.) Aus der Pfalz, im Oktober. In diesen Blättern war schon des Oefteren erwähnt, mit welcher Loyalität die kgl. bayer. Regierung die religiösen Vorschriften ihrer Unterthanen, hier der Israeliten, respekttrt. In diesem Monate legte sie von diesem schönen Zuge wieder einen deutlichen Beweis ab. Unter den 107 Kandidaten, die sich in Speyer zur Lehrer-Anstellungsprüfung (10.—20. Okt.) einsanden, waren auch 2 Israeliten. Da der 4. schriftliche Prüfungstag aus msy »tobt fiel, so wurden die beiden Israeliten gleich bei Beginn des Examens in Kenntniß gesetzt, daß sie an diesem Tage von der Prüfung dispensirt sind und dieselbe in der darauffolgenden Woche nachzuholen haben. Besonders erwähnenswerth dürfte diese Rücksicht schon deßhalb sein, weil diese Anordnung schon getroffen wurde, ehe die beiden isr. Kandidaten noch Zeit und Gelegenheit hatten, um selbst um Dispensation nachzusuchen. Jedenfalls ist in den andern sieben bayr. Kreisen, in denen sich Israeliten unter den Prüflingen befanden, ebensolche Toleranz zu verzeichnen. Die bei diesem Examen von den israel. Lehrern zu beantwortenden (schriftlich) Themen aus der Religion lauteten: 1) Das Gebet, ein Erziehungsmittel. 2) Die religiöse und philosophische Bedeutung der berühmtesten Männer des Judenthums. 3) Entstehung der Thoravorlesungen (Perikopen) am Sabbat und Inhaltsangabe von den Vorlesungen an den hohen Festen. Zur mündlichen Prüfung war ein auswärtiger pfälzischer Bezirksrabbiner als Examinator von hoher kgl. Regierung nach Speyer beordert worden. Diese Prüfung fand in Anwesenheit von mehreren Protest. Theologen statt und erstreckte sich auf alle Gebiete des jüdischen Wissens. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pest, im Oktober. Der Ungarische israelitische Handwerksnnd Ackerbauverein hielt unter Vorsitz seines Präsidenten Dr. Armin Neumann eine Ausschußsitzung. Königlicher Notar Dr. Philipp Weinmann berichtete über den derzeitigen Stand der Pollak'schen Stiftung, welche bereits über 66.000 fl. beträgt. Es wurde ein Komite entsendet, welches mit dem Kuratorium die Stiftungsurkunde abzusassen habe. Herrn Mayer Krauß de Megyer, welcher die Initiative ergriffen hatte, daß diese Stiftung dem Verein zugewendet werde, wird Dank votirt. — Wegen der jetzt herrschenden ungünstigen Gesundheitsverhältnisse wird das geplante Jubiläum des fünfzigjährigen Bestandes des Vereins auf nächstes Frühjahr verschoben. — Dr. Neumann meldet den Beitritt von 47 neuen Mitgliedern, darunter von drei Provinzgemeinden an. — An Tempelspenden gingen dem Verein an den jüngsten Festtagen an 1000 Gulden zu. — Das Exekutivkomite berichtet über die Aufnahme von 57 Handwerkszöglingen. Es wurde beschlossen, statt wie bisher zweimal, von nun an viermal im Jahre die Aufnahme von Vereinszöglingen vorzunehmen und wurde die Maximalzahl derselben auf 300 festgesetzt.— Auf Antrag des Schulkomites wurden folgende Stipendien für das Schuljahr 1892/93 zugesprochen: für die Zöglinge der Staats-Gewerbemittelschule drei zu 120 fl. und sechs zu 60 fl., für die Zöglinge an der Kunstgewerbeschule drei zu 100 fl., endlich für einen Zögling an der höheren Gewerbezeichenschule 60 fl. — Zur Vermehrung der Vereinsstipendien spendete Herr Wilhelm Fuchs 50 fl. xro anno. — Der Vereinszögling Emil Braun, Porzellanmaler, wurde brustkrank und war bereits dem Tode nahe. Auf Verwendung des Dr. Franz Schoenberg nahm sich der Kinder-Ferienkolonienverein des jungen Mannes liebreich an und dank dem humanen Vorgehen dieses segensreich wirkenden Vereins, ward derselbe dem Leben und seinem Berufe wiedergegeben, was der Ausschuß freudigst zur Kenntniß nahm. Amerika. Chicago, im Oktober. — Unter dem 20.^Sept. schrieb ein israelitischer Mitbürger dieser Stadt dem Ex-Präsidenten Grover Cleveland einen Brief, in welchem er denselben zu der Haltung, welche die demokratische Partei in ihrer Plattform gegenüber den Judenverfolgungen in Rußland einnahm, beglückwünschte. Heute erhielt er folgende Antwort aus Buzzard's Bay: „Mein werther Herr! Ihr Brief vom 20. dieses Monats ist mir zu Hand gekommen, Es ist für uns außerordentlich angenehm, zu bemerken, daß Sie die Haltung der demokratischen Partei gegenüber Ihren israelitischen Glaubensbrüdern so hoch anerkennen. Ich möchte Sie versichern, daß ich völlig mit den Erklärungen über den Gegenstand spmpathisire, obwohl ich nicht sicher bin, ob die Partei oder ich das geringste Lob für Gefühle verdienen, welche nur im Einklang sind mit der Menschlichkeit und dem guten Einvernehmen, das unter der Brüderschaft der Menschheit bestehen sollte. Baltimore, im Oktober. Der in deutschen und jüdischen Kreisen New-Aork's wohlbekannte M. Ellinger